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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Sunday, 17. November 2019 · 01:46 Uhr
 
 
 

»Hier gibt es Demokratie«

Flüchtlingsfamilie erhält Hermann-Ehrlich-Preis

Yazdansher Ayo bei seiner Dankesrede, für die er stehenden Applaus ernten sollte. (Foto: Bastian Brummer)

Bereits seit 2012 verleiht das Bündnis für Dachau alle zwei Jahre den Hermann-Ehrlich Preis - im Gedenken an den 2011 verstorbenen namensgebenden Musiker und Sozialpädagogen. In diesem Jahr war es einmal wieder an der Zeit.

Der Erchana-Saal des Ludwig-Thoma-Hauses ist voll besetzt, als die diesjährigen Träger den mit 1.000 Euro dotierten Preis erhalten. Die interessante, wenngleich berechtigte und verdiente Wahl, fiel auf Familie Ayo – Al  Sheikh aus Ras al-Ayn, einer Stadt an der Nordost-Grenze Syriens.

Der 60-jährige Rechtsanwalt Abdullah Aziz Ayo, die 51-jährige Erzieherin Aida Al Sheikh, der 30-jährige Zahnmediziner Suleiman Ayo, der 19-jährige Schüler Dilyar Ayo und der 25-jährige Student Yazdansher Ayo konnten sich seit ihrer Ankunft in Deutschland zügig integrieren – eine Tatsache, die sie zum Anlass nahmen, anderen Geflüchteten auf ihrem Weg beizustehen.

Die Familienmitglieder übernahmen von Anfang an Dolmetschertätigkeiten im Rahmen der Betreuung anderer Asylsuchender. Der seit 2016 in Bayreuth studierende Yazdansher stellte sich sogar für Deutsch- und Alphabetisierungskurse in Dachau bereit.

In seiner Dankesrede am Vormittag des vergangenen Sonntags berichtet er von seiner Ankunft in Deutschland und den Wirren der Suche nach einem Exil. Doch auch viele »wunderbare Menschen« habe er kennen lernen dürfen, bei denen er sich für ihre langjährige Unterstützung bedankt.

»Hier in Deutschland gibt es tatsächlich Demokratie«, bekräftigt der 25-jährige. Menschenrechte wie Meinungsfreiheit seien hier so tief verwurzel, wie er es sich für seine Heimat wünschen würde. Doch bis er dorthin zurück kehren könnte, würde er sich weiter für seine Mitmenschen einsetzen, beendet er seine Danksagung stellvertretend für die Familie.

Der Saal erhebt sich applaudierend - ein Umstand, den auch Bündnis-Vorsitzendem Michael Berwanger nicht übergehen möchte, der sich im Anschluss an die Preisverleihung für die zahlreiche Anwesenheit bedankt.

Die Familie selbst, die bis zu ihrer Anerkennung in den Unterkünften an der Kufsteinerstraße untergebracht gewesen war, lebt inzwischen in einer Wohnung in Markt Indersdorf. Den Preis würde sie in Ehren halten.