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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Friday, 20. April 2018 · 12:27 Uhr
 
 
 

Luftqualität in Dachau: Grenzwerte flächendeckend überschritten

Messungen eines Aktionsbündnisses ergeben hohe Schadstoffbelastung

Monika Zott (ADFC), Mike Berwanger (BfD), Sabine Geissler (BfD), Roderich Zauscher (BN), Anton Speierl (Grüne), Peter Heller (BN), Bernhard Sturm (VCD) fordern einen Luftreinhalteplan für Dachau (Foto: A. Förster)

Dass die Luftqualität in Dachau zu wünschen übrig lässt, darüber hat der KURIER in den Ausgaben 50 und 51/2017 berichtet. Wir konnten uns nur auf offizielle Zahlen von 2014 und den üblen Geruch in der Nase stützen. Wie schlecht es tatsächlich um unsere Luft bestellt ist, zeigen nun auch aktuelle Messungen eines Aktionsbündnisses aus Mitgliedern verschiedener Bündnisse und Organisationen, die sich für eine umweltschonende Mobilität einsetzen: Verkehrsclub Deutschland (VCD), Allgemeiner Deutscher Fahrradclub (ADFC), BUND Naturschutz (BN), Bündnis für Dachau (BfD) und Bündnis 90/Die Grünen sowie verschiedenen Einzelpersonen.

An 15 Messpunkten innerhalb des Stadtgebiets wurde über sechs Wochen im Oktober und November 2017 mit Passivsammlern, das sind Messröhrchen, wie sie auch das Landesamt für Umwelt (LfU) bei seinen Messungen benutzt, die Schadstoffbelastung in Dachau ermittelt. Die Messpunkte lagen an Haupt-, Neben und Wohngebietsstraßen, jeweils mit mindestens 1,5 Metern Abstand zu den Straßen. Die Ergebnisse zeigen: Dachau ist flächendeckend belastet. Der Stickoxid-Wert liegt nirgends unter 24 µg/m3. Drei Viertel der Messpunkte (12 von 15) zeigen Werte um die 30 µg/m3 oder darüber. Dies ist der von der EU zum Schutz der Vegetation festgelegte kritische Jahresmittelwert. An zwei Stellen wurde der absolute EU-Grenzwert von 40 µg/m3 überschritten: An der Ecke Bruckerstraße/Ludwig-Dill-Straße sowie auf Höhe der Mittermayerstraße 36. An der Äußeren Münchner Straße Ecke Karlsfelder Straße wurde er knapp unterschritten.

Aktionsbündnis sieht dringenden Handlungsbedarf

Das Reizgas Stickstoffdioxid schädigt die Schleimhaut im Atemtrakt ist insbesondere für Kindern und Menschen mit Atemwegserkrankungen gefährlich. WHO und Umweltbundesamt empfehlen einen Jahresmittelwert von unter 20 µg/m3. Die Dachauer Messwerte liegen überall darüber, im Jahresmittelwert tendenziell noch mehr, da im Messzeitraum viel Niederschläge und häufig starker Wind herrschten.

Das Aktionsbündnis sieht dringenden Handlungsbedarf: Die Stadtverwaltung solle zunächst das LfU beauftragen, flächendeckend verbindliche Jahresmessungen vorzunehmen, um Haupt- und Hintergrundbelastungen in der Stadt festzustellen, fordert der VCD-Kreisvorsitzende, Bernhard Sturm. Es sei dringend geboten, einen langfristigen Luftreinhalteplan zu erarbeiten. »Man wird um konkrete Maßnahmen zur Reduzierung des Individualverkehrs nicht herumkommen«, ist Peter Heller vom Bund Naturschutz überzeugt.

Das Bündnis schlägt ein Maßnahmenbündel für einen »gesünderen« Verkehr vor:

Verbesserungen im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV)

Ausbau der Infrastruktur für Radfahrer und Fußgänger. Konkret: Entfernung der Parkplätze stadtauswärts der Mittermayer- und Martin-Huber-Straße zugunsten eines Radweges.

Tempo-Reduzierungen auf 30 km/h auch außerhalb der Altstadt.

Streichung der Pläne für eine Nordost-Umfahrung Dachau.

»Die Nordostumfahrung bringt für Dachau gar nichts«, betonen Roderich Zauscher und Peter Heller von BN. »Da werden 30 Millionen Euro verschleudert mit dem Ergebnis, dass der Verkehr in der Stadt bleibt und einfach mehr Pendler mit ihrem Auto außen herumfahren, die lieber auf Schiene umsteigen sollten...«

Mit dem Thema Immissionsschutz beschäftigten sich längst auch die Gerichte: So wird das Bundesverwaltungsgericht ab 22. Februar darüber verhandeln, ob kommunale Fahrverbote zulässig sind. Neben möglichen (Diesel-)Fahrverboten diskutieren Bund und Länder über die »Blaue Plakette«, die regeln soll, bis zu welchem Schadstoffausstoß ein Fahrzeug innerhalb geschlossener Ortschaften benutzt werden darf, sowie über mögliche Hardware-Nachrüstungen von Autos mit unzulässiger Abgastechnik.