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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Sunday, 25. August 2019 · 04:17 Uhr
 
 
 

CSU und Grüne fühlen sich als Gewinner

Die Klimaschutzdebatte ist im Landkreis angekommen

Die Grünen haben wieder zugelegt, (von li) Roderich Zauscher, Jutta Krispenz und Richard Seidl von den Dachauer Grünen. (Foto: A. Förster)

Die Grünen legen bei der Europawahl deutlich zu und sind zweitstärkste Kraft im Landkreis. Die CSU bleibt die Nummer 1, kommt aber nicht an die absolute Mehrheit ran. Die SPD verliert dramatisch im Vergleich zur letzten Europawahl. Freie Wähler, FDP und ÖDP können Stimmenzuwächse verbuchen. Verloren haben AFD und die Linke. Das Landkreis-Ergebnis der zehn stärksten Parteien (in Klammern das Ergebnis von 2014) in Prozent:

CSU 40,6 (41,6)

Grüne 18,7 (10,9)

AfD 8,4 (9,2)

SPD 7,9 (18,3)

Freie Wähler 6,3 (4,7)

ÖDP 4,5 (4,0)

FDP 3,6 (2,4)

Die Linke 1,7 (2,3)

Die Partei 1,7 (0,4)

Tierschutzpartei 1,3 (1,1)

Quelle: Landratsamt Dachau

Kräftig nach oben ging es mit der Wahlbeteiligung: Von 43,5 Prozent auf 65,1 Prozent. Das ist einer der wenigen Lichtblicke, den Martina Tschirge, stellvertretende Vorsitzende der Kreis-SPD, nach der Bekanntgabe der ersten Auszählungsergebnisse beim Wahlempfang im Landratsamt ausmachen kann. »Für uns sieht es nicht so gut aus«, gibt sie freimütig zu. »Aber mich freut, dass das Anliegen der Jugend, die für den Klimaschutz demonstriert, gehört wurde.“ Ihr 15-jähriger Sohn hatte sie vor der Wahl beschworen: »Mama, wähl so, dass ich in 30 Jahren noch gut leben kann…« Natürlich ist ihr klar, dass die SPD in diesem Punkt keine Kernkompetenz aufweist und daher bei vielen jungen Wählern nicht so gut abschneidet. »Wir müssen aber auch wieder über soziale Themen reden«, sagt sie mit Blick auf die Kommunalwahl. Und übt sich in Zweckoptimismus: »Ich bin überzeugt, dass wir bei der Kommunalwahl ein besseres Ergebnis haben werden.«

Dem CSU-Landtagsabgeordneten Bernhard Seidenath scheint das schwache Abschneiden der CDU auf Bundesebene und der Europäischen Volkspartei (EVP) auf EU-Ebene sowie das starke Ergebnis der rechten Europakritiker zunächst auf den Magen geschlagen zu sein. »Immerhin liegt die CSU stabil bei über 40 Prozent«, darüber freue er sich, »außerdem kommt bei uns im Stimmbezirk die AfD nicht über zehn Prozent.« Mit Ausnahme von Pfaffenhofen, da schafft sie sogar 10,5 Prozent.

Die Grünen sind einmal mehr die großen Gewinner der Wahl: 18,7 Prozent der Dachauer haben ihr Kreuzchen bei der Öko-Partei gemacht, das sind nochmal 1,6 Prozent mehr als bei der Landtagswahl 2018 und fast neun Prozent mehr als bei der letzten Europawahl. Jutta Krispenz, Co-Vorsitzende der Landkreis-Grünen: »Ich bin hoch erfreut über das Ergebnis«, sagt sie, »und dann freut es mich auch, dass die Wahlbeteiligung so hoch war.«

Auch bei den kleineren Parteien ist die Stimmung entspannt, alle scheinen mit dem Ergebnis zufrieden. Der FDP-Kreisvorsitzende Christian Stangl sagte: »Unser Ziel war es, besser abzuschneiden als vor fünf Jahren, das haben wir erreicht.« Der Fokus liege mehr auf der Kommunalwahl 2020, betonte er. Da sei man auf einem guten Weg, habe die Mitgliederzahl und die Zahl der Ortvereine in den letzten Jahren verdoppeln können.

Die ÖDP kann nur wenig vom Volksbegehren zur Artenvielfalt profitieren. »Die Grünen haben von der Petition mehr profitiert als wir«, bedauerte der ÖDP-Kreisvorsitzende. »Das war schon beim runden Tisch spürbar, als sie sehr präsent waren und wir eher am Rand blieben.« Das Ergebnis der ÖDP stieg immerhin leicht: Auf 3,5 Prozent Bayern und auf 4,5 Prozent im Landkreis.

Zitat des Abends: Roderich Zauscher, Grünen-Vertreter im Dachauer Kreistag, frotzelt im Beisein von CSU-Landrat Stefan Löwl: »Wir werden es noch erleben, dass der höchste Balken grün leuchtet«, und meint damit das Diagramm mit der Stimmenverteilung, das bei jeder Wahl eingeblendet wird. »Bei uns in Bayern wird das nicht passieren«, kontert Löwl. Beide lachen. Sie sind die Gewinner des Abends.