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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Sunday, 27. May 2018 · 09:34 Uhr
 
 
 

Schlechte Luft auf Dachaus Straßen

Grenzwerte für Stickstoffdioxid geben Anlass zur Sorge

Wer an der Mittermayerstraße in Dachau wohnt, atmet grenzwertig viele Stickoxide ein (Foto: A. Förster)

Geht Dachau langsam die gute Luft aus? An manchen Wintertagen wirkt es so, irgendwie merkt man es schon am Geruch. Der Wintersmog besteht vor allem aus Rußpartikeln und wird durch Verbrennungen durch die Heizungen (Kamine), den Verkehr, durch Industrie und Kraftwerke, aber auch durch Reifenabrieb verursacht.

Tatsächlich hat Dachau aber ein ganzjähriges Luftproblem. Zumindest im Bereich der Stickoxide, genauer gesagt beim Stickstoffdioxid, werden die Grenzwerte womöglich längst überschritten. Die letzten Messungen des Landesamts für Umweltschutz Bayern (LfU) fanden zwischen Dezember 2012 bis zum April 2014 in der Mittermayerstraße statt und ergaben einen Jahresmittelwert von 40 µg/m3 - damals wurde also der erlaubte Grenzwert gerade noch so eingehalten. Nun ist die besagte Straße aber noch nicht mal ein Verkehrsknotenpunkt wie zum Beispiel die Schleißheimer oder die Münchner Straße, die deutlich mehr Autoverkehr zu verkraften haben. Und die Verkehrsbelastung hat in den letzten drei bis vier Jahren eher zugenommen, dafür spricht allein schon der Zuzug an Neubürgern. Man kann also davon ausgehen, dass die Grenzwerte in Dachau regelmäßig überschritten werden.

In Karlsfeld hat die Gemeinde wenigstens reagiert. An der B309 war die Luftqualität allerdings noch schlechter als in Dachau. Die Messungen des LfU im Zeitraum 2013 bis 2014 ergaben für Stickstoffdioxid eine Überschreitung des Grenzwertes von 40 µg/m3 mit einem gemessenen Jahresmittelwert von 47 µg/m3 an der Wohnbebauung und 54 µg/m3 neben der Straße. In der Zwischenzeit erfolgte eine Reduzierung der Geschwindigkeit von 60 auf 50 km/h innerorts an der B304. Um diese Maßnahme im Hinblick auf die Luftqualität zu überprüfen, wird das LfU eine weitere Messung vornehmen. Sie beginnt im Januar 2018 und wird mindestens zwölf Monate fortgeführt. En LfU-Sprecher erklärt die Maßnahme: »Es werden sogenannte Passivsammler für Stickstoffdioxid an denselben Orten wie 2013 angebracht, um einen direkten Vergleich zu den damaligen Ergebnissen ziehen zu können. Parallel wird die durchschnittliche tägliche Verkehrsstärke erhoben. Hierzu wird eine Verkehrszählschleife in der Nähe des Messortes in der Münchner Straße verwendet«.

Das LfU würde auch in Dachau tätig werden, wenn die Stadt dies verlangen würde. Der LfU-Sprecher: »Sollte sich bei der Stadt Dachau eine deutliche Erhöhung der Verkehrszahlen in hochbelasteten Straßen ergeben haben, kommt auch hier zunächst eine rechnerische Ermittlung der Immissionssituation in Frage«. Die Stadtverwaltung könne sich dann an das LfU wenden, das Landratsamt werde entsprechend informiert.

Luftreinhalteplan vom Verkehrsausschuss abgelehnt

Wie ernst die Stadt das Thema nimmt, zeigt sich an der Seite »Downloads Mobilität und Verkehr«. So ist zum Beispiel ein elf Jahre alter Verkehrsentwicklungsplan hinterlegt und eine zehn Jahre alte Verkehrserhebung Knotenpunktzählung. Die Stadträte haben im Laufe des Jahres die von Bürgern und dem Verkehrsreferenten Volker Koch (SPD) geforderte nächtliche Tempo-30-Zone für die Ludwig-Thoma-Straße und die Münchner Straße sowie die Beteiligung am Münchner Luftreinhalteplan mehrheitlich im Verkehrs- und Umweltausschuss abgelehnt.

Wie wichtig vielen Bürgern das Thema wiederum ist, zeigt die Petition »Frischluft und Naherholung für Dachau und Karlsfeld«, deren Vertreter innerhalb weniger Monate über 5.000 Unterschriften gesammelt und diesen November an den Landrat sowie die Bürgermeister von Dachau und Karlsfeld übergeben haben. Peter Heller, einer der Initiatoren der Petition: »Wir müssen davon ausgehen, dass Belastungen durch Stickoxide oder Feinstaub an besonders verkehrsreichen Straßen in Dachau und anderswo über den Grenzwerten liegen. Trotzdem wollen viele Kommunalpolitiker noch mehr Straßen, die noch mehr Verkehr anziehen«. Es brauche andere Lösungen, so der Bund-Naturschutz-Ortsvorsitzende, das Fahrradparkhaus am Dachauer Bahnhof sei zum Beispiel ein positives Zeichen in die richtige Richtung, wie auch eine auf Busse abgestellte Ampelschaltung im Stadtgebiet.

Ein Anwohner der Mittermayerstraße, der seinen Namen nicht nennen möchte, wünscht sich drastischere Maßnahmen: »Ohne Fahrverbote wird es nicht gehen. Sonst kommen immer noch mehr Autos und die Luft wird immer schlechter...«

(Andreas Förster)