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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Monday, 3. August 2020 · 13:55 Uhr
 
 
 

»Namen statt Nummern«

Elf neue Geschichten für das Gedächtnisbuch

Diakon Klaus Schultz zitierte den verstorbenen Max Mannheimer in seiner Vorrede. Wir seien nicht verantwortlich für das Geschehende - sehr wohl aber für das, was heute geschieht. (Foto: Baston)

»Es sei Raum für Sühne und Versöhnung in unmittelbarer Nähe zu einem Ort der Gewalt und des Grauens«. Dieser Idee folgend errichtete Sr. Maria Theresia 1964 den Karmel Heilig Blut am Nordrand des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau, wo sich am Mittwochabend knapp 200 Menschen einfanden, um elf Geschichten zu hören.

84 Jahre ist es her, dass die Führung des NS-Regimes die damals noch zu Prittlbach gehörende Fläche an der Würm zu ihrem ersten Konzentrationslager machte. Der 22. März stehe für den Anfang der Verfolgung, wie Diakon Klaus Schultz in seinem Vorwort zum Jahrestag in der Klosterkirche erklärt.

Anlässlich des Jahrestages recherchieren und verfassen ehemalige Projektteilnehmer und Interessierte seit 1994 Einzelbiografien von ehemaligen KZ-Häftlingen. Diese werden in Form von Gedenkblättern Teil des Gedächtnisbuches »Namen statt Nummern«, das auf den verstorbenen Vorsitzenden der Lagergemeinschaft, sowie Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer zurück geht. »Die Geschichten der Menschen verstummen«, fügt Schultz an - so sei es unsere Aufgabe, sie weiter zu erzählen.

Über die Jahre entstanden auf diese Weise bereits rund 200 Blätter, die in der evangelischen Versöhnungskirche auf dem Lagergelände ausgestellt werden. In diesem Jahr werden sie um ganze elf weitere ergänzt, an denen in diesem Jahr unter anderem W-Seminarteilnehmer aus Bamberg und Freising, sowie der ehemalige hessische Innenminister Gerhard Bökel arbeiteten. Dieser stellte die beeindruckende Biografie von Abdelkader Mesli vor. Der französische Imam an der Grande Mosquée de Paris war 1944 mit dem »Geisterzug« von Frankreich nach Dachau gebracht worden. Als Imam führte er ein Doppelleben - setzte er sich doch schon zur Zeit des Vichy Régimes für Juden ein, denen er, zusammen mit Gleichgesinnten, muslimische Identitäten gab, die sie oftmals vor dem Tod schützten.

Besonders gerührt zeigte sich Meslis Sohn Mohammeder der betonte, wie eindrucksvoll die Arbeit an den Gedenkblättern sei. Weiterhin freue er sich, dass besonders der aktuellen Lage eine Geschichte wie die seines Vaters nur zuträglich sein könnte.