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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Thursday, 15. April 2021 · 09:23 Uhr
 
 
 

40 Jahre und kein bisschen leise

Der Rotary Club Dachau feiert sein 40-jähriges Bestehen, Interview mit Präsidentin Irmgard Jehle

Dr. Irmgard Jehle ist die amtierende Präsidentin des Rotary Club Dachau. (Foto: Foto Sessner)
 

Irmgard Jehle ist seit Juli die amtierende Präsidentin des Rotary Club Dachau. Als Theologin nimmt man ihr ab, dass sie sich gerne um Schwächere kümmert. Und diese Intention weiß sie auch ganz klar zu betonen, wenn es darum geht, den Daseinszweck des Dachauer Rotary Clubs zu beschreiben. Außerdem stellt sie klar: Der Rotary Club Dachau ist kein elitärer Männerverein. Stattdessen gehe es um Freundschaft, Kontaktpflege und gute Werke.

KURIER: Was ist Rotary eigentlich genau?

JEHLE: Rotary ist ein Service-Club, es geht also darum, Menschen zu dienen. Genauer gesagt, sich für soziale Projekte einzusetzen und zu einer besseren Verständigung unter den Menschen beizutragen. Rotary entstand in den USA und ist mittlerweile auf der ganzen Welt verbreitet. Der Club steht für Offenheit und Transparenz. Alles, was wir machen, findet man auf unserer Webseite.

KURIER: Woher kommt der Name Rotary?

JEHLE: Das hängt mit den Gründervätern zusammen, die das rotierende Rad zum Erkennungszeichen machten: Dabei geht es um Bewegung im Gegensatz zum Stillstand. Später kam die Vier-Fragen-Probe als weiteres Leitbild dazu.

KURIER: Was sind das für vier Fragen?

JEHLE: Sie lauten: »Ist es wahr? Ist es fair? Dient es dem Wohl aller Beteiligten? Fördert es Freundschaft und guten Willen?« Diese Fragen dienen uns als Kompass für unsere Beziehungen nach Innen wie nach Außen. Der Kompass findet sich auch im Rotary-Logo wieder.

KURIER: Wie kam es zur Gründung des Dachauer Clubs?

JEHLE: Dachau war eine Ausgliederung. Zuerst gab es Fürstenfeldbruck. Der Brucker Club war vor 40 Jahren schon recht groß und es gab etliche Dachauer Mitglieder. Da ergriff Rudi Raab die Initiative, er gründete den Dachauer Club mit 28 Mitgliedern. Die Gründungsversammlung fand in der Ratsstube im Ziegler-Bräu statt, wo wir uns immer noch jeden Mittwochabend treffen.

KURIER: Wie viele Mitglieder gibt es heute und wie hoch ist der Frauenanteil?

JEHLE: Wir haben 48 Mitglieder. In Dachau werden seit 2011 Frauen aufgenommen. Zunächst waren wir nur zwei, jetzt sind wir zu siebt, mit wachsender Tendenz. Aber auch die Ehepartner(innen) oder die Hinterbliebenen von Mitgliedern sind zu den Meetings und Veranstaltungen eingeladen. Und wir haben oft weibliche Referenten. Also sind wir durchaus gut durchgemischt.

KURIER: Referentinnen?

JEHLE: Richtig. Die wenigsten unserer Treffen sind Plauder Meetings, die gibt es nur während der Ferien. Und selbst hier entwickeln sich oft richtig gute Gespräche. Den Rest der Zeit haben wir jede Woche einen neuen Vortrag. Unser aktuelles Thema lautet »Multikulti oder Leitkultur?«. Neben den Vorträgen unternehmen wir auch eine Menge zusammen. Unsere letzte Kulturreise ging nach Sizilien. Nächste Woche machen wir zusammen einen Segelausflug, im Winter gehen wir mit unserem österreichischen Partnerclub zum Skifahren. Am Markttag in der Altstadt trifft man uns am Bücherstand, der Erlös kommt unseren sozialen Projekte zugute.

KURIER: Welche sind das?

JEHLE: Wir unterstützen verschiedene lokale Projekte, zum Beispiel die Jugendhilfe »Brücke Dachau e.V«, das Caritas Altenheim oder Schwimmkurse für Kinder. Die Young Rotarys, unsere Jugendorganisation, ist sehr aktiv in der Flüchtlingsarbeit. Mit dem Lions Club haben wir uns zusammengetan, um der Tafel ein neues Lieferauto zu spendieren.

KURIER: Sind die Lions und Rotary nicht Konkurrenten?

JEHLE: Das wird uns oft nachgesagt, dabei sind wir miteinander befreundet. Die Unterschiede sind nicht so groß, wir sind beide Service-Clubs und haben eine ähnliche Grundeinstellung. Unsere Jugendorganisationen, Young Rotary und die Leos, unterstützen sich gegenseitig.

KURIER: Wie sind Sie persönlich zu Rotary gekommen?

JEHLE: Ich wurde vom Dachauer Club mehrmals als Reiseleiterin engagiert und so lernte ich die Menschen hier kennen und schätzen. Als ich 2004 gefragt wurde, ob ich nicht Mitglied werden wolle, habe ich ja gesagt. Der Club hier ist mir einfach sehr sympathisch. Deshalb fahre ich auch jede Woche von München nach Dachau.

KURIER: Wäre da ein Münchner Club nicht naheliegender?

JEHLE: Von der Entfernung her schon, aber in Dachau sind die Mitglieder bodenständiger, das liegt mir mehr.

KURIER: Dem Rotary Club wird manchmal nachgesagt, ein elitärer Männerbund zu sein.

JEHLE: Hier in Dachau ist das nicht so, wir sind bunt gemischt, auch weltanschaulich. Da ist der Handwerker dabei, eine Putenbäuerin aus der Region, eine Muslima mit türkischen Wurzeln. (Anm.d.Red.: Als Irmgard Jehle für das Foto den Regiestuhl begutachtet, erkennt sie an den Autogrammen darauf mehrere Mitglieder wie Heimatpfleger Norbert Göttler und Annegret Braun von der Geschichtswerkstatt Dachau). Bei Rotary stehen wir für Toleranz und Offenheit allen Religionen und demokratischen Parteien gegenüber.

KURIER: Wie kann man Mitglied werden?

JEHLE: Man kann sich nicht selbst bewerben, sondern wird von einem Mitglied eingeladen. Wenn man den Club besser kennengelernt hat, entscheidet zunächst der Vorstand, dann die Club-Versammlung über die Aufnahme. Beruflich sollte man fest im Leben stehen und sozusagen untadelig sein. Als Karrieresprungbrett ist der Club jedenfalls ungeeignet. Es geht mehr ums Geben als ums Nehmen.

KURIER: Hauptberuflich sind Sie Reiseleiterin?

JEHLE: Auch. Ursprünglich habe ich Theologie studiert und einige Jahre in einer Pfarrei gearbeitet. Aber auf Dauer war das mit dem Familienleben nicht vereinbar und so bin ich im Bayerischen Pilgerbüro gelandet, wo ich schon während meines Studiums gejobbt hatte. Dort entwerfe ich Reisen, begleite Reisende und schreibe Reisebücher.

KURIER: Was ist Ihr persönliches Motto?

JEHLE: Mein Motto als diesjährige Präsidentin lautet »Der Weg beginnt an der eigenen Haustür«, das heißt so viel wie: Mach dich selbst auf den Weg, treffe dich mit anderen und packe die Dinge an, die vor deiner Nase sind.

KURIER: Sind Sie denn nur ein Jahr Präsidentin?

JEHLE: Ja, man wird immer nur für ein Jahr gewählt, die Wahl ist im Dezember und das Amt selbst beginnt am 1. Juli und und endet am darauffolgenden 30. Juni. Bei Rotary gibt nicht nur eine oder einer den Ton an, sondern es sollen alle Aufgaben rotierend von allen übernommen werden.

KURIER: Was waren Ihre bisher schönsten Erlebnisse bei Rotary?

JEHLE: Zum einen die letztjährige Riese nach Sizilien, das war ein schönes Miteinander an einem schönen Ort mit tollen Gesprächen. Eine Woche Genießen und Kennenlernen und Austausch. Zum anderen die 40-Jahr-Feier mit unseren Partner-Clubs aus der Türkei und Österreich. Wir waren in Augsburg, Mariabrunn und Gut Häusern und hatten tolle Gespräche.

KURIER: Auch wir danken für ein tolles Gespräch.

Interview: Andreas Förster

Foto: Sessner Dachau