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Friday, 14. May 2021 · 00:40 Uhr
 
 
 

Die Bildungsnavi-App

Gut für Jugendliche, Eltern und Wirtschaft

Sparkassenvorstand Hermann Krenn (li) und Schulamtsdirektor Albert Sikora sind die beiden Co-Vorsitzenden des Arbeitskreises SchuleWirtschaft Dachau. (Foto: AK SchuleWirtschaft Dachau/Riffert)

Interview mit den beiden Vorsitzenden des Arbeitskreises SchuleWirtschaft Dachau, Sparkassenvorstand Hermann Krenn und Schulamtsdirektor Albert Sikora zur wieder ausgefallenen JOB, zur Bildungsnavi-App und mehr...

Herr Krenn, Herr Sikora, heuer muss die Berufsinformationsveranstaltung JOB Dachau schon zum zweiten Mal coronabedingt ausfallen. Kann die aktualisierte Bildungsnavi-App diese Lücke schließen?

Hermann Krenn: Mit einer so lange andauernden Pandemie konnte niemand rechnen. Trotzdem hatte der Arbeitskreis SchuleWirtschaft Dachau schon 2020 die Idee, die Bildungsnavi-App, die ja im Kontext der JOB Dachau programmiert wurde, mit zusätzlichen Funktionalitäten und Angeboten auszustatten. Damit haben wir nun ein aktuelles Programm für alle Interessierten: die Schülerinnen und Schüler, ihre Eltern, die Lehrkräfte und nicht zuletzt die Unternehmen und andere Anbieter von Ausbildungsplätzen.

Albert Sikora: Wir hatten geplant, dass heuer die Klassenstufen, in denen die Frage der Berufswahl wichtig ist, im Unterricht gemeinsam mit der Bildungsnavi-App arbeiten. Das ist derzeit allerdings wenig wahrscheinlich, weil nur die Abschlussklassen in den Schulen sind und die meisten anderen noch per »Homeschooling« unterrichtet werden. Aber ich bin trotzdem sehr froh, dass wir dieses informative Angebot haben und wir weisen natürlich auf unseren Kanälen darauf hin. Ich möchte alle Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen sieben und acht dazu aufrufen, die Bildungsnavi-App selbst zu nutzen, am besten mit Freunden und den Eltern. Schließlich müssen sich die Jugendlichen mit dem aktuellen Zwischenzeugnis um einen Ausbildungsplatz zum Herbst 2022 bewerben. Bis dahin müssen sie Ideen entwickeln, was sie später machen wollen.

Wie können die Eltern ihre Kinder bei der Berufswahl unterstützen?

Hermann Krenn: Eltern können die Kinder dabei unterstützen, indem sie mit ihnen gemeinsam schauen, wo die Interessen und Talente ihres Kindes liegen. Dabei spielen die Noten eine Rolle, aber auch, womit das Kind seine Freizeit verbringt und welche Interessen es hat. In diesen starken Interessensbereichen sollten sich die Kinder auch beruflich wiederfinden. Sie sollten dort Praktika machen und ins Berufsleben hineinschnuppern. Die Eltern können mit ihrem Kind in der Bildungsnavi-App Informationen über Berufe sammeln, die Filme über die Ausbildungen in regionalen Unternehmen ansehen, sie beim Finden eines Praktikumsplatzes unterstützen, sie ermutigen und motivieren.

Wo liegt die Stärke der Bildungsnavi-App?

Albert Sikora: Ich finde die Bildungsnavi-App sehr gut, weil sie sich ganz an den Sehgewohnheiten der Jugendlichen orientiert. Die Filme, in denen Auszubildende in regionalen Unternehmen ihre Ausbildung vorstellen, sind richtig gut: viele Infos von jungen Leuten für junge Leute, gut geschnitten, tolle Hintergrundmusik, Kontaktadressen am Schluss. Das passt. Als Lehrer sehe ich die Chance, dass die Bildungsnavi-App allen Schülerinnen und Schülern Entwicklungsmöglichkeiten zeigt. Da wird schnell klar, welche Ausbildung ich zum Beispiel mit dem Mittelschulabschluss machen kann und welche Möglichkeiten ich danach habe. So können auch »Spätzünder« Karriere machen. Wichtig ist, dass sie Lust auf eine bestimmte Ausbildung haben und in den Beruf hineinschnuppern wollen. Dafür sind die Praktika unverzichtbar. Es ist durchaus realistisch, mit einem Mittelschulabschluss und einer erfolgreich beendeten Lehre und einer Meisterprüfung zu studieren, wenn man das möchte. Oder man besucht eine weiterführende Schule, macht Abitur und studiert dann. Da gibt es viele gute Möglichkeiten.

Hermann Krenn: Ich spreche zunächst als Vater: Wissenschaftliche Untersuchungen haben belegt, dass die Eltern den größten Einfluss auf die Berufswahl ihrer Kinder haben. Man kann mit der neu aufgesetzten Web-App die gesamte Familie vor den Rechner setzen und sich gemeinsam informieren. Auch bei der JOB Dachau waren viele Eltern mit ihren Kindern zusammen vor Ort und haben auch eigene Fragen bei den Gesprächen mit den Ansprechpartnern der Betriebe und der Innungen gestellt. Dass sich Eltern und Kinder gemeinsam informieren, das geht jetzt auch sehr gut durch die App.

Dann spreche ich noch aus der Sicht der Wirtschaft. Die Berufsorientierungsmesse »JOB Dachau« hat unter anderem Anbieter von Praktikumsplätzen mit den interessierten Schülerinnen und Schülern zusammengebracht. Daraus ergeben sich auch immer wieder Ausbildungsverträge. Schließlich ist der berufliche Nachwuchs unverzichtbar für unsere heimischen Unternehmen, aber auch für den sozialen Bereich und die Behörden. Dieser Kontakt ist auch per Bildungsnavi-App möglich. Hier gibt es eine Rubrik, in der die Firmen ihre aktuellen Praktikumsplätze eintragen können und die Schülerinnen und Schüler können sich bei ihnen melden. So bleibt der Kontakt zu den Jugendlichen, die bald ins Berufsleben eintreten, erhalten.

Und wo bekomme ich diese App?

Albert Sikora: Das ist ganz einfach. Für die Web-App muss ich im Browser nur die Adresse www.bildungsnavi.org eingeben. Und die Bildungsnavi-App fürs Smartphone finde ich bei Google Play, wenn ich ein Android-Gerät habe. Fürs iPhone gehe ich in den App-Store. Bei beiden suche ich nach »Bildungsnavi Dachau« und kann dann die kostenlose App sofort installieren.

(Interview: Gabriele Riffert für AK SchuleWirtschaft Dachau)