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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Monday, 24. February 2020 · 11:34 Uhr
 
 
 

Pilotprojekt gegen Wohnungs-Leerstand

Projekt im Landkreis erfährt bayernweite Aufmerksamkeit

Nicht nur in Städten, auch in den Landkreis-Gemeinden stehen viele Wohnungen leer. (Foto: Avi Chomotovskia/pixabay.com)

Das Forschungsprojekt der Technischen Universität München (TUM) zum Wohnungsleerstand kann nun starten. Bayerns Bauminister Dr. Hans Reichhart hat Anfang der Woche zusammen mit dem Dachauer Landtagsabgeordneten Bernhard Seidenath, Landrat Stefan Löwl und Hebertshausens Bürgermeister Richard Reischl den Startschuss gegeben. »Wir wollen Wohnungs-Leerstände möglichst eindämmen. Gerade in der Metropolregion München ist der Druck auf dem Wohnungsmarkt enorm und dennoch steht Wohnraum leer. Dies wollen wir – zum Nutzen aller – so weit wie möglich abstellen. Dies ist das Ziel der neuen Genossenschaft »Habt ein Herz für soziale Berufe!«, die Wohnungen anmietet und etwa an Pflegekräfte und Erzieherinnen weiter vermietet. Das aber ist auch die Intention des Studienprojekts der TUM«, erläuterte Seidenath.

Nach Angaben des Statistischen Landesamts stehen im Landkreis Dachau aktuell bis zu 1.800 Wohnungen leer. Freistaat und Landkreis sowie die Landkreisgemeinden finanzieren das Forschungs-Projekt der TUM gemeinsam. Der Freistaat steuert 135.000 Euro bei, die die CSU-Landtagsfraktion auf Initiative von Seidenath in den Staatshaushalt eingestellt hatte. »Wenn Wohnungen leer stehen und gleichzeitig viele Menschen dringend ein Dach über dem Kopf benötigen ist das nicht hinnehmbar. Wir wollen, dass dieser brachliegende Wohnraum wieder in ein neues Zuhause umgewandelt wird«, erläuterten auch Landrat Stefan Löwl und Bürgermeister Richard Reischl und fügten hinzu: »Die Studie »Wohnungsleerstand wandeln!« (WohL) soll Motive für den Leerstand finden und letztlich Methoden zur Aktivierung von wertvollem Wohnraum im Landkreis Dachau ausfindig machen«.

Neben renovierungsbedürftigen Wohnungen, die nur vorübergehend leer stehen, wird laut Angaben der TUM ein beachtlicher Anteil von Wohnungen langfristig nicht vermietet oder genutzt. Warum das so ist, wollen die Forscher nun herausfinden und systematisch erfassen und dokumentieren. Mit einem Handlungsleitfaden will die TUM dann gezielt auf Bauherren und Vermieter zugehen. Seidenath, Löwl und Reischl erwarten sich von diesem Projekt je nach vorliegendem Grund für den Leerstand eine passgenaue Lösung: »Oftmals sind es Einliegerwohnungen in großen Einfamilienhäusern, die nach Wegzug der Kinder leer stehen. Wir wollen das Potential erkennen und Wege finden, es zu nutzen«.

Der Landkreis Dachau ist von 1987 bis 2016 um rund 47.000 Personen beziehungsweise um etwa 45 Prozent gewachsen und hat nun deutlich mehr als 150.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Damit ist er auch nach Auffassung des Bayerischen Bauministeriums für Forschungszwecke ein geeignetes Beispiel für traditionelles Wohnen im Bestand und neue Wohnanliegen. Die hochgradig dynamische Bevölkerungsentwicklung im Landkreis Dachau wird sich auch in den kommenden Jahren fortsetzen. Ziel und Zweck der Studie »WohL« der TUM wird ein Beitrag zu nachhaltigen Lösungen für gutes Wohnen der gegenwärtigen und zukünftigen Bevölkerung des Landkreises Dachau sein, wie auch zur Entwicklung der passgenauen Wohnarrangements in Gemeinden im Großraum München und im Freistaat Bayern.

Das beteiligte »Untersuchungsfeld« sind die freiwillig teilnehmenden Gemeinden im Landkreis Dachau. Auch die Caritas als einer der großen Wohlfahrtsverbände im Landkreis Dachau hat einen Zuschuss in Aussicht gestellt. »Wohnen wird immer mehr zum Schlüsselfaktor für die weitere Entwicklung der Region und insbesondere für die dringend nötige Gewinnung von Fachkräften. Neben dem Bau von neuen Wohnungen ist die Aktivierung bereits bestehenden Wohnraums eine sowohl wirtschaftlich sinnvolle als auch ressourcenschonende und nachhaltige Maßnahme«, begründete Landrat Stefan Löwl das Engagement des Landkreises.

Die Projektlaufzeit ist auf drei Jahre angelegt. 2023 sollen die Ergebnisse vorliegen.