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Sunday, 9. August 2020 · 04:33 Uhr
 
 
 

Tag der Hausarztmedizin

Bernhard Seidenath besucht Praxis

Bernhard Seidenath MdL (re) im Gespräch mit Hausarzt Dr. Oliver Abbushi. (Foto: CSU)

»Es steht außer Frage, dass auch Hausarztpraxen während des Lockdowns in zum Teil schwerwiegende wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind. Dabei haben sich die Hausarztverträge als das wichtigste Instrument erwiesen, um diese Krise durchzustehen. So konnten die Patientinnen und Patienten auch in dieser fordernden Zeit weiter gut versorgt werden«, erklärt Dr. Oliver Abbushi, Vorsitzender des Bezirks München des Bayerischen Hausärzteverbandes, seinem Gast Bernhard Seidenath. Der Landtagsabgeordnete der CSU besuchte im Rahmen des Tages der Hausarztmedizin die Praxis von Dr. Abbushi in Deisenhofen bei Oberhaching, um sich vor Ort ein Bild der Lage zu machen.

Seidenath leitet als Vorsitzender den Ausschuss für Gesundheit und Pflege im Landtag, ist Vorsitzender des Arbeitskreises Gesundheit und Pflege der CSU-Landtagsfraktion sowie Vorsitzender des gesundheits- und pflegepolitischen Arbeitskreises (GPA) der CSU. Dr. Abbushi: »Um unsere Patienten, unser Team und uns Ärzte vor einer Corona-Infektion zu schützen, mussten wir den gesamten Praxisablauf ändern und auch in bauliche Maßnahmen investieren. So haben wir eine Video-Sprechanlage am Praxiseingang installiert und den Patientenempfang mit Plexiglas gesichert. Infektpatienten schleusen wir über einen eigenen Außeneingang in einen Nebenraum, wo wir auch unter hohen Sicherheitsstandards Abstriche für Coronatests durchführen können. In den ersten Wochen des Lockdowns haben wir außerdem Routine-Maßnahmen, wie Checkups, verschoben. Außerdem haben wir viele Patienten auch telefonisch versorgt, was nur im Rahmen der Hausarztverträge kostendeckend möglich ist. Mittlerweile läuft unsere Praxis wieder fast wie im Normalbetrieb«.

Ein großes Problem sei aber nach wie vor die Versorgung mit Schutzausstattung, stellte Dr. Abbushi fest, der als Versorgungsarzt Verantwortung für den gesamten Landkreis München trägt. Seidenath konnte diese Klage nur bestätigen. »Wir müssen unsere Lehren aus dieser Krise ziehen. Dass uns Atemschutzmasken, aber auch wichtige Medikamente und persönliche Schutzausstattungen gefehlt haben, darf sich nicht wiederholen. Wir brauchen für künftige Pandemien Vorräte und Produktionskapazitäten für Notfälle«, stellte Seidenath klar. Der CSU-Politiker hat deshalb bereits einen entsprechenden Antrag im Landtag eingebracht. Demnach wird die Staatsregierung aufgefordert, »in Zusammenarbeit und Absprache mit dem Bund für diese für die Gesundheitsversorgung der Menschen in Bayern strategisch bedeutsamen Materialien zum einen Vorräte anzulegen, zum anderen für diese Materialien eigene Produktionskapazitäten im europäischen Inland, möglichst in Bayern, vorzuhalten; beides in einem Umfang, der im Fall einer neuerlichen Pandemie ein rasches Hochfahren der Produktion ermöglicht und so die Versorgung der Menschen in Bayern sicherstellt«. Dies solle für eine Vielzahl von Gütern gelten, insbesondere für versorgungrelevante Arzneimittel, Impfstoffe, Medizinprodukte, Schutzausrüstungen, Verbandsmaterial, Laborausstattungen, Desinfektionsmittel, Pulsoxymeter und Beatmungsgeräte. Die aktuelle Not hat viele Hausarztpraxen mittlerweile erfinderisch werden lassen. »Wir haben zum Beispiel keine Schutzkittel mehr bekommen. Als Alternative nutzen wir jetzt leichte Plastik-Regenschutze, die eigentlich für Openair- und Festival-Besucher hergestellt wurden. Die haben wir im Internet entdeckt«, erzählt Dr. Abbushi.

Auch in einem zweiten Punkt sind sich der Hausarzt und der Politiker einig. Die vom Freistaat Bayern ausgelobte Corona-Prämie dürfe nicht nur den Pflegerinnen und Pflegern in den Krankenhäusern und Altenheimen sowie den Mitarbeitern der Rettungsdienste zu gute kommen, sondern auch den MFAs in den Hausarztpraxen. Dr. Abbushi: »Meine Mitarbeiterinnen haben jeden Tag direkten Kontakt mit vielen Patienten. Sechs von sieben Coronapatienten waren in Deutschland ambulant versorgt. Wir Hausärzte und unsere Mitarbeiterinnen stemmen also den Großteil der Corona-Belastung und halten den Krankenhäusern den Rücken frei. Dass man beim Corona-Bonus die MFAs trotzdem übergangen hat, empfinden meine Mitarbeiterinnen als Schlag ins Gesicht«.

Als Vorsitzender des gesundheits- und pflegepolitischen Arbeitskreises (GPA) der CSU hat Bernhard Seidenath bereits Nachbesserungen angemahnt und ist vorsichtig optimistisch. »Der GPA begrüßt ausdrücklich die Zahlung eines Corona-Pflegebonus seitens der Bayerischen Staatsregierung unter anderem an die besonders von der Corona-Katastrophe betroffenen Pflegekräfte und Mitarbeiter der Rettungsdienste. Er begrüßt, dass die Staatsregierung die Ausweitung des Corona-Pflegebonus auf weitere durch die Pandemie stark belastete Berufsgruppen prüft. Nötig ist dies insbesondere für die Medizinischen Fachangestellten, die im niedergelassenen Bereich Großartiges leisten«. In einem gemeinsamen Schreiben an Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml hatten bereits der Bayerische Hausärzteverband und der Landesverband Süd des Verbandes medizinischer Fachberufe e.V. gefordert, den Corona-Bonus auch auf die MFAs auszuweiten. Dr. Markus Beier, Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes: »Wir haben alle großen Respekt vor dem Einsatz der Pflegekräfte und Notfallsanitäter. Der Sonderbonus ist deshalb eine verdiente Anerkennung und Wertschätzung durch die bayerische Staatsregierung. Aber zu den Berufsgruppen, die jetzt besonders gefordert sind und sich täglich einem zusätzlichen Infektionsrisiko aussetzen, gehören auch die Medizinischen Fachangestellten. Die MFAs leisten Enormes und haben diesen Bonus mehr als verdient«.