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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Tuesday, 7. July 2020 · 21:57 Uhr
 
 
 

Thea Zimmer macht Schluss

Die 85-Jährige gibt den Vorsitz des Seniorenbeirats ab

Karl Ebner (re) und Thea Zimmer scheiden aus dem Seniorenbeirat aus. OB Florian Hartmann dankte beiden für ihr langjähriges Engagement. (Foto: A. Förster)

Am 29. Februar wird Thea Zimmer ihr Ehrenamt als Vorsitzende des Seniorenbeirats Dachau abgeben. Sie hatte es seit der von ihr initiierten Gründung des Gremiums im Jahr 2007 inne.

Anstatt, wie das viele machen würden, bei ihrer letzten Sitzung die Erfolge hervorzuheben, mochte sie sich auch im Abschied nicht auf einen Kuschelkurs mit Oberbürgermeister Florian Hartmann einlassen. Im Gegenteil. Mit der ihr innewohnenden Klarheit und Entschiedenheit prangerte sie an, was ihrer Meinung nach gar nicht oder nicht schnell genug passiert und was jetzt endlich umgesetzt werden sollte.

Bei Zimmers Rede wurde einmal mehr deutlich, warum sie auch mit 85 Jahren immer noch in vielen Vereinen an vorderster Front aktiv ist, darunter seit 38 Jahren als Vorsitzende der AWO Dachau: Sie weiß viel und vor allem auch, wie man den Finger in die Wunde legt. Wer noch nicht gemerkt hat, dass da eine wunde Stelle ist, der weiß es spätestens, wenn Thea Zimmer ihn darauf hingewiesen hat. Das fing mit dem Thema »Betreutes Wohnen« an, mit dem sie dem Stadtrat seit Jahren in den Ohren liege, insbesondere, weil die Wohnsituation gerade für alleinstehende Menschen mit geringer Rente und Pflegebedarf immer schwieriger werde. Dann ging sie in den Generalangriff über: »40 Prozent der Bevölkerung in Dachau sind älter als 63 Jahre, trotzdem habe ich das Gefühl, dass wir im Wahlkampf und auch sonst immer an letzter Stelle stehen...« klagte sie. Wer Betreuung brauche, der müsse nicht selten aus Dachau hinaus in eine andere Gemeinde oder gar einen anderen Landkreis ziehen, um bezahlbares Betreutes Wohnen zu finden.

Rollator-Training soll kommen

Das ging OB Hartmann dann doch zu weit. Er erklärte, dass es erst vor Kurzem einen Stadtratsbeschluss zur Errichtung von Betreutem Wohnen und Kurzzeit-Pflegeplätzen auf dem im Umbau befindlichen MD-Gelände gegeben habe. »Aber Herr Hartmann«, entgegnete Zimmer, »ein bewohnbares MD-Gelände werden wir hier nicht mehr erleben...«

Außerdem forderte sie weitere barrierefreie Toiletten im Stadtgebiet, Hartmann wies darauf hin, dass man am Unteren Markt, am Waldfriedhof und am neuen Radlparkhaus am Bahnhof bereits welche errichtet habe. »Aber das Hinweisschild am Radlhaus fehlt«, konterte Zimmer. Der OB versprach, sich darum zu kümmern.

Weitere Themen, die angesprochen wurden:

Der Seniorenbeirat will sich an die Stadtwerke Dachau und an den Stadtrat wenden, damit es künftig in den städtischen Bussen ein Rollator-/Rollstuhl-Training für gehbehinderte Menschen gibt, die gerne mit dem Bus fahren wollen, sich aber nicht trauen. Die Stadtwerke München bieten solche Kurse seit einiger Zeit an.

Der Beirat wünscht sich Hilfe beim Umzug von alten Menschen, insbesondere, wenn jemand eine kleinere Wohnung gefunden habe. »Viele scheuen den Umzug in eine kleinere Wohnung, weil sie niemanden haben, der ihnen hilft«, weiß Thema Zimmer.

Dieter Moser erklärte, Altersarmut werde auch bei der Tafel Dachau immer mehr sichtbar. Dabei sei das nur die Spitze des Eisbergs, den viele ältere Menschen schämten sich, das Angebot überhaupt in Anspruch zu nehmen. Deshalb habe die Tafel nun auch einen Bring-Dienst, der gut genutzt werde, betonte Moser.

Der stellvertretende Beiratsvorsitzende Karl Englmann warb für die Seniorenaktivwoche vom 25. bis 29. Mai. Ein Flyer sei in Arbeit, man könne sich jetzt schon über auf tolle Angebote und ein herausragendes Konzert freuen...

Die Bekanntgabe des neuen Seniorenbeirats und die Wahl zum neuen Vorsitzenden findet in der nächsten Sitzung am 26. März statt.