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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Tuesday, 11. August 2020 · 11:16 Uhr
 
 
 

Neue Präventionskampagne »Luisa«

Hilfe für Frauen im Landkreis bei sexualisierter Gewallt

Sie wollen sich gegen sexualisierte Gewalt gegen Frauen und Mächen einsetzen und die Präventionskampagne »Luisa« ins Leben rufen. (Foto: Marese Hoffmann)

Jede dritte Frau in Deutschland ist mindestens einmal in ihrem Leben von physischer und/oder sexualisierter Gewalt betroffen. Um häusliche Gewalt wirksam zu bekämpfen, ist die Zusammenarbeit aller Verantwortlichen in staatlichen und nicht-staatlichen Institutionen erforderlich. Diesem Thema nahmen sich Kreisrätinnen bei ihrem zweiten Treffen auf Initiative von Kreisrätin Marese Hoffmann und Stephanie Burgmaier-Hoffmann an, denn immerhin gibt es im Landkreis pro Jahr zirka 150 Fälle gemeldeter Fälle häuslicher sexualisierter Gewalt im Landkreis mit einer hohen Dunkelziffer. Ziel des Treffens war die zuständigen Vertreterinnen in der Landkreisverwaltung kennenzulernen.

Kompetente Informationen gaben die Leiterin der Familienberatung Gleichstellung und Inklusion des Landkreis Haak Georgius und eine Mitarbeiterin der »Distel«, Dachauer Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt, Frau Fladerer. Gemeinsam mit den Verantwortlichen im Landratsamt wollen die Kreisrätinnen auf Anregung von Sabrina Spallek, 3. Bürgermeisterin Haimhausen und Kreisrätin, im Herbst eine Präventionskampagne »Luisa« auf den Weg bringen. Es soll einen Arbeitskreis geben, der projektbezogen mit der Kampagne beginnt.

Die Ansprechpartnerinnen in den Gemeinden sollen sich vernetzen und von Distel geschult werden. Wirte im Landkreis bestätigen, dass der Einsatz von KO-Tropfen zunimmt, auch in Freibädern, Volksfesten und Stadelfesten sind junge Frauen vor Übergriffen nicht sicher. Auch wenn in Zeiten von Corona viele Bars und Discos geschlossen sind, wollen die Rätinnen für die Zeit nach Corona gemeinsam mit Gewerbetreibenden im Landkreis (Gaststätten, Bars ...), einer Verantwortlichen pro Gemeinde und dem Landratsamt im ganzen Landkreis ein Schutzsystem gegen sexualisierte Gewalt installieren.

Ein weiteres Gespräch soll es mit den Mitarbeiterinnen des Frauenhauses geben. Besonders wichtig schien den Rätinnen auch der Schutz der Kinder, denn die in der Kindheit erlebte oder miterlebte Gewalt beeinträchtigt die kindliche Entwicklung unmittelbar und wirkt sich zudem nachhaltig auf das spätere Erwachsenenleben aus. Frauen, die in ihrer Kindheit und Jugend körperliche Auseinandersetzungen zwischen den Eltern miterlebt haben, erleiden später mehr als doppelt so häufig selbst Gewalt durch den Partner.

Frauen, die in Kindheit und Jugend direkt Opfer von körperlicher Gewalt durch Erziehungspersonen wurden, waren im Erwachsenenalter dreimal so häufig wie andere Frauen später von Gewalt durch den Partner betroffen. Hier wird deutlich, wie wichtig ein möglichst früh einsetzender Schutz von Mädchen und Jungen vor Gewalt ist.

Im Lauf des Gesprächs wurde deutlich, dass bei allen relevanten Stellen vor allem auch bei der Polizei und den Gerichten nicht ausreichend speziell geschulte Mitarbeiterinnen zur Verfügung stehen, umso wichtiger ist die Zusammenarbeit aller verantwortlichen im Landkreis, deshalb wurde überlegt, bei Bedarf Gemeinderätinnen miteinzubeziehen. Die Reihe der Gespräche wird fortgestzt und soll eine fester Bestandteil des politischen Engagements von Frauen im Landkreis sein.