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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Saturday, 24. October 2020 · 19:25 Uhr
 
 
 

»Igelschwemme« in Dachauer Tierheim

Zu viele gesunde Tiere werden eingesammelt

Diese vier quicklebendigen Kerle wären gut allein zu Recht gekommen, nun nehmen sie bei Andrea Brunner vielleicht hilfsbedürftigen Tiere Pflegeplätze weg. (Foto: TH Dachau)
 

»Liebe Leute, bitte lasst die Igel in ihrer angestammten Umgebung. Dass sie um diese Jahreszeit auch tagsüber schon Mal Futter suchen ist völlig normal. Man nimmt ein überwinterungsfähiges Tier aus seiner Umgebung und so verliert es sein Revier. Setzt man es dann einfach woanders aus, rennt es sich seine Fettreserven auf der Suche nach einem neuen Zuhause wieder runter«, das erklärt Andrea Brunner, die unter anderem für das Dachauer Tierheim Wildtiere pflegt. Schon im September hatte sie über 50 Igel aufgenommen – viele davon wären gut allein durch den Winter gekommen. »Irgendwann kann ich keine kranken Tiere mehr aufnehmen, auch weil wir mit nichthilfebedürftigen Igelchen vollgestopft werden«, so Brunner weiter.

Auch im Dachauer Tierheim rufen täglich bis zu zehn besorgte Menschen an, weil sie Igel durch den Garten laufen sehen und diese »retten« möchten. Fragt man nach dem Gewicht der Tiere, sind durchaus auch »Brummer« mit über 500 Gramm dabei. Darum die Bitte der Tierschützer: freuen Sie sich über »Ihren Igel« im Garten. Sind Ihre Untermieter agil, unverletzt, ohne Parasiten oder Madenbefall, lassen Sie sie in ihrem Zuhause. Sind die Tiere noch kleiner, füttern Sie zu. Solange die Temperaturen nicht dauerhaft unter Null Grad fallen, legen Igelchen bei entsprechendem Nahrungsangebot noch gut an Gewicht zu.

Igels Lieblingsspeisen

Igel sind Insektenfresser, ernähren sich also fett- und eiweißreich. Möchte man seinen Gartenigel unterstützen, sollte man einen abwechslungsreichen Speiseplan aufstellen. Geeignet sind hochwertiges Katzen- oder Hundefeuchtfutter, Eier hartgekocht oder als ungewürztes Rührei, gekochtes Geflügelfleisch oder durchgebratenes Hackfleisch. Speisereste, Süßes, Gewürztes, Obst und Gemüse, Käse, Nüsse, vor allem Milch und Milchprodukte gehören nicht auf den Speisezettel des Igels. Wichtig ist natürlich auch, frisches Wasser in flachen Schalen zur Verfügung zu stellen.

Wer braucht wirklich Hilfe?

Das Körpergewicht allein ist kein Maßstab, um die Hilfsbedürftigkeit eines Igels zu beurteilen. Stark untergewichtige Tiere erkennt man am sogenannten »Hungerknick«, einer Einbuchtung hinter dem Kopf, der Körper erscheint nicht rund, sondern Birnenförmig. Bei offenen Verletzungen, Befall mit Fliegeneiern oder vielen Flöhen und Zecken sollte man eingreifen und sich bei Tierarzt oder Tierschutzverein Hilfe holen. »Bitte rufen Sie immer im Tierheim an, bevor Sie einen Igel aus der Natur entnehmen«, bittet Silvia Gruber, die Vorsitzende des Dachauer Tierschutzvereins. »Oft können wir telefonisch beraten, Tipps geben und so helfen, dass der Igel in seinem angestammten Revier überwintern kann«.

Igels unnatürliche Feinde

Kommen die Igel aus ihren Reisig- oder Laubhaufen, aus Böschungen und unter Hecken hervor, lauern weniger natürliche als vielmehr unnatürliche Feinde in unseren Gärten. Laubsauger können gefährlich sein, denn kleinere Igel können eingesaugt und getötet werden. Und im Gegensatz zu Rechen und Harke entfernen die Geräte auch Insekten, Würmer und Weichtiere, die dem Igel als Nahrung dienen.

Tödlich können Mähroboter sein, sie erkennen Igel nicht als Hindernisse. Weil Igel keine Fluchttiere sind, kugeln sie sich bei Gefahr an Ort und Stelle ein und die scharfen Messer des Mähroboters durchschneiden Fleisch und Stacheln mühelos. Wenn Tiere überleben, schleppen sie sich oft schwer verletzt ins Gebüsch, wo sie dann elendig sterben. Wer auf einen Rasenroboter nicht verzichten will, sollte ihn zumindest nur tagsüber und unter Aufsicht laufen lassen.

Bei Fragen rund um den Igel kann man sich im Internet auf unzähligen Seiten informieren, für telefonische Nachfragen steht das Dachauer Tierheim unter 08131-53 610 zu den Geschäftszeiten oder im Notdienst unter 08131-53 636 zur Verfügung.