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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Wednesday, 12. August 2020 · 13:45 Uhr
 
 
 

Mehrwertsteuersenkung, ein gute Idee?

Großer Aufwand und ein immenser Kraftakt für Unternehmen

Tausende von Preisschildern müssen in einem Supermarkt nach Änderung des Mehrwertsteuersatzes ausgetauscht werden. (Foto: EDEKA KNOLL)

Laut Finanzminister Olaf Scholz (SPD) ist die Mehrwertsteuerreduzierung ein probates Mittel um Verkaufspreise zu senken und gleichzeitig das Konsumverhalten zu erhöhen. Das sollen die Bürger direkt positiv im Geldbeutel spüren. Ob das tatsächlich so ist, liegt natürlich daran, ob Händler die Steuerersparnis an Endkunden weitergeben.

Die großen Supermarktketten EDEKA und REWE haben ebenso wie die Discounter angekündigt, die Mehrwertsteuer-Differenz von drei Prozent an die Kunden weiterzugeben. Einige zeichnen ihre Produkte neu aus, andere, wie zum Beispiel auch OBI in Dachau, geben auf die bisherigen Preise einen Sonderrabatt von drei Prozent, der an der Kasse abgezogen wird. Normalerweise haben Unternehmen Monate Zeit, eine solche Mehrwertsteueränderung umzusetzen, in Corona-Zeiten waren das nur wenige Tage. WIR vom KURIER haben den Mitarbeitern bei EDEKA KNOLL dabei über die Schulter geschaut.

Nach drei Tagen mit Vorbereitungsarbeiten ging es letzten Sonntag in den beiden Filialen los: in Jetzendorf steckten zwölf Mitarbeiter insgesamt 19.000 neue Preisetiketten, in Reichertshausen tauschten 20 Mitarbeiter 24.000 Preisetiketten aus. Wäre es nicht einfacher gewesen, die Preise zu lassen und auch einfach drei Prozent Rabatt zu geben? »Wir geben die Mehrwertsteuersenkung komplett an die Kunden weiter«, so Alexander Knoll, einer der Inhaber. »Um Transparenz am Preisregal zu garantieren, haben wir alles neu gerechnet und ausgezeichnet. Die Kunden haben nach ihrem Einkauf bei EDEKA KNOLL also tatsächlich mehr im Geldbeutel«.

Doppelt beziehungsweise dreifach belastet sind jedoch die Mitarbeiter. »Nach den vielen Extraschichten, um der Nachfrage im Corona-Lockdown nachzukommen und alle Vorgaben zu erfüllen, wäre nun endlich etwas Normalität eingekehrt«, so Alexander Knoll weiter. »Jetzt mussten unsere Teams erneut in Extra- und Sonntagsschichten alle Artikel umpreisen. Und nach dem stressigen Weihnachtsgeschäft muss zum Jahreswechsel alles wieder zurück auf Anfang«.

Nicht nur beim Bedarf des täglichen Lebens, auch beim Einkauf von Mode und Schuhen, oder noch mehr bei großen Anschaffungen wie Möbeln oder Autos, darf sich der Verbraucher also über Einsparungen freuen. Wird in einem Geschäft nicht klar kommuniziert, ob die Mehrwertsteuersenkung an die Kunden weitergegeben wird, sollte man sich nicht scheuen nachzufragen.