4.06°C

Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Tuesday, 28. January 2020 · 15:35 Uhr
 
 
 

Wie steht es um die medizinische Versorgung im Landkreis?

Darum drehte sich ein Treffen aus Experten und interessierten Bürgern im Sparkassensaal

Gesundheitsexperten unter sich: H.-U. Braun (li.), daneben A. Eichhorn-Wiegand, W. Landra, M. Lernbecher, S. Eckert. S. Löwl, K. Zausinger, G. Koslowski, B. Seidenath. (Foto: A. Förster)

Zusammenfassend lässt sich feststellen: Die Versorgung mit Hausärzten ist, statistisch gesehen, gut. Der Bedarfsplan der Kassenärztlichen Vereinigung sieht vor, dass eine Region maximal 110 Prozent überversorgt sein darf, und Dachau liegt aktuell bei 109,6 Prozent. Dass diese Hausärzte aber überwiegend in der Kreisstadt und weniger am Dorf zu finden sind, ist auch jedem klar. Selbst in der Gemeinde Petershausen wird seit drei Jahren ein Arzt gesucht, es findet sich aber keiner. In Sulzemoos und Hebertshausen sieht es nicht besser aus. So richtig wissen die Experten auch nicht, wie sie dem Abhilfe schaffen sollen. So sagt Sebastian Eckert von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern: »Bei uns herrscht immer noch Niederlassungsfreiheit. Man kann Anreize schaffen, aber keinem Arzt vorschreiben, wo er sich niederlassen soll...«. Doch die Anreize, die es gibt, scheinen nicht zu fruchten: Bei Niederlassung in einer Gemeinde mit weniger als 20 000 Einwohnern gibt es beispielsweise bis zu 60 000 Euro für den Arzt und ein Stipendium fürs Studium, erklärt der gesundheitspolitische Sprecher der CSU-Landtagsfraktion, Bernhard Seidenath.

Selbst die viel gepriesenen medizinischen Versorgungszentren (MVZ) sind keine Lösung, weil sich auf dem Land zu wenig Fachkräfte finden lassen. »Auch ein Arzt achtet heute auf eine ausgewogenen Work-Life-Balance«, weiß Dr. Wilfried Landry vom MVZ Dachau. Zu Überstunden oder Schichten Sonn- oder Feiertagen sei heute niemand mehr bereit. Insbesondere, seitdem die Notfallpauschalen gestrichen wurden.

"Möglichkeiten der Ansiedlung sind da"

Insbesondere bei den Psychotherapeuten ist die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis besonders groß. Hier ist der Landkreis mit 318 Prozent scheinbar total überversorgt, aber die Wartezeiten für einen Therapieplatz zum Teil trotzdem sehr lang. Bei Kindern und Jugendlichen mit psychischen Problemen sieht es ganz mau aus. Sylvia Neumeier, Kreis- und Stadträtin der SPD, bemüht sich seit mehr als 20 Jahren erfolglos, einen Kinder- und Jugendpsychiater in den Landkreis zu locken. Sie leitet die Drogenberatungsstelle in Dachau. Offenbar, so zeigt sich in der Diskussion, ist die Bedarfsgrundlage veraltet, insbesondere, weil in den letzten Jahren viele neue Krankheitsbilder entstanden sind und sich die Zahl der Betroffenen generell stark erhöht hat.

Annette Eichhorn-Wiegand, Geschäftsführerin der Gesundheitsregion plus Landkreis Dachau und Gastgeberin des Abends, sagte dazu: »Viele Therapeuten arbeiten mittlerweile Teilzeit, das wird aber bei der Statistik nicht berücksichtigt.« Es gebe also definitiv Bedarf für weitere Ärzte und Therapeuten. Sie habe inzwischen auch mehrere Anrufe von Bürgermeistern und sogar Maklern erhalten, die mit Angeboten für Praxisräume auf sie zukamen. "Möglichkeiten der Ansiedlung sind da, und zwar nicht nur in Dachau", versichert Eichhorn-Wiegand. Man könne sich diesbezüglich an sie wenden.