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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Thursday, 13. August 2020 · 05:06 Uhr
 
 
 

» Wie Urlaub zuhause «

Friedel’s am Kloster

Wohlfühlgastronomie: Andi Friedel – mal solo, mal mit Ehefrau Ingrid und Bedienung Izabela – setzt auf Freunde treffen in gemütlicher Atmosphäre, gutes Essen und ein starkes Team (Foto: öxler)

Sandra und Michael aus Niederroth sind heute die ersten Gäste im Friedel’s am Kloster. Prächtiges Wetter, kein Wölkchen am blauen Himmel über dem Indersdorfer Marienplatz. Sie nehmen Platz unter einem der großen Paulaner-Sonnenschirme, neben sich ihr Nachwuchs im Maxi-CosiSi, und entscheiden sich für das spezielle Weißwurstfrühstück. Je nur ein Euro, und auch die noch warmen, reschen Brezen locken. Viel können sie mir nicht erzählen übers Friedel’s am Kloster, über dem noch in großen Lettern der provisorische Name »Café am Kloster« prangt. Sandra war kürzlich mit Freundinnen hier, es habe ihnen gefallen, nicht zuletzt weil sie so freundlich und zuvorkommend bedient worden seien. Mit der Familie sei sie heute das erste Mal da, ja auch weil’s so schön hier ist. Wie im Urlaub… meint Michael noch und spielt, mit einer Geste Richtung des vor sich hinplätschernden Brunnen sowie des Grüns von in Kübeln kultivierter Oliven- und Zitrusgewächse an das fast schon südliche Flair des Marienplatzes an. Ja, Ingrid und Andi Friedel haben sich einen idyllischen Platz für ihre Lokalität ausgesucht. Oder soll ich sagen, unverschämtes Glück gehabt, sich hier selbstständig machen zu können mit ihrem Restaurant und Café. Jedenfalls haben sie sich einen langgehegten Traum damit erfüllen können, erzählt mir Andi Friedel bei einer Tasse Cappucchino. Ein paar Minuten habe er noch Zeit, dann müsse er die Vorbereitungen fürs Mittagsgeschäft treffen. Vor allem müsse der Schweinsbraten ins Rohr… Wir unterhalten uns die verbleibende Zeit, ich schaue mich in den gewölbeartigen, aber recht kleinen Räumlichkeiten um und beobachte das Friedel’s-Team bei der Arbeit. Bedienung Izabela, die heute Dienst hat, deckt die Tische ein, arrangiert Blumen. Andi Friedel hat sich zwischenzeitlich umgezogen, greift gut gelaunt zum Messer in schwarzer Kochjacke mit roten Knöpfen. Es sieht für mich nach Routine aus. Nach Routine eines Mannes, der genau weiß, was er tut. Obwohl… Corona hätte das fast verhindert: Eröffnung am 17. Februar, dann der Lockdown. Zwei Wochen Pause, Nachdenken, was tun, Ärmel aufkrempeln und erst mal auf To-go-Verkauf ein- und umstellen. Der Plan habe funktioniert, höre ich und verstehe die vielen Tafeln mit den unterschiedlichsten Angeboten. Jetzt To go und wieder im Lokal und auf der Terrasse: Eisspezialitäten, hausgemachte von Kebon… Schnitzel und Schweinsbraten… Kaiserschmarrn mit hausgemachtem Apfelmus… Frühstück mit hausgemachtem Marmeladen-Mix… Kaffee- und Kuchen-Special, nachmittags, für nur 5 Euro 70… Rotbarsch… Und immer wieder der Hinweis »hausgemacht«. Ja, der 54-Jährige lächelt, darauf lege er größten Wert. Und er verrät mir, dass er neben einer Ausbildung zum Hotelkaufmann auch gelernter Koch und Konditor sei. Zugegeben, ich bin beeindruckt und verstehe so auch sein Ganztagesverwöhnkonzept. Das sich, übrigens, nicht nur auf das Motto »Liebe geht durch den Magen« konzentriert. Der Sammler seltener und kurioser Dinge hat dem alten Gemäuer, gemeinsam mit seiner Frau Ingrid, durch liebevoll arrangierte Dekoration ein zum Schauen und Verweilen einladendes Wohlfühlambiente verpasst: Kaffeekannen und -mühlen… Schusterleisten und Rosenkränze… Spiegel und Bilder… im Lüsterlicht… Willkommen im Friedel’s am Kloster!