Wolfgang Kuhn, der Gebietsbetreuer des Ampertals bei den Landschaftspflegeverbänden Dachau und Fürstenfeldbruck (gefördert vom Bayerischen Naturschutzfonds und dem Bezirk Oberbayern), stellt jeden Monat einen „echten Ureinwohner“ des Ampertals vor. Im Mai ist es ein ganz besonderer Frühlingsbote mit bewegter Vergangenheit: der Maikäfer.
Wer abends durch Wälder und Gärten geht, hört wieder ein Geräusch, das lange Zeit fast verschwunden war: das tiefe, brummende Flattern des Maikäfers. In Bayern kommen zwei Arten vor – der Waldmaikäfer (Melolontha hippocastani) und der etwas kleinere Feldmaikäfer (Melolontha melolontha). Beide gehören zu den Blatthornkäfern und lassen sich vor allem an der Form der Hinterleibsspitze unterscheiden. Nach Jahrzehnten des Rückgangs melden Naturschützer und Forstbehörden in mehreren Regionen Bayerns wieder eine deutliche Zunahme der Bestände.
Noch vor hundert Jahren war der Maikäfer so häufig, dass er als Plage galt. In manchen Jahren wurden Millionen Tiere gesammelt, verbrannt oder zu Futter verarbeitet. Ganze Wälder litten unter den Engerlingen, den Larven, die im Boden Wurzeln fraßen. Mit dem Aufkommen moderner Landwirtschaft und dem Einsatz chemischer Mittel brachen die Populationen jedoch dramatisch ein. Seit den 1980er‑Jahren galt der Maikäfer in vielen Gegenden als nahezu verschwunden. Dass er heute wieder häufiger zu sehen ist, darf als positives Zeichen gewertet werden – es zeigt, dass sich die Natur erholen kann, wenn man ihr Raum lässt.
Der Maikäfer benötigt vier Jahre für seine Entwicklung im Boden als Engerling, bevor der ausgewachsene Käfer nach der Metamorphose als kräftiger Brummer seine Flugkünste startet und die Blätter der Laubbäume aufsucht.
Für viele Menschen ist die Rückkehr des Maikäfers ein nostalgisches Erlebnis. Ältere erinnern sich an Kindheitsspiele, an Reime und an das typische Brummen warmer Maiabende.
Doch nicht alle begrüßen die Entwicklung uneingeschränkt. In einigen Waldgebieten wurden bereits Schäden an jungen Bäumen gemeldet. Besonders die Engerlinge können bei Massenauftreten Wurzeln schwächen oder absterben lassen. Gleichzeitig profitieren Vögel, Igel, Fledermäuse und andere Tiere von den Käfern – und tragen dazu bei, ihre Zahl im Gleichgewicht zu halten.
Für Spaziergänger in den Amperauen bleibt der Maikäfer vor allem eines: ein überraschender, fast vergessener Frühlingsbote.