Im Schaufenster der Volksbank Raiffeisenbank in der Dachauer Altstadt sind bisher unentdeckte Linolschnitte von Wilhelm Brunninger (1929-2026) zu sehen. Bankvorstand Klaus Berger eröffnete die kleine Ausstellung im Beisein von Richard Wallner von der KVD Druckwerkstatt und Stadtarchivar Andreas Bräunling.
Zu Wilhelm Brunninger hat die VR Bank Dachau eine besondere Verbindung. Von 1968 bis 1989 leitete er als Vorstandsmitglied die Volksbank Raiffeisenbank Dachau eG. In seiner Freizeit widmete er sich bereits in den 1970er Jahren der Druckgrafik, vor allem dem Linolschnitt. Am 20. Juni 2026 verstarb Brunninger im Alter von 97 Jahren. Bis zu seinem Tod war er der VR Bank eng verbunden. Die Druckgrafiken mit Dachauer Motiven sind auch deshalb eine Rarität, weil sie nun erstmals veröffentlicht werden. Im Jahr 2019 gelangten 22 Druckplatten – gewissermaßen als vorgezogener Nachlass Wilhelm Brunningers – ins Dachauer Stadtarchiv.
Der Leiter des Stadtarchivs, Andreas Bräunling, übergab sie der KVD Druckwerkstatt, um sie drucken zu lassen. „Wir wollten sehen, was dabei herauskommt”, berichtete Bräunling. Der Schriftsetzer und Typograf Richard Wallner, einer der letzten Könner in den verschiedenen Drucktechniken, hat die einfarbigen, schwarzweißen Motive auf einer historischen Korrex-Andruckpresse gedruckt. Die größeren Platten für den Mehrfarbendruck waren farblich nicht gekennzeichnet. Selbst für den erfahrenen Buchdruckermeister Dieter Faustmann (1938-2024) bedeutete die Umsetzung deshalb ein Experiment. Nach mehrmaligen Versuchen mit einem Austausch der Linolplatten erzielte er ein Druckergebnis, das den Vorstellungen Wilhelm Brunningers entsprach.
Richard Wallner berichtete, dass Wilhelm Brunninger die fertigen Bilder zum Teil selbst noch beurteilte und auch signierte. „Er war mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Wir haben seine Farbauswahl getroffen”, so Wallner. Denn Brunninger war nach eigenem Bekunden farbenblind. Meist handelt es sich um Postkartenmotive aus Dachau, mit der Hexengasse und der Stadtpfarrkirche St. Jakob. Das Blatt mit den beiden nebeneinanderstehenden Kirchen ordnet Stadtarchivar Bräunling der Gemeinde Einsbach zu. „Beide Kirchen sind katholisch”, so Bräunling.
Ergänzt wird die Ausstellung durch ein Gemälde des Dachauer Expressionisten Fred Arnus Zigldrum (1941-1984). Es stammt aus dem Besitz des ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden der VR Bank Dachau, Herbert Reischl sen. Zigldrum verewigte den Siegerochsen „Mausi” und dessen Reiterin Ingeborg Maier nach dem Dachauer Ochsenrennen. „Mausi” hatte 1964 das Rennen gewonnen. Das Ochsenrennen war lange Zeit der traditionelle Abschluss des Volksfestes, wurde jedoch 1974 aus Sicherheitsgründen eingestellt.
Das zweite farbenfrohe Gemälde stammt von August Kallert und zeigt das Dachauer Volksfest am Fuße der Altstadt mit Zirkuszelt, Schaustellerbuden und einer Holzrutsche, die bis heute auf dem Münchner Oktoberfest eine Attraktion ist. Kallert (1882-1958) war Mitbegründer der Künstlergruppe Dachau. Aus ihr ging 1921 die Künstlervereinigung Dachau (KVD) hervor, deren Erster Vorsitzender Kallert 1934 wurde.
Die Ausstellung ist bis 21. August während der Öffnungszeiten in der Hauptstelle der VR Bank Dachau (Augsburger Str. 33-35) zu sehen. Die Linolschnitte sind käuflich zu erwerben. Der Erlös fließt an die KVD Druckwerkstatt.