Der NS-Opfer gedacht | Kurier Dachau

Veröffentlicht am 20.01.2026 12:00

Der NS-Opfer gedacht

Zum Abschluss der Gedenkfeier begaben sich alle Teilnehmenden zum Mahnmal für die <br>546 Schönbrunner Opfer.  (Foto: Frömer)
Zum Abschluss der Gedenkfeier begaben sich alle Teilnehmenden zum Mahnmal für die
546 Schönbrunner Opfer. (Foto: Frömer)
Zum Abschluss der Gedenkfeier begaben sich alle Teilnehmenden zum Mahnmal für die
546 Schönbrunner Opfer. (Foto: Frömer)
Zum Abschluss der Gedenkfeier begaben sich alle Teilnehmenden zum Mahnmal für die
546 Schönbrunner Opfer. (Foto: Frömer)
Zum Abschluss der Gedenkfeier begaben sich alle Teilnehmenden zum Mahnmal für die
546 Schönbrunner Opfer. (Foto: Frömer)

Anlässlich der nationalsozialistischen Krankenmordaktion T4, die am 18. Januar 1940 mit der ersten Deportation von Menschen mit geistiger Behinderung begann, hat das Franziskuswerk Schönbrunn auch in diesem Jahr der Opfer gedacht. Zwischen 1940 und 1945 wurden 546 Kinder, Frauen und Männer aus Schönbrunn im Rahmen des sogenannten „Euthanasie”-Programms deportiert und ermordet. Die jährliche Gedenkfeier im Januar wurde von den Schüler:innen der Heilerziehungspflege und Heilerziehungspflegehilfe der Franziskuswerk Akademie gestaltet und verband das Erinnern an die Opfer mit einer eindringlichen Mahnung für die Gegenwart.
In seiner Ansprache betonte Markus Holl, Geschäftsführer des Franziskuswerks, dass die nationalsozialistischen Verbrechen nicht plötzlich begonnen hätten. Vielmehr seien sie das Ergebnis einer jahrelangen Entwicklung gewesen – von scheinbar wissenschaftlich legitimierten Maßnahmen bis hin zur systematisch organisierten Ermordung.
Die Auseinandersetzung mit der Geschichte führte Holl zu kritischen Fragen an die heutige Gesellschaft. Ohne vorschnelle Gleichsetzungen vorzunehmen, warnte er vor politischen und gesellschaftlichen Tendenzen, die Ausgrenzung normalisieren und rechtsextreme Narrative verharmlosen. „Wir müssen uns die Frage gefallen lassen: Auf welcher Stufe der Entwicklung vom gesellschaftlichen Mainstream hin zu einem autoritären, ausgrenzenden Staatssystem stehen wir gerade? Und wo endet diese Entwicklung?”, so Holl.

Rechte Ideologien verurteilt

Mit Blick auf öffentliche Debatten fragte er weiter, wo rechtsextremen Ideologien der Boden bereitet werde, indem historische Verbrechen relativiert, Vielfalt abgewertet und Solidarität diskreditiert werde. Verantwortung, Haltung und Hoffnung Zugleich stellte Holl die Verantwortung im Hier und Jetzt in den Mittelpunkt. Das Franziskuswerk verstehe sich als Ort gelebter Solidarität, Teilhabe und Menschenwürde. Erinnerung dürfe nicht bei Trauer stehen bleiben, sondern müsse zu Haltung und Handeln führen. „Es ist nötiger denn je, den demokratieverächtlichen und menschenabwertenden Tendenzen in unserer Gesellschaft unsere Werte entgegenzusetzen”, betonte Holl.
Schüler:innen der Heilerziehungspflege und -pflegehilfe setzten sich im Rahmen der Gedenkfeier intensiv mit der Geschichte auseinander und machten deutlich, wie relevant diese für ihr heutiges und zukünftiges berufliches Selbstverständnis ist. Stellvertretend für unzählige Opfer erzählten sie die Schicksale von Rosa und Georg, die im Rahmen der NS „Euthanasie” ermordet wurden. Sie stellten die Frage, ob ihr Tod einen Unterschied mache – und beantworteten sie klar: Ja, wenn wir daraus Verantwortung ableiten.
„Es liegt an uns, das Morgen zu gestalten, solidarisch zu bleiben und uns klar gegen rechte Ideologien und Gewalt zu positionieren”, hieß es in den Beiträgen der Schüler:innen. Als angehende Fachkräfte der Heilerziehungspflege sei es ihr Auftrag, aufmerksam zu bleiben und die Würde jedes einzelnen Menschen konsequent zu schützen.

north