Gute Orte können schon an der Tür beginnen. Etwa dann, wenn Kinder und Jugendliche hereinkommen, die Schultern ein wenig gesenkt, nun aber vertraute Gesichter entdecken und spüren: Hier darf ich sein. So ein Ort ist zum Beispiel das Jugendzentrum Dachau Süd, auch JUZ Süd genannt. Am Sonntag, 20. September, feiert es gemeinsam mit dem Echo e.V. den Weltkindertag und verwandelt den Klagenfurter Platz von 14 bis 18 Uhr in eine helle, lebendige Begegnungslandschaft für Kinder, Jugendliche und Familien.
„Starke Kinder, starke Zukunft“ lautet das diesjährige Motto des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UN) und die Pädagogen des JUZ Süd machen begeistert mit.
Nach dem großen Erfolg im vergangenen Jahr erwartet die Besucherinnen und Besucher ein noch vielfältigeres Programm: Live-Musik, eine Lesung der bekannten Kinderbuchautorin Christine Paxmann, Spiel- und Kreativangebote, eine Hüpfburg, Stockbrot am Lagerfeuer, Filme sowie eine Podiumsdiskussion mit Oberbürgermeister Florian Hartmann. Auch für Essen und Getränke ist gesorgt. Es soll ein Nachmittag werden, an dem gelacht, gefragt, ausprobiert und miteinander gesprochen wird.
Der Weltkindertag macht sichtbar, was im Alltag oft leise geschieht: Kinder und Jugendliche brauchen Orte, an denen sie ernst genommen werden. Orte, an denen sie nicht funktionieren müssen, sondern wachsen dürfen. Genau dafür steht die Offene Kinder- und Jugendarbeit der Stadt Dachau. Denn die Jugendzentren sind weit mehr als Freizeiteinrichtungen. Sie sind Begegnungsorte, Schutzräume, Werkstätten für Ideen und manchmal auch einfach ein zweites Wohnzimmer.
„Eine wirklich wichtige Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche“, so Mitarbeiter Markus Staubermann. Die pädagogischen Fachkräfte begegnen den jungen Besucherinnen und Besuchern auf Augenhöhe. Sie begleiten, beraten und unterstützen dabei, eigene Wege und Lösungen zu finden – bei Schulstress, familiären Konflikten, Freundschaften oder Fragen an die Zukunft. Gerade in Zeiten wachsender Belastungen, sozialer Unsicherheit und steigendem Leistungsdruck gewinnen solche verlässlichen Orte an Bedeutung.
Dass Räume wirken können, merkt man im JUZ Süd auch am wiedereröffneten Diskoraum. Nach zweijährigem Umbau ist er wieder zugänglich. „Endlich!“, sagt die 14-jährige Mia, und in diesem einen Wort steckt viel Vorfreude. Domi, zwölf Jahre alt, bringt auf den Punkt, warum das Jugendzentrum für viele so wichtig ist: „Ich gehe ins JUZ, weil man da Leute trifft, die man kennt – ohne etwas auszumachen. Und weil man Sachen machen kann, die man zu Hause nicht machen kann. Wie Billard spielen zum Beispiel.“ Es sind genau diese scheinbar einfachen Dinge, die Jugend ausmachen: kommen dürfen, bleiben dürfen, dazugehören.
Natürlich ist nicht immer alles rosig. Nicht alle Jugendlichen, die kommen, werden erreicht. Einige der Jugendlichen verschließen sich, trotz aller Aktionen und Gesprächsangebote der Mitarbeitenden. Die jungen Menschen sind so fest in ihrem Umfeld und ihren Prägungen verankert, dass eine Hilfe zur Selbsthilfe, oft nur durch intensive Einzel- oder Gruppenarbeit möglich ist. Manche benötigen viel Zeit und Aufmerksamkeit.
Freude leben, Resilienz stärken, Mitbestimmung üben: Diese Werte scheinen förmlich die Räumlichkeiten des Jugendzentrums Süd zu plakatieren. Wer den Mitarbeitenden dort zusieht, erlebt hautnah, wie viel Engagement in einer breiten Angebotsvielfalt steckt: Mit Herz, Kompetenz und Spaß begleiten sie Besucherinnen und Besucher und darüber hinaus alle Kinder und Jugendlichen der Stadt. Ein besonders eindrucksvolles Highlight ist die zweijährliche Jungbürgerversammlung, das lebendige Austauschtreffen der Dachauer Jugend mit dem Oberbürgermeister. Es geht um ihre Sichtweisen, ihre Bedürfnisse – gerade auch im öffentlichen Raum.
Dieses Teilhaben und Ausprobieren findet sich übrigens auch für die kleineren Bürger in der Spielstadt Dachau. Kinder dürfen ihre eigene Stadt gestalten, Berufe nachspielen, Wahlen abhalten, den Geldkreislauf zwischen Verdienst und Ausgaben erleben. Ein spaßiges und lehrreiches Angebot des vielfältigen städtischen Ferienprogramms.
Und so kann auch der diesjährige Weltkindertag verstanden werden: als ein klares Zeichen dafür, dass Kinder und Jugendliche in Dachau gesehen werden.