„Wir haben das Herz auf dem Platz gelassen” | Kurier Dachau

Veröffentlicht am 23.08.2026 18:21

„Wir haben das Herz auf dem Platz gelassen”

Eine Einheit: Mannschaft und Fans des TSV 1860 München. (Foto: Anne Wild)
Eine Einheit: Mannschaft und Fans des TSV 1860 München. (Foto: Anne Wild)
Eine Einheit: Mannschaft und Fans des TSV 1860 München. (Foto: Anne Wild)
Eine Einheit: Mannschaft und Fans des TSV 1860 München. (Foto: Anne Wild)
Eine Einheit: Mannschaft und Fans des TSV 1860 München. (Foto: Anne Wild)

Im Duell der ungleichen Gegner in der ersten Runde im DFB-Pokal setzte sich Holstein Kiel, das 2025 noch in der Bundesliga spielte und inzwischen wieder Zweitligist ist, nach einer intensiven Partie gegen den Regionalligisten TSV 1860 München knapp durch. Von einem leichten Spiel für den zwei Klassen höher spielenden Favoriten aus dem Norden konnte jedoch keine Rede sein. Die Löwen boten beim 0:2 (0:1) vor ausverkauftem Haus (15.000 Zuschauer) einen großen Kampf. Erst in der Nachspielzeit kamen die Gäste nach einem Konterangriff auf das leere Tor zu ihrem zweiten Treffer.

Schon vor dem Anpfiff bescherten die Heimfans mit einer berührenden Choreografie einen Gänsehautmoment. Die Tribünen verwandelten sich in ein weiß-blaues Fahnenmeer, ein riesiges Banner auf der Gegentribüne erinnerte an die einzige Deutsche Meisterschaft der Löwen, die sich heuer zum sechzigsten Mal jährte. Es zeigte mehrere Bilder der damaligen Mannschaft. Über drei Tribünen hinweg waren die Namen der Spieler auf Spruchbändern zu lesen.

Im Kieler Auswärtsblock präsentierten die Anhänger Holsteins eine Solidaritätsadresse an die Giesinger, die sich über die gesamte Breite der Tribüne zog: „Football for the People – ob in Kiel oder Giesing – Mitglied werden! Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist der e.V.” Gleichzeitig stimmten die Blau-Weiß-Roten ein „Freiheit für Sechzig” an. Nach der Trennung von Hasan Ismaik hatten Fans des TSV 1860 München die international beachtete Kampagne „Football for the People” ins Leben gerufen.

Nach Anpfiff kamen die Anfeuerungsrufe für den Außenseiter aus der Regionalliga in brachialer Lautstärke von den Rängen. Die Aussicht auf ein stimmungsvolles Spiel hatte auch auf Seiten des Kieler SV Holstein von 1900 mehr als doppelt so viele Anhänger nach München gelockt, wie die „Störche” normalerweise im Durchschnitt bei Ligaspielen auswärts begleiten. „Hier zu spielen, hat so viel Spaß gemacht – geile Atmosphäre, unfassbare Stimmung. Wir mussten sehr hart für den Erfolg kämpfen”, bekannte Störche-Kapitän Jonas Meffert vor TV-Kameras nach Spielschluss.

Die Hausherren versuchten mutig den Gegner früh im Aufbauspiel zu stören und zwangen damit das Team von Ex-Bayern-Trainer Tim Walter zu einigen wackeligen Situationen, aus denen die Löwen aber kein Kapital schlagen konnten. Auf der Gegenseite verpassten Faride Alidou (18. Min.) und Jonas Therkelsen (23. Min.) zwei sogenannte „Hundertprozentige”. Bei strengerer Regelauslegung durch den Unparteiischen Felix Weller hätte der Norweger zu diesem Zeitpunkt allerdings gar nicht mehr auf dem Platz stehen dürfen. Sein Foul im Mittelfeld mit gestrecktem Bein an Julian Bell hätte nach Ansicht der TV-Bilder durchaus einen Platzverweis gerechtfertigt. Weller beließ es zum Glück für die Kieler bei Gelb.

Um ein Haar hätte sich nach einer knappen halben Stunde der Chancenwucher der Gäste gerächt. Der junge Schlussmann Lio Rothenhagen hatte beim Versuch des Aufbauspiels den Ball direkt in den Fuß von Tunay Deniz gespielt, der schnell reagierte und aus fast 60 Metern aufs Tor schoss. Der Ball segelte über den Keeper hinweg und knapp am linken Pfosten vorbei. Der Treffer fiel stattdessen kurz darauf auf der Gegenseite. Eine abgewehrte Ecke des Argentiniers Guillermo Balzi flankte Adrian Kapralik noch einmal vor das Tor, wo Torjäger Phil Harres aus kurzer Distanz per Kopf die 1:0-Führung für die Gäste erzielte (34. Min.). Vier Minuten später versuchte Deniz bei einem Freistoß den Torhüter zu überlisten, als er eine Flanke antäuschte, den Ball aber direkt aufs Tor zog – Rothenhagen konnte gerade noch zur Ecke klären.

Nach Wiederanpfiff habe sein Team „ein noch besseres Spiel gemacht” als ohnehin schon in der ersten, zeigte sich Löwentrainer Alper Kayabunar nach Spielschluss angetan. Tatsächlich wankten die Gäste mehrfach. In Folge einer scharf getretenen Ecke von Lance Fiedler rauschte der Ball durch den Strafraum und Hiroki Sekine musste auf der Linie klären, um den Ausgleich zu verhindern (68. Min.). Unverdient wäre er nicht gewesen. Fünf Minuten später konterten die Löwen in Überzahl, am Ende trat John Tolkin dem eingewechselten Mark Gevorgyan in die Hacken, doch der Schiedsrichter ließ weiterspielen. Mit der letzten Aktion im Spiel kamen die Gäste zum 0:2 durch Gullermo Balzi (90. Min. +4) – der Anstoß wurde nicht mehr ausgeführt.

Die Zuschauer feierten ihre Löwen nach dem Schlusspfiff frenetisch für die gezeigte Leistung. „Wir haben unser Herz auf dem Platz gelassen. Deswegen ist es bitter, dass wir ausscheiden. Wir können aber stolz auf das sein, was wir geleistet haben”, sagte Torwart Vitus Eicher nach Spielschluss. „Der Support war überragend. Die Mannschaft hat sich über 90 Minuten als Einheit präsentiert. Wir haben das trotz schwieriger Wochen hinbekommen und nehmen viele positive Sachen aus dem Spiel mit”, erläuterte Kayabunar. Weiter geht für den TSV 1860 München in der Regionalliga am Sonntag, den 30. August um 15 Uhr mit einem Heimspiel gegen den TSV 1882 Landsberg. (as)

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