E-Scooter sind für sehbehinderte Menschen eine gefährliche Stolperfalle | Kurier Dachau

Veröffentlicht am 18.06.2026 15:59

E-Scooter sind für sehbehinderte Menschen eine gefährliche Stolperfalle

Einheitliche Regelungen zum Abstellen von E-Scootern auf ausgewiesenen Flächen fehlen nach wie vor. Jede Stadt und Kommune geht anders mit dem Problem um. Beispielsweise in München müssen E-Scooter lediglich in Teilen der Altstadt auf festgelegten Stellflächen abgestellt werden. Außerhalb dieses Bereichs stehen die Roller häufig kreuz und quer auf Gehwegen, an Engstellen oder sogar vor Treppen. Für Menschen mit Sehbehinderung oder Blindheit stellt dies ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar.

Folgenschwere Stürze

„E-Scooter sind für blinde und hochgradig sehbehinderte Menschen eine gefährliche Stolperfalle. Wegen ihrer Bauform werden sie mit dem Langstock häufig nicht rechtzeitig als Hindernis erkannt. Dadurch kommt es immer wieder zu folgenschweren Stürzen“, erklärt Steffen Erzgraber, Landesgeschäftsführer des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes (BBSB). „Wer einen Gehweg benutzt, muss sich darauf verlassen können, dass dieser frei und sicher passierbar ist. Wild abgestellte E-Scooter machen genau das unmöglich.“
Besonders kritisch wird die Situation, wenn E-Scooter vor Treppen, an Engstellen oder im Bereich von Querungen abgestellt werden. Für blinde und sehbehinderte Menschen wird das Ausweichen dann zusätzlich erschwert und die Unfallgefahr steigt erheblich.

Viele Unfälle werden nicht erfasst

Hinzu kommt ein weiteres Problem: E-Scooter sind nahezu geräuschlos unterwegs. Viele Fahrerinnen und Fahrer nutzen unerlaubterweise Gehwege und nähern sich Fußgängern häufig unbemerkt von hinten. Dadurch steigt das Risiko von Zusammenstößen erheblich.
Laut Statistischem Bundesamt wurden im Jahr 2024 bundesweit 11.944 E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden registriert. Das entspricht einem Anstieg von 26,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nicht erfasst werden dabei Unfälle, die durch falsch abgestellte E-Scooter verursacht werden.

Lösungen für Verkehrssicherheit

Karl Depner, Mitglied im Landesvorstand des BBSB und Experte für bauliche und digitale Barrierefreiheit, fordert deshalb konsequentes Handeln: „Das Free-Floating-Modell darf nicht länger zulasten der Sicherheit von Fußgängern gehen. Wenn der Bund keine einheitlichen Vorgaben schafft, müssen die Kommunen handeln. Verbindliche Stellplätze und wirksame Kontrollen sind überfällig. Öffentliche Gehwege sind keine Abstellflächen für Leihroller.“
Mobilität müsse für alle Menschen sicher und barrierefrei gestaltet werden. Dazu gehört auch, Fehlentwicklungen zu korrigieren. Die Einrichtung verbindlicher Stellplätze für E-Scooter ist ein wichtiger und längst überfälliger Schritt auf diesem Weg.

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