„Warum man das Handwerk des Zimmerers lernen soll? Weil es ein Beruf voller Zukunft ist. Weil man mit dem natürlichen Rohstoff Holz arbeitet. Und weil man jeden Tag draußen ist und am Ende des Tages sieht, was man geschafft hat. Für mich ist das Zimmerer-Handwerk das Non-Plus-Ultra.“ Diese Aussage von Benedikt Lachner kommt wie aus der Pistole geschossen. Der32-Jährige ist stellvertretender Obermeister der Zimmerer-Innung Dachau-Fürstenfeldbruck .Als solcher ist er für die 20 Zimmerei-Betriebe im Landkreis Dachau zuständig. Sieben von ihnen bilden auch Berufsnachwuchs aus.
Benedikt Lachner ist zusammen mit seinem Vater einer der beiden Geschäftsführer des Unternehmens Theobald Lachner Holzbau GmbH in Feldgeding. „Ich bin von Kind an in den Betrieb hineingewachsen und mittlerweile die vierte Generation, die hier ihren Traumjob gefunden hat“, berichtet er. Er hat die Ausbildung zum Zimmerer abgeschlossen, Holzbauingenieurwesen in Rosenheim studiert und gleichzeitig die Meisterprüfung im Zimmererhandwerk absolviert.Altersmäßig ist er trotz mehrjähriger Berufserfahrung noch nahe an den jungen Leuten dran, die das Handwerk lernen. „Wir bilden jedes Jahr aus. Im September kommt wieder ein Lehrling“, freut sich Benedikt Lachner.
Dann zeigt er die große Produktionshalle. Dort riecht es intensiv nach Holz. Moderne Apparaturen fallen ins Auge. Hier müssen die Menschen kaum mehr selbst schleppen, sondern Kräne helfen dabei.Man sieht Einzelteile für einen Holzhaus-Rohbau, der hier produziert wird.Aber die Zimmerei baut auch Carports und Holzterrassen. Ganze Dachstühle und deren Sanierung fallen ebenso unter das Angebot wie zum Beispiel der Einbau von Gauben in Bestandobjekte, damit man im Dachgeschoss mehr Platz zum Wohnen hat. „Wir machen alles, was eine Zimmerei üblicherweise anbietet“, erklärt Benedikt Lachner.
Und dann kommt er zu den Eigenschaften, die angehende Zimmerer idealerweise mitbringen: Sie sollten Freude am Umgang mit Holz haben, handwerklich geschickt sein, ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen besitzen und möglichst schwindelfrei sein. PC-Kenntnisse schaden auch nicht, denn die Arbeitsvorbereitung inklusive CAD (Computer-aided Design, computerunterstütztes Design) findet weitgehend am Rechner statt. Ein weiterführender Schulabschlussist dagegen nicht erforderlich. „Was es zu lernen gibt, das kann man sich während der Ausbildung aneignen“, weiß der stellvertretende Obermeister.
Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre. Das erste ist als Berufsgrundschuljahr ausgelegt, im zweiten und dritten Lehrjahr sind die Auszubildenden vor allem in der Lehrwerkstatt, aber auch in der Berufsschule und im überbetrieblichen Bildungszentrum. Während man im ersten Lehrjahr als Schüler noch nichts verdient, erhalten die Azubis im zweiten Lehrjahr 1351Euro, im dritten Lehrjahr 1610 Euro. Wer sich nach der Gesellenprüfung im Berufsalltag bewährt, kommt schnell voran.Auf dem Bau sind erfahrene Gesellen gesucht, so Benedikt Lachner. Nicht jeder müsse gleich die Meisterprüfung anstreben, um Führungsaufgaben zu übernehmen und gut zu verdienen.
Wie sieht es mit weiblichen Berufsnachwuchs aus? Benedikt Lachner weiß, dass die Zahl der Zimmerinnen, so der korrekt eBegriff, ansteigt. Bayernweit sind unter den Zimmerer-Azubis rund sechs Prozent Frauen. Auch in seinem Unternehmen hat es schon eine Auszubildende gegeben. „Ich würde jederzeit wieder eine weibliche Auszubildende einstellen“, so der stellvertretende Obermeister. Und kann man bei einer körperlich anfordernden Arbeit auch im Beruf alt werden? „Aber sicher. Man muss halt schauen, wo ich jemanden einsetzen kann. Mit den geeigneten Hilfsmitteln kann man auch mit 65 und danach noch als Zimmererarbeiten. Und man kann auch ganz allmählich in die Arbeitsvorbereitung wechseln, wenn man am PC fit ist“, weiß Benedikt Lachner aus Erfahrung.
Die Zimmerer-Innung stellt ihre Ausbildung auf der JOB 2026 in Dachau vor. Benedikt Lachner ist dann auch vor Ort und beantwortet die Fragen der Jugendlichen und ihrer Eltern.Er hat auch Tipps parat, wenn jemand durch ein Praktikum in den Beruf hineinschnuppern möchte, denn er kennt die Betriebe. Die Zeiten,in denen Handwerksausbildungen eher geringgeschätzt wurden, sind seiner Einschätzung nach vorbei. „Das Zimmererhandwerk kann nicht durch KI ersetzt werden, es ist also zukunftssicher. Und wenn man dann noch Freude an dieser abwechslungsreichen Arbeit hat, dann sollte man eine Ausbildung in Betracht ziehen.“