Große Ligenreform im Münchner Lokalfußball | Kurier Dachau

Veröffentlicht am 23.05.2026 13:02

Große Ligenreform im Münchner Lokalfußball

Ein Hauch von „Champions League“: Kreisliga München. (Symbolbild: Alfons Seeler)
Ein Hauch von „Champions League“: Kreisliga München. (Symbolbild: Alfons Seeler)
Ein Hauch von „Champions League“: Kreisliga München. (Symbolbild: Alfons Seeler)
Ein Hauch von „Champions League“: Kreisliga München. (Symbolbild: Alfons Seeler)
Ein Hauch von „Champions League“: Kreisliga München. (Symbolbild: Alfons Seeler)

Ab der Saison 2027/2028 soll es in München nur noch zwei statt bisher drei Kreisligen geben. Zur Spielzeit 2026/2027 findet ein Ausscheidungswettbewerb statt, bei dem die 42 Münchner Kreisligisten auf 30 Mannschaften reduziert werden. Die Verringerung der Kreisligen in München von drei auf zwei Staffeln zieht eine Strukturreform der nachfolgenden Kreisklasse, A-Klasse und B-Klasse nach sich.

Bereits 2021 hatte der zuständige Bezirksspielausschuss des Bayerischen Fußballverbandes einen entsprechenden Reformbeschluss gefasst, dessen Umsetzung jedoch bislang ausblieb. Jetzt drückt der Verband aufs Tempo. Um den Hintergrund zu verstehen, muss man sich zunächst die Organisation und geografische Gliederung des Amateurfußballs in Oberbayern vor Augen führen. Der Bezirk Oberbayern ist in vier Fußballkreise unterteilt: den Kreis München (umfasst die Stadt München und angrenzende Bereiche des Landkreises München), den Kreis Zugspitze (Regionen rund um den Starnberger See, Weilheim, Bad Tölz, Dachau und Fürstenfeldbruck), den Kreis Inn/Salzach (erstreckt sich über den südöstlichen Raum, darunter die Landkreise Rosenheim, Miesbach, Traunstein, Berchtesgadener Land und Mühldorf) und den Kreis Donau/Isar (liegt im Norden und umfasst unter anderem Ingolstadt, Pfaffenhofen, Freising, Neuburg-Schrobenhausen und Eichstätt).

Laut BFV-Angaben sind in allen vier Kreisen eine mehr oder weniger ähnlich hohe Anzahl an Vereinen und Mannschaften im Herrenbereich aktiv: München (197 Vereine, 368 Mannschaften), Zugspitze (202 Vereine, 341 Mannschaften), Inn/Salzach (182 Vereine, 316 Mannschaften) und Donau/Isar (171 Vereine, 297 Mannschaften). Nur in München existieren drei Kreisligen. In den drei anderen Kreisen sind es jeweils zwei. Das hat historische Gründe, denn in München spielten in der Vergangenheit deutlich mehr Mannschaften. Heute ist das jedoch nicht mehr der Fall. Die anderen oberbayerischen Kreise monieren deshalb seit Jahren eine Ungleichbehandlung. In keinem anderen Kreis in Bayern gibt es mehr als zwei Kreisligen. München stellt eine Ausnahme dar, durfte einen Direktaufsteiger mehr in die Bezirksligen entsenden und hatte 14 Mannschaften mehr, die auf Kreisebene in der höchsten Liga spielen. Damit soll nun Schluss sein.

Im Frühjahr konnten sich die Münchener Kreisligisten per Abstimmung für eines von zwei Modellen entscheiden, wie die Ligenreduzierung durchgeführt werden soll. Entweder gestreckt über drei Jahre, in denen es jeweils mehr Absteiger als bislang geben sollte, oder binnen einer einzigen Spielzeit, die in einer Art „Champions-League-Modus“ durchgeführt würde. Nach Informationen des Münchner Wochenanzeigers hat sich die Mehrheit der Vereine für die zweite Variante entschieden, die vom Bezirksspielausschuss auch als „schneller Tod“ beschrieben wird – ein spannender, interessanter Modus.

Um die Chancengleichheit zu wahren, werden die Münchner Kreisligisten in der Spielzeit 2026/2027 basierend auf den Tabellenplatzierungen der letzten drei Spielzeiten in drei „Leistungstöpfe“ eingeteilt. Dadurch treffen viele Mannschaften auf neue Gegner anderer Staffeln. Ausgetragen werden 24 Einfachspieltage mit jeweils zwölf Heim- und zwölf Auswärtsspielen für jedes Team. Die bisherige Hin- und Rückspielregelung entfällt. Nach 24 Spieltagen wird eine Abschlusstabelle aller 42 teilnehmenden Mannschaften erstellt. Die ersten drei Mannschaften im Gesamtklassement steigen direkt in die Bezirksliga auf. Die Tabellenplätze vier bis sieben spielen einen Relegationsplatz für die Bezirksliga aus, während die Mannschaften auf den Rängen acht bis einundzwanzig in der Kreisliga verbleiben. Die neun Mannschaften auf den Tabellenplätzen 34 bis 42 steigen direkt in die Kreisklasse ab.

Weitere Abbauplätze werden in Relegationsrunden ausgespielt. Dabei spielen die Tabellenplätze 22 bis 33 der Kreisliga gegeneinander. Die sechs Verlierer dieser Duelle steigen direkt ab, die sechs Sieger kommen eine Runde weiter und messen sich dort mit den Zweitplatzierten aus den Kreisklassen. Die sechs Verlierer dieser Duelle scheiden aus, steigen ab oder verbleiben in der Kreisklasse. In einer letzten Relegationsrunde spielen die Sieger gegeneinander: Die drei Verlierer müssen in die Kreisklasse, die Gewinner verbleiben in der Kreisliga. Dieses Modell verspricht für die Spielzeit 2026/2027 interessante sportliche Vergleiche und eine Vielzahl an Hopp-oder-Top-Spielen. In der darauffolgenden Saison 2027/2028 werden die Ligen wieder im gewohnten Modus ausgetragen, dann mit zwei Kreisliga-Staffeln und dreißig Mannschaften.

Es ist davon auszugehen, dass unter den Münchner Vereinen ein starkes sportliches Wettrüsten um den Sprung in die Bezirksliga oder den Ligaerhalt einsetzt. Vorboten davon sind bereits erkennbar. So vermeldete der FC Alte Haide-DSC München kürzlich die Verpflichtung des 27-jährigen Emre Tunc. Der ehemalige Türkgücü-Spieler zählte über Jahre hinweg zu den Leistungsträgern in der Regionalliga Bayern und war zuletzt für ein halbes Jahr beim FC Fürstenried am Ball. Ebenfalls mit reichlich Regionalliga-Erfahrung ausgestattet ist der 28-jährige Mario Crnicki (FC Energie Cottbus und Türkgücü München), der ebenfalls den Schwarz-Weiß-Grünen den Aufstieg sichern soll. Mit Elias Beckenbauer (24) wechselt ein weiterer bekannter Name vom Bezirksligisten MTV München zu den Schwabingern. Der Enkel von Fußballlegende Franz Beckenbauer erlernte das Fußballspielen in der Jugend des FC Bayern. In dieser Konstellation ist der FC Alte Haide-DSC München kommende Saison der Top-Favorit auf den Aufstieg und durchaus so etwas wie der FC Bayern der Kreisliga. (as)

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