Am Dienstag, 12. Mai, wurde im Anschluss an die Kabinettssitzung berichtet, dass der Freistaat Bayern die Kosten für die notwendige Altlastensanierung sowie erste Maßnahmen zur erinnerungskulturellen Erschließung eines Teilbereichs des Geländes der ehem. „Deutschen Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung GmbH“ (DVA) in unmittelbarer Nachbarschaft der KZ-Gedenkstätte Dachau übernimmt. Das Gelände soll von der Stiftung Bayerische Gedenkstätten übernommen werden. In den kommenden Wochen wird die Grundstücksübertragung von der Stadt Dachau an die Stiftung vorbereitet, sodass das Gelände langfristig von der KZ-Gedenkstätte Dachau als Erinnerungsort „Plantage“ erschlossen werden kann.
„Wir freuen uns sehr über den Ministerratsbeschluss und die Unterstützung bei der Erschließung des neuen Gedenkorts. Unser Dank gilt besonders denjenigen, die sich teilweise seit Jahrzehnten dafür eingesetzt haben, dass dieser Ort in die KZ-Gedenkstätte Dachau eingegliedert wird. Jetzt können die konkreten Maßnahmen beginnen, die die Voraussetzungen schaffen, das Areal sowohl für die Forschungs- als auch für die Bildungsarbeit am Ort zu erschließen“, so Dr. Christoph Thonfeld, Stellvertretender Leiter der KZ-Gedenkstätte Dachau.
Wenn die Grundstücksübertragung abgeschlossen ist, kann mit der professionellen Entsorgung der Altlasten begonnen werden. Bevor das Gelände anschließend von der KZ-Gedenkstätte Dachau gestaltet und dauerhaft zur Besichtigung erschlossen werden kann, sind sorgfältige Untersuchungen der historischen Bau- und Materialsubstanz erforderlich. Es werden außerdem eine Bauforschung sowie punktuelle archäologische Grabungen stattfinden, um historische Relikte zu sichern und auszuwerten.
Nach einer Ersterschließung des Geländes soll in den kommenden Jahren der Erinnerungsort „Plantage“ entstehen. Zeitnah soll zunächst eine erste kleine Außenausstellung entwickelt werden, um generell über die Geschichte des Ortes zu informieren und Einblicke in den Entstehungsprozess des Gedenkorts zu geben.
Bis dahin bieten der „Weg des Erinnerns“ der Stadt Dachau (www.tourismus.dachau.de/weg-des-erinnerns), Rundgänge zeitgeschichtlicher Vereine oder Exkursionen der KZ-Gedenkstätte Dachau die Möglichkeit, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen. Die Exkursion „Der ‚Kräutergarten‘ des KZ Dachau“ findet das nächste Mal am Samstag, 6. Juni, um 14 Uhr statt. Das Angebot richtet sich an Personen ab 13 Jahren. Mehr Informationen sind unter www.kz-gedenkstaette-dachau.de/veranstaltungen/.
Unweit des ehemaligen Häftlingslagers des KZ Dachau, unterhielt die SS zwischen 1938 und 1945 einen landwirtschaftlichen Betrieb, in dem Gefangene zur Zwangsarbeit eingesetzt wurden. Die SS bezeichnete die große Anlage beschönigend als „Kräutergarten“. Die Gefangenen bezeichneten den Einsatz auf den Ackerflächen des „Kräutergartens“ als „Plantagen-Kommando“. Während kräftezehrender Arbeiten waren sie der Witterung schutzlos ausgesetzt. Unterernährung und die Gewalt der Wachposten machten die Feldarbeit vor allem in den Jahren 1940/41 zur lebensgefährlichen Tortur.
Heute ist der größte Teil des Areals von Industriebetrieben überbaut. Die ehemaligen Verwaltungs- und Institutsgebäude sind erhalten geblieben. Bis heute firmieren sie unter der Adresse „Am Kräutergarten“. Die Stadt Dachau hat in den Gebäuden zum Teil Wohnungen für Menschen in prekären Lebensverhältnissen eingerichtet; andere Gebäudeteile stehen leer, nachdem sie über Jahre von einer Müllentsorgungsfirma genutzt wurden. Zwei der ehemaligen Gewächshäuser mussten neuen Bauten der Stadtgärtnerei weichen.