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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Thursday, 25. February 2021 · 06:07 Uhr
 
 
 

Der Beruf des Schreiners: Vielseitig und attraktiv

Gelebtes Handwerk und Leidenschaft für das Arbeiten mit Holz

Ausstellungseröffnung am 26. September in der Volk- und Raiffeisenbank Dachau: (hinten von li) Herbert Märkl (Schreinerei), Franz Westermaier (SI Dachau, Martin Richter (VRB), Jonathan Kunz, Alexander Rupp, Jermaine Person, Fabian Weiß, Jakob Eichner und Peter Schaber (SI Dachau), (vorn von li) Manuel Granados-Riebel, Xaver Häring, Josef Baur und Jakob Medla. (Foto: dkreisl)

Die Liebe zum Holz bringen die einen schon mit, die anderen entdecken sie während ihrer dreijährigen Ausbildung zum Schreinergesellen. Denn Holz ist ein besonderer Werkstoff. Er ist lebendig. Man sieht die Strukturen der Bäume, die so unterschiedlich und einzigartig sind wie Menschen auch. Holz ist ein Stück Natur. Was man daraus erschaffen kann, sieht man regelmäßig, wenn die besten Jung-Schreiner aus dem Landkreis ihre Gesellenstücke kurz vor ihrer Freisprechung im September ausstellen.

Auch heuer erhalten die Auszubildenden, die ihre Schreiner-Abschlussprüfung mit Erfolg abgeschlossen haben, die Möglichkeit, ihre Gesellenstücke der Öffentlichkeit zu präsentieren. Am 29. August um 16.30 Uhr war es soweit. Die Präsentation der besten Gesellenstücke wurde durch die Junggesellen und den stellvertretenden Obermeister der Schreinerinnung Dachau Herrn Franz Westermair in der Volks- und Raiffeisenbank Dachau, Münchner Straße 35 eröffnet.

Mit Stolz stellten die Auszubildenden ihre fertigen Werke vor. »Ich bereue es nicht, mich für diese Ausbildung entschieden zu haben. Die drei Jahre waren eine schöne Zeit. Ich habe unwahrscheinlich viel gelernt und der Beruf des Schreiners ist mir sehr ans Herz gewachsen. Ich kann nur jedem empfehlen, der sich für Holz interessiert, diesen Beruf zu erlernen.«, so Xaver Häring, Innungssieger SI Dachau und Geselle der Schreinerei Märkl in Dachau.

»Wir freuen uns, dass wir die Gesellenstücke in diesem Jahr wieder in unserer Filiale in Dachau ausstellen dürfen. Es sind wirklich schöne Werke, die sich sehen lassen können. Und natürlich gratulieren wir allen Auszubildenden zur erfolgreich bestandenen Prüfung«, so Martin Richter von der Volks- und Raiffeisenbank Dachau. Die Ausstellung kann noch bis zur »Langen Tafel« am Samstag, dem 7. September zu den regulären Öffnungszeiten in der Schalterhalle der Volks- und Raiffeisenbank Dachau und am Tag der »Langen Tafel« zusätzlich von 16 bis 18 Uhr besichtigt werden.

Öffnungszeiten der Bank:

Mo. bis Do.: 8:15 bis 12 Uhr,
Mo.: 13:30 bis 17 Uhr
Di.: 13:30 bis 16:30 Uhr
Do.: 13:30 bis 18 Uhr
Fr.: 8:15 bis 13 Uhr
Sa. und So.: geschlossen

Voraussetzung für den Beruf

Neben der Liebe zum Holz und den handwerklichen Fähigkeiten für die vielseitigen und interessanten Aufgaben zeichnet einen guten Schreiner noch eine ganze Menge mehr aus. So gehört vor allem eine große Portion Kreativität dazu, um für unerwartete Lösungen, erfrischend neue Ideen, Individualität und trickreiche Details zu sorgen. Darüber hinaus sind ein räumliches Vorstellungsvermögen, zeichnerische Fähigkeiten und Formgefühl sowie das Interesse und technische Verständnis zum Arbeiten mit modernen, komplexen, zum Teil mit CNC-gesteuerten Maschinen, relevant. Und schließlich ist die körperliche Fitness nich unbedeutend, da überwiegend im Stehen gearbeitet wird und das gelegentliche Heben und Tragen von Lasten unvermeidbar ist. Wer eine Führungsposition anstrebt, sollte zudem kommunikations- und teamfähig sein und mit Betriebswirtschaft, Management und Personalführung keine Berührungsängste haben.

Vom Lehrling zum Gesellen

In Deutschland durchläuft der angehende Tischler eine dreijährige Berufsausbildung, wovon das erste Jahr als Berufsgrundbildungsjahr beziehungsweise Berufsgrundschuljahr (BGJ) im Vollzeitunterricht an Berufsschulen stattfinden kann. Im Berufsgrundbildungsjahr findet sowohl eine theoretische wie auch praktische Ausbildung (Fachpraxisunterricht in der Werkstatt der Berufsschule) statt. Im Fachpraxisunterricht werden vor allem Grundfertigkeiten im Umgang mit Handwerkzeugen anhand der Techniken der Holzverbindungen (Zinken, Nut und Feder, Dübeln, Überblatten) vermittelt. Die Ausbildung endet mit der Gesellenprüfung und im positiven Fall mit der Aushändigung eines Gesellenbriefes. »Die Prüfung enthält neben dem theoretischen Teil und unter Aufsicht erstellten Arbeitsproben auch das eigenständige Entwerfen und Anfertigen eines Gesellenstücks. Das kann ein Einzelmöbel, Teil einer Inneneinrichtung oder eines Bauteiles (Fenster, Tür oder Treppe) sein. Je nach dem Schwerpunkt in der Ausbildung kann der angehende Bau- und Möbeltischler nach Absprache selber wählen, was gebaut wird.«, erklärt uns Peter Schaber, Prüfungsvorsitzender der Schreinerinnung Dachau.

Und nach der Ausbildung?

Zur beruflichen Fortbildung steht der Gesellin oder dem Gesellen die Möglichkeit offen, den Meisterbrief zu erwerben oder sich in einer zweijährigen Fachschule zum Staatlich geprüften Techniker der Fachrichtung Holztechnik, dem sogenannten Holztechniker, oder dem Staatlich geprüften Techniker der Fachrichtung Raumgestaltung oder Innenausbau fortzubilden. Zur beruflichen Weiterbildung gehört auch die Möglichkeit, sich als Restauratorin oder Restaurator fortzubilden. Schreiner und Tischlerinnen, die sich für Gestaltung interessieren und darin professionell weiterbilden wollen, können sich in einer der Akademien oder Fachschulen für Gestaltung zum Gestalter im Handwerk oder staatlich geprüften Gestalter (verschiedene Fachrichtungen) weiterqualifizieren. Das geht in einem einjährigen Vollzeitkurs oder in zwei Jahren berufsbegleitend. Die Ausbildung an staatlichen Fachschulen, die mit der Berufsbezeichnung staatlich geprüften Gestalter abschließt dauert zwei Jahre.

Chancen im Landkreis Dachau

Dem Schreiner-Nachwuchs im Landkreis geht es verhältnismäßig gut. Der viel zitierte Nachwuchsmangel ist
für die Region Dachau kein großes Thema. »Unser Beruf ist beliebt, weil er attraktiv und vielseitig ist«, weiß Innungs-Obermeister Dachs. »Die Arbeitszeit liegt bei 40 Stunden, der Tariflohn fürs zweite Lehrjahr liegt bei 680 und fürs dritte bei 775 Euro. Da ist noch Luft nach oben, das weiß ich. Aber die meisten Betriebe hier in der Region zahlen ohnehin übertariflich. Hinzu kommen leistensbezogene Prämien, zum Beispiel bei guten Noten.« Fachkräfte fehlen trotzdem. Denn: »Nicht alle Lehrlinge bleiben den Betrieben oder dem Handwerk überhaupt erhalten.« Nicht wenige, vor allem Abiturienten, wählten ein Studium, zum Beispiel Innenarchitektur, und nutzten die Ausbildung als Sprungbrett. Nichtsdestotrotz: »Die Auftragslage ist sehr gut«, weiß Dachs, »und Betriebe, die qualitativ hochwertige Arbeit abliefern, haben alle Hände voll zu tun.« Die Chance, einen Ausbildungsplatz als Schreiner zu bekommen ist also hervorragend. Und wer sich noch nicht sicher ist, ob es das richtige für ihn ist, dem empfiehlt Herr Dachs ein Betriebspraktium zu machen und es einfach mal auszuprobieren. Und spätestens dann ist die Begeisterung geweckt.

Wichtige Internet-Adressen für Interessierte und Lehrstellen-Suchende:

www.berufenet.arbeitsagentur.de/berufenet (Agentur für Arbeit)
www.schreiner.de/nc/beruf-schreiner/stellenboerse/ (Innungsseite)
www.khs-dachau.de/aus_und_weiterbildung.html (Infos zur Region Dachau)