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Monday, 18. October 2021 · 09:54 Uhr
 
 
 

»Ich rede mit der Lisbeth über unsere Leben«

Schauspielerin Monika Baumgartner im Interview auf dem »dachauer regiestuhl«

Monika Baumgartner hat im Karlsfelder Prinzenpark auf dem »dachauer regiestuhl« Platz genommen. (Foto: Sessner Dachau)
 

Monika Baumgartner ist eine seit Jahrzehnten erfolgreiche Schauspielerin am Theater und im Fernsehen, sie führt Regie, liest als einzige Frau zur Weihnachtszeit die Heilige Nacht von Ludwig Thoma und hat sich auch als Musical-Star in Anatevka bewährt. Schlagartig bekannt wurde sie 1981 mit dem bayerischen Filmdrama Rumpelhanni. In ihrer Rolle als Mama vom Bergdoktor kommt sie herzlich, bodenständig und manchmal ein bisserl stur daher. Und authentisch, im Arbeitsgwand mit Kopftuch im Kuhstall und ohne Alpenkitsch und Glitzerdirndl. Auf dem »dachauer regiestuhl« hat Monika Baumgartner im Februar Platz genommen, dort haben wir sie im Karlsfelder Prinzenpark getroffen.

KURIER: Frau Baumgartner, waren Sie als SPD-Wahlkampfhelferin oder als Betroffene vor Ort im Prinzenpark?

Baumgartner: Als Betroffene. Meine Mama wohnt dort und wir kämpfen seit eineinhalb Jahren für einen Nahversorger. Im Februar hofften wir wenigstens auf eine Interimslösung für die 4.000 Menschen, die im Viertel wohnen. Wegen Corona wurden die Versprechungen wieder auf Eis gelegt, was ich sehr schade finde. Aber wir hoffen weiterhin auf eine Lösung durch Gemeinde und Bauträger.

KURIER: Eigentlich wollten wir das Interview »in ein paar Wochen machen, wenn Corona vorbei ist«. Konnten Sie sich vorstellen, welche Ausmaße diese Pandemie annimmt?

Baumgartner: Nein, das konnte sich wohl niemand vorstellen. Aber ich hab relativ schnell erkannt, dass das eine globale und gefährliche Sache ist, die man ernst nehmen muss. Es ist schon besorgniserregend, dass nach den Lockerungen jetzt so oft sorglos gefeiert wird und viele offensichtlich denken, es kann sie nicht treffen.

KURIER: Viele Fernsehzuschauer kennen Sie als Elisabeth Gruber, die Mama vom Bergdoktor, Sie drehen seit Wochen die 14. Staffel. Wie kann man sich das vorstellen, bleibt das Team unter sich?

Baumgartner: Nein, wir sind ganz normal in einem Hotel untergebracht und bewegen uns dort auch im Restaurant oder Frühstücksraum. Bei den Dreharbeiten gelten hohe Sicherheitsstandards, so wird täglich Temperatur gemessen, jede Woche gibt es einen Corona-Test und alle, die am Set arbeiten, tragen Masken. Nur während die Kamera läuft, nehmen die Schauspieler die Maske ab. Hätten wir einen Corona-Fall im Team, müsste die ganze Produktion gestoppt werden, darum gelten bei uns strenge Hygiene-Maßnahmen.

In Österreich war die Maskenpflicht ja zeitweise abgeschafft. Da wurde mir im Hotel erst bewusst, wie nahe einem wildfremde Menschen oft kommen und wie unangenehm mir mittlerweile ist, wenn man angehustet wird.

KUREIR: Schon seit 2008 schlüpfen Sie in die Rolle der Bäuerin Elisabeth Gruber. Würden Sie gerne Uroma auf Gruberhof werden?

Baumgartner: Aus meiner Serienenkelin, der neunjährigen Lilli, ist ja in den letzten 14 Jahren eine junge Frau geworden. Ein Urenkelkind wäre also möglich. Aber darüber machen sich beim ZDF wichtige Damen und Herren Gedanken, die der Bergdoktorgeschichte eine Linie geben. Man will es für den Zuschauer nicht zu langweilig machen, es muss immer spannend bleiben. Gleichzeitig soll man sich mit den Figuren identifizieren können, die glaubhaft und echt rüberkommen sollen. Aufgrund des Erfolges der Serie haben sie das bisher wohl richtig gemacht. Und was viele nicht wissen: die Krankheiten/Unfälle sind echte recherchierte Fälle, die hat es alle tatsächlich gegeben.

KURIER: Sie haben den Bayerischen Fernsehpreis, Poetentaler, Verdienstorden und viele mehr bekommen. Sind Ihnen diese Auszeichnungen wichtig?

Baumgartner: So einen Preis bekommt man ja unverhofft für etwas, das man offensichtlich gut gemacht hat. Natürlich freue ich mich über diese besondere Ehre, denn es ist auch eine Bestätigung für meine Arbeit.

KURIER: Neben der Schauspielerei betreiben Sie mit Ihrer Schwester ein Geschäft für Innenausstattung. Möchten Sie nicht manchmal die Füße hochlegen und sich in die Rente verabschieden?

Baumgartner (lacht): Ich bin ja schon seit vier Jahren Rentnerin. Das Geschäft macht hauptsächlich meine Schwester und nach dem Lockdown kommen unsere Kunden Gott sei Dank auch wieder. Mein Beruf als Schauspielerin macht mir so viel Spaß, ich arbeite an den schönsten Plätzen zusammen mit vielen lieben Menschen. Warum sollte ich damit aufhören?

KURIER: Können Sie sich vorstellen, wie man Theater, Konzerte und Festivals wieder auf die Bühnen bringen kann?

Baumgartner: Ich fürchte, das ist erst dann wieder uneingeschränkt möglich, wenn ein Impfstoff gefunden ist. Kürzlich fand in Fürstenfeldbruck in einem Kino die Aufführung des ersten Teils der Rumpelhanni zum 100. Todestag von Autorin Lena Christ statt, an der 50 Personen teilnehmen durften. Ich hab mich sehr darüber gefreut, aber dieser halbleere Kinosaal war auch sehr traurig. Meine geplanten Lesungen werden wohl auch nicht oder nur in sehr kleinem Rahmen stattfinden können. Das Überleben von Kunst und Kultur macht mir schon große Sorgen.

KURIER: Ich hab gelesen, dass Sie gerne mal in einer Quizshow abräumen, bei Lets Dance teilnehmen oder den Boandlkramer spielen würden. Gibt es weitere unerfüllte Wünsche?

Baumgartner: In einer Quizshow durfte ich mit Hans Sigl jetzt schon mal mitmachen. Unerfüllte Wünsche habe ich eigentlich keine, ich bin froh und dankbar, dass es mir und meiner Familie so gut geht.

KURIER: Im Herbst erscheint Ihr erstes Buch »Alles eine Frage der Einstellung - Mein Leben zwischen Berg und Tal«. Ist das eine Biografie?

Baumgartner: Ja, und ich habe für das Buch mein Leben auf- und verarbeiten müssen, was ich selber spannend und interessant fand. Für das Buch sitze ich mit Lisbeth auf dem bekannten Bankerl am Gruberhof und wir erklären uns unsere Leben. Als Schauspielerin unterhalte ich mich mit meiner Rolle als Gruberbäurin, wir finden Gemeinsamkeiten und Unterschiede und nehmen den Leser mit auf diese Reise.

Da die Präsentation des Buches digital geplant ist, muss ich noch lernen, wie man mit den neuen und sozialen Medien umgeht. Ich freue mich aber sehr und bin gespannt, wie mein erstes Buch ankommt.

KURIER: Dann wünschen wir Ihnen und Ihrem Buch viel Erfolg und danken herzlich für das Interview.

Interview: Christl Horner-Kreisl

Foto: Sessner Dachau