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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Sunday, 11. April 2021 · 11:14 Uhr
 
 
 

Staatliches Schulamt bietet an

»Unabhängige Beratungsstelle Inklusion«

Beispiel gelebter Inklusion beim gemeinsamen Singen. (Foto: LA Dachau)

»Schee langsam fang ma o midanand«, sangen die Partnerklassen der Gregor-Märkl-Grundschule Röhrmoos und der Johannes-Neuhäusler-Schule Schönbrunn zu Beginn des Festakts Inklusion Anfang Dezember im Ludwig-Thoma-Haus. Die Veranstaltung des Staatlichen Schulamts im Landkreis Dachau, vertreten durch die Schulrätin, Agnes Brunner, sowie dessen rechtlicher Leitung, Landrat Stefan Löwl, zeigte in beeindruckender Weise, wie an den Grund- und Mittelschulen Inklusion mit intensiver Unterstützung der drei Förderzentren im Landkreis schon seit vielen Jahren erfolgreich umgesetzt wird.

Darüber hinaus wurden auch neue Einrichtungen vorgestellt, um die Beschulung von Kindern mit besonderem Förderbedarf in unterschiedlichen Bereichen in Regelklassen weiter voranzubringen und die Beratung von Eltern zu intensivieren.

In ihrer Begrüßung dankte Agnes Brunner allen Anwesenden für ihre Teilnahme an der Veranstaltung und das damit verbundene hohe Interesse am Thema Inklusion: Den Vertretern des Freistaats, wie dem Regierungspräsidenten Christoph Hillenbrand, sowie allen drei Dachauer Landtagsabgeordneten Bernhard Seidenath, Martin Güll und Anton Kreitmair ebenso wie den Kommunalpolitikern, insbesondere dem Bezirkstagspräsidenten Josef Mederer, sowie zahlreichen Bürgermeistern des Landkreises. Ebenso waren der Einladung gefolgt Vertreter der Schulabteilungen der Regierung von Oberbayern, Schulleiterinnen und Schulleiter aller Schulen und Schularten im Landkreis, Vertreter vieler sozialer Einrichtungen, des Landratsamts und der Stadt Dachau, aber auch Eltern, die ihre Kinder zur Vorstellung begleitet hatten.

Brunner betonte, dass Inklusion als Haltung nur durch gemeinsame Anstrengungen und Veränderungen in der Gesellschaft umzusetzen sei. Dafür seien auch notwendige Rahmenbedingungen weiter auszubauen, wie beispielsweise höhere multiprofessionelle Personalressourcen und bauliche Veränderungen.

Landrat Stefan Löwl führte anschließend aus, welche inklusiven Maßnahmen im Landkreis Dachau bereits erfolgreich umgesetzt worden sind und dass Inklusion eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist.

Dem Kreistag ist dieses Thema äußerst wichtig und er wird es im Rahmen seiner Zuständigkeit entsprechend unterstützen. In seinem Grußwort unterstrich Regierungspräsident Christoph Hillenbrand die Bedeutung und die Notwendigkeit gesellschaftlicher und bildungspolitischer Anstrengungen, damit Kinder mit und ohne Behinderung von klein auf gemeinsam aufwachsen und Erfahrungen sammeln können. In Kinderkrippen und Kindertagesstätten seien bereits gute Grundlagen dafür geschaffen worden, zum Beispiel durch die Bildung kleinerer Gruppen oder durch einen höheren Personaleinsatz. An vielen Schulen seien auch gute Organisationsformen entstanden, in denen eine inklusive Beschulung erfolgreich durchgeführt und gelebt wird.

Bezirkstagspräsident Josef Mederer zeigte sich erfreut über die in der Veranstaltung vorgestellten inklusiven Maßnahmen und das damit verbundene äußerst hohe Engagement aller Beteiligten. Darüber hinaus betonte er, dass für einen langfristigen Erfolg sowohl personelle als auch finanzielle Veränderungen notwendig sind: »Wir brauchen beispielsweise mehr Personal verschiedener Professionen sowie auch bauliche Anpassung an die Bedürfnisse», so Bezirkstagspräsident Josef Mederer.

Im Anschluss wurden Beispiele bereits erfolgreich etablierter inklusiver Maßnahmen an den Dachauer Schulen vorgestellt. Dazu gehören die sogenannten Partnerklassen der Johannes-Neuhäusler-Schule Schönbrunn, die mit Regelklassen an den Schulen in Röhrmoos, Hebertshausen, Bergkirchen und Haimhausen in verschiedenen Fachbereichen gemeinsam lernen und auch feiern.

An vielen Schulen des Landkreises sind Kooperationsklassen eingerichtet, in denen einige Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf in einer Regelklasse mit Unterstützung von Sonderpädagogen der Greta-Fischer-Schule beschult werden. Darüber hinaus besuchen auch einzelne Kinder, die besondere individuelle Unterstützung brauchen, die Regelklassen; diese werden zusätzlich zur Lehrkraft durch den Mobilen Sonderpädagogischen Dienst (MSD) oder auch durch Schulbegleiter betreut.

Ein spezielles Konzept stellte die Rektorin der Grundschule Petershausen, Ulrike Schneider-Güll, vor, die für ihre bisher einzigartige Kooperation mit der Akademie Schönbrunn den Status »Modus-F-Schule« verliehen bekam. Hier werden die Kinder sowohl durch die Lehrkräfte als auch durch angehende Heilpädagogen gefördert. Beispiele gelebter Inklusion wurden deutlich, als die Kinder der Partnerklassen der Johannes-Neuhäusler-Schule Schönbrunn zusammen mit den Röhrmooser Schülern das lustige »Lied vom Floh« vortrugen und dann mit der Partnerklasse der Grundschule Bergkirchen den »Kleinen grünen Kaktus« spielten.

Als erste Neuerung stellte sich die Grundschule Dachau an der Anton-Günther-Straße als »Schule mit Schulprofil Inklusion« vor; dieses Prädikat wurde der Schule zu Beginn des Schuljahres 2015/16 vom Bayerischen Staatsministerium verliehen. Die Konrektorin, Andrea Noha, zeigte zusammen mit ihrer Kollegin aus dem Förderzentrum Greta-Fischer-Schule, Martha Nekolla, in ihrer Präsentation auf, wie die Schule schon seit langer Zeit ihre Schüler mit sehr unterschiedlichen Lernniveaus durch vielfältige Maßnahmen und Lernangebote fördert. Die gesamte Schulfamilie hat sich darauf verständigt, dass die Arbeit mit Kindern mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf weiter vorangetrieben und ausgebaut werden soll. Dafür stehen der Schule weitere zwölf Stunden durch Lehrkräfte der Schule und 13 Stunden durch Sonderschullehrkräfte des Förderzentrums Greta-Fischer-Schule für die Förderung zur Verfügung.

Anschließend wurde die neue »Unabhängige Beratungsstelle Inklusion« des Staatlichen Schulamts im Landkreis Dachau vorgestellt, die ihren Sitz im Landratsamt hat. Als zentrale Anlaufstelle zu Fragen rund um das Thema Inklusion in der Schule bietet sie vor allem Eltern eine multiperspektivische, ergebnisoffene und auf den Einzelfall bezogene Beratung in pädagogischen, psychologischen und schulischen Fragen im Bereich Inklusion. Diese wird durchgeführt von einem Team, derzeit bestehend aus einer Schulpsychologin, Rosemarie Stephan, einer Sonderpädagogin der Greta-Fischer-Schule, Dr. Barbara Rodrian sowie einer Sonderpädagogin und Konrektorin der Johannes-Neuhäusler-Schule Schönbrunn.

Schulrätin Agnes Brunner stellte auch die neu gegründete Steuergruppe Inklusion vor, in der ein Vertreter der Regierung von Oberbayern, eine Schulrätin, Rektoren aus dem Regel- und Förderschulbereich sowie der Verwaltung des Landratsamtes und des Förderzentrums vertreten sind. Sie wird unter anderem ein pädagogisches Konzept für die inklusive Beschulung an jeder Grund- und Mittelschule des Landkreises entwickeln, die Zusammenarbeit zwischen den Regel- und Förderschulen optimieren und die Vernetzung von inklusiven Einrichtungen ausbauen.

Bevor Landrat Löwl abschließend zu einem Gedankenaustausch einlud, spielten die Rektorin Ilona Seyfried und der Konrektor Alexander Amorth noch fetzigen Jazz auf Saxophon und Klavier.