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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Monday, 13. July 2020 · 11:02 Uhr
 
 
 

250. Treffen vom Asyl-Helferkreis

Indersdorfer Bürgerinnen zur Gründung der AsylHelferkreis

Vor sechs Jahren trafen die ersten 27 Asylbewerber in der Tennishalle ein und einige Indersdorfer Bürgerinnen waren sofort bereit zu helfen und gründeten den AsylHelferkreis Indersdorf. Seitdem trifft sich ein Teil der Aktiven, die ersten fünf Jahre ganz regelmäßig, nahezu wöchentlich, seit einem Jahr 14-tägig, erst in der Tennishalle, dann viele Jahre bei der Freien evangelischen Gemeinde und seit einem Jahr im katholischen Pfarrheim am Wasserturmweg.

Aus Anlass ihres 250. Treffens gab Georg Weigl, einer der drei Koordinatoren, einen Rückblick, insbesondere aber einen Überblick über die Aufgaben der Asylhelfer und die Lebenssituation der Asylbewerber. Beim Asyl-Helferkreis Indersdorf waren von Anfang an ungefähr 20 Personen regelmäßig aktiv. Mittlerweile kann man bei Bedarf bei Einzelaufgaben auf weitere 20 Personen zurückgreifen. Bei diesen gemeinsamen Gesprächen entwickeln sich neue Ideen, die oft zur Lösungsfindung beitragen. Diese Arbeitsweise scheint wohl auch der Grund dafür zu sein, dass die Betreuung der Flüchtlinge, auch nach sechs Jahren, den meisten immer noch Freude macht, auch wenn die Betreuung teilweise sehr zeitaufwändig und anstrengend ist.

Der Helferkreis kümmert sich aktuell um 67 Flüchtlinge, wegen angekündigter Neuzuweisungen vom Landratsamt mit steigender Tendenz. Für die meisten von ihnen gibt es einen sogenannte Paten oder eine Patin, welche für eine Person die Hauptzuständigkeit hat. Daraus ergeben sich auch die unterschiedlichen Aufgaben, wie Hausaufgabenbetreuung für die Auszubildenden, Einzelunterricht zur Verbesserung der deutschen Sprache für den Beruf, Begleitung der Kinder von der Geburt bis zur Schule, Unterstützung bei Terminen der verschiedenen Ämter und Wohnungssuche. Diese Patenschaft hat sich als sehr gut und effektiv erwiesen. Der Helferkreis könnte jedoch noch weitere Helfer brauchen, da die Aufgaben immer vielfältiger und umfangreicher werden.

Im zweiten Teil des Vortrags von Georg Weigl ging es vor allem um Zahlen, von denen auch die Mitglieder des Helferkreises teilweise überrascht waren. Von den 67 Flüchtlingen, darunter 52 Männer, zehn Frauen und fünf Kinder, leben 38 in der Container-Unterkunft in der Rieder Straße, fünf Männer aus Nigeria sind in einer Wohnung in der Rothbachstraße untergebracht und 24 Personen sind in eigener Wohnung. Neun Bewohner der Container-Unterkunft sind anerkannt und könnten in eine eigene Wohnung ziehen, was beim derzeitigen Wohnungsmarkt sehr schwierig ist. Darunter befindet sich auch eine fünf-köpfige somalische Familie mit drei kleinen Kindern. Sie sind sogenannte Fehlbeleger. Für die Familie und die vier einzelnen jungen, berufstätigen Männer wird dringend eine Wohnung oder ein Zimmer gesucht. Insgesamt leben also in Indersdorf 33 Asylbewerber, die noch kein Bleiberecht in Deutschland haben, und 34 Asylberechtigte, welche zumindest vorerst bleiben dürfen. Was machen nun all diese Leute, von denen manche schon seit sechs Jahren in Indersdorf leben und andere, die erst in den letzten Wochen hier angekommen sind?

Für alle Teilnehmer des 250. Treffens überraschend war, dass 41 Personen derzeit einen sozialversicherungspflichtigen Job haben, davon 29 eine Vollzeitbeschäftigung, fünf einen Teilzeitjob und sieben junge Männer in Ausbildung sind. In den letzten Tagen habe zwei Männer ihre Ausbildung zum Maurer begonnen. Für diese sucht der Helferkreis noch nach weiteren Unterstützern, auch wenn es nur einmal in der Woche ist. Jede Hilfe ist willkommen. Ein weiterer Asylbewerber wartet gerade auf die Arbeitsgenehmigung durch das Landratsamt, einer geht in die Integrationsklasse in der Berufsschule. Sieben arbeitswillige Männer haben ein Arbeitsverbot, teilweise seit 2015, dabei handelt es sich zum einen um Senegalesen und zum anderen um Leute, die wohl abgeschoben werden sollen, von denen aber die dazu nötigen Identitätspapiere nicht vorliegen. Sechs Personen sind im Kindergarten, in der Schule, einem Kurs oder im Studium. Die restlichen zehn Personen stehen derzeit dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung (Kleinkind, Mama, alt, krank und ähnliches). Das bedeutet in Summe, dass für zehn Asylbewerber noch Asylleistungen vom Landratsamt bezahlt werden, wobei in dieser Zahl auch die sieben Personen mit Arbeitsverbot enthalten sind. Von den Asylberechtigten gibt es zwei Bedarfsgemeinschaften und eine Einzelperson, welche noch Leistungen vom Jobcenter beziehen, ein Student bekommt Bafög. Am Ende kam Georg Weigl noch auf die außerordentlichen Aktivitäten in den letzten beiden Jahren zu sprechen.

Beim Glonntalfestival wurde afrikanisch gekocht, in der Adventszeit gestaltete der katholische Frauenbund einen Adventskaffee. Beim Imkerverein absolvierten einige Flüchtlinge einen Imkerkurs, im Gymnasium nahmen sie am Robotik-Projekt teil. Einige bauten unter Anleitung einen Solarkoffer. Die Teilnahme an einem Fußballturnier und ein Besuch in München beim Zirkus Krone fanden großen Anklang. Da die Kommunikation und Vernetzung für die Arbeit des Helferkreises sehr wichtig ist, haben Mitglieder an verschiedenen überörtlichen Helferkreistreffen, sowie am Asylgipfel Oberbayern teilgenommen. Und mit finanzieller Zuwendung des Landkreises gönnte sich der Helferkreis einen Besuch des Hoftheaters Bergkirchen sowie ein gemeinsames Abendessen.