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Thursday, 13. May 2021 · 23:26 Uhr
 
 
 

Testen, Impfen, vorsichtig lockern

Seidenath: »Unser Weg zurück in eine Normalität«

Bernhard Seidenath, MdL CSU (Mitte) vor dem MAN Diagnostikmobil. (Foto: CSU/MAN)

Rund 1,2 Millionen Impfungen hat es in Bayern seit Beginn des Impfstarts gegen Corona Ende Dezember 2020 gegeben. Gerade die vulnerablen Personengruppen in den Alten- und Pflegeheimen sind zwischenzeitlich zweimal geimpft – und somit sehr gut gegen eine COVID-19-Erkrankung geschützt. Tatsächlich gab es in den letzten Wochen keinen Corona-Ausbruch mehr in einem Alten- und Pflegeheim in Bayern. Dies deutet schon darauf hin, dass die Impfungen wirken. Und auch neue Studien aus Israel belegen, wie wirksam die Impfungen gegen Corona sind.

Der limitierende Faktor ist weiterhin die Menge an Impfdosen, die unseren rund 100 Impfzentren in Bayern zur Verfügung stehen. Es könnten deutlich mehr Impfungen durchgeführt werden. Auch bei den hochpriorisierten über 80-Jährigen, die zuhause leben, konnte bisher bei weitem noch nicht allen ein Impfangebot gemacht werden. Aber es gibt deutliche Hoffnungsschimmer: die Liefermengen der aktuell drei in der Europäischen Union zugelassenen Impfstoffe – der mRNA-Impfstoffe von BioNTech-Pfizer und von Moderna sowie des Vektor-Impfstoffs von AstraZeneca – haben sich stabilisiert und sind tendenziell gestiegen. Durch neue Produktionsstätten werden die Liefermengen weiter ausgeweitet werden können.

Hinzu kommt, dass die Europäische Kommission in diesen Tagen sehr wahrscheinlich einen vierten Impfstoff, den von Johnson & Johnson, zulassen wird, der ab 1. April auch nach Deutschland geliefert werden wird. Experten schätzen deshalb, dass ab April in Bayern rund 110.000 Impfungen pro Tag vorgenommen werden können. Da der Impfstoff von Johnson & Johnson auch noch deutlich leichter zu handhaben ist als die beiden mRNA-Impfstoffe und voraussichtlich nur einmal verimpft werden muss, um den vollen Impfschutz zu erzielen, wird dieser Impfstoff ganz ähnlich wie ein Grippe-Impfstoff eingesetzt werden können. Impfungen können perspektivisch deshalb auch von Hausärzten durchgeführt werden.

Persönlich hätte ich auch nichts dagegen, unsere Apothekerinnen und Apotheker mit dieser Aufgabe zu betrauen. Zumindest die Impfberatung kann in den Apotheken durchgeführt werden, die ja niedrigschwellig für jedermann und ohne Terminvergabe erreichbar sind.

Impfen und Testen

Nicht nur die Impfungen haben in den letzten Wochen große Fortschritte gemacht: auch die Tests, die in der Lage sind, das SARS-CoV-2-Virus aufzuspüren, sind deutlich zahlreicher und zuverlässiger geworden. Neben den PCR-Tests, die weiterhin den Goldstandard der Testungen darstellen, sind viele Antigen-Schnelltests hinzugekommen. Neuerdings auch Selbsttests.

Auch bei den PCR-Tests schreitet die Technik voran: MAN beispielsweise hat ganz in unserer Nachbarschaft ein Corona-Test-Mobil völlig neu entwickelt, mit dem bis zu 16 PCR-Tests gleichzeitig gemacht werden können. Ein Test braucht 39 Minuten. Wenn bis zu fünf Tests auf einem Test-Kit gepoolt werden, können 80 Tests pro Stunde durchgeführt werden.

Dieses fahrende Labor kann folglich in Hotspots eingesetzt werden. Oder an Flughäfen, um Passagiere schnell und zuverlässig zu testen. Oder die Fahrer von Lastwagen an der Grenze. Dies bringt noch einmal eine neue Qualität in unser Bemühen, Infektionen schnell zu erkennen und Infektionsketten gar nicht erst entstehen zu lassen.

Perspektiven für Lockerungen

Sehr spürbar tut sich also inzwischen etwas! Sehr wichtig ist deshalb die Öffnungsmatrix, die von den Ministerpräsidenten der Länder am 3. März beschlossen wurde.Wir stellen uns jeden Tag besser auf das SARS-CoV-2-Virus ein. Dies ermöglicht uns auch, mit unkonventionellen Methoden wieder in eine gewisse Normalität zurückzukehren – und all die Stätten wieder zu öffnen, die aktuell noch geschlossen sind: Gaststätten, Hotels, Museen, Kinos, Theater, Sportstätten und, und, und. Solange die Gefahr durch das Virus nicht für alle gebannt ist, muss dabei aber die Ansteckungsgefahr so weit wie irgend möglich minimiert werden.

Neben dem Abstandsgebot und der Maskenpflicht, wo immer das möglich ist, halte ich die Wiederöffnungen für all diejenigen für möglich, die nachweisen, dass sie weder infektiös sind noch erkranken können: durch einen am selben Tag durchgeführten Test, durch eine Impfung gegen COVID-19 oder durch eine während der letzten drei Monate durchgemachte und überstandene Corona-Infektion. L

ockerungen bedeuten aber auch eine höhere Verantwortung für den einzelnen: sich an die Regeln zu halten und bei Verdacht auf eine Infektion schnell und rücksichtsvoll zu handeln. Wer etwa einen Selbsttest macht, der positiv ausfällt, muss unbedingt einen PCR-Test machen lassen und sofort in Quarantäne! Corona wird deshalb unser Leben weiterhin verändern – aber nicht mehr so einschränken wie in den vergangenen Monaten.

Das Licht am Ende des Tunnels wird Tag für Tag heller!

(von Bernhard Seidenath, MdL, Vorsitzender des Gesundheitsausschusses des Bayerischen Landtags)