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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Wednesday, 21. April 2021 · 09:51 Uhr
 
 
 

Virtuelle Gedenkfeier zum 76. Jahrestag

Befreiung der Stadt Oświęcim und des KL Auschwitz

Online-Gedenkfeier zum 76. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz-Birkenau. (Foto: Silke Lein/LA Dachau)

Zum ersten Mal seit der Unterzeichnung der Partnerschaft zwischen den Landkreisen Dachau und Oświęcim/Auschwitz im Jahre 2015 ist heuer keine Delegation des Kreistags nach Polen gefahren, um an den Gedenkveranstaltungen zum 76. Jahrestages der Befreiung der Stadt Oświęcim und des KL Auschwitz-Birkenau teilzunehmen. Grund waren natürlich die cornabedingten Einschränkungen. »Schmerzlich vermisse ich die Möglichkeit, gemeinsam mit unseren polnischen Freunden den Jahrestag zu begehen. Die freundlichen Begegnungen zwischen den Polen und den Deutschen, dem Volk der Täter der größten Schande in der Menschheitsgeschichte, waren und sind für mich jedes Mal ein Geschenk«, sagte die Partnerschaftsbeauftragte Marese Hoffmann.

Dieses Jahr hatten die Feierlichkeiten in Oświęcim einen besonderen Charakter. Die aus der ganzen Welt kommenden Delegationen fehlten. »Trotzdem waren wir dabei«, sagt Landrat Stefan Löwl. »Unsere Partner vom Landratsamt Oświęcim haben in unserem Namen einen Kranz am zentralen Platz der Stadt niedergelegt. Diese Geste betont die enge Verbundenheit zwischen uns«.

Der Landrat und die Partnerschaftsbeauftragte haben auch an der virtuellen Zeremonie in der Gedenkstätte Auschwitz teilgenommen. Die diesjährige Feier war dem Schicksal der Kinder in dem Konzentrations- und Vernichtungslager gewidmet. Nach Schätzungen wurden mindestens 232.000 Kinder und Jugendliche nach Auschwitz deportiert, die meisten von ihnen Juden. Mehr als 200.000 von ihnen wurden dort ermordet. »Diese Kinder waren vollkommen unschuldig, gut, neugierig auf das Leben, voller Liebe für ihre Nächsten und voller Vertrauen. (...) Dies kann durch keine Ideologie, Berechnung oder Politik gerechtfertigt werden«, sagte der Direktor der Gedenkstätte Auschwitz Piotr Cywiński. »Das Schicksal dieser Kinder hat mich fassungslos gemacht. Ich kann nur immer wieder die Botschaft von Marian Turski, einem Auschwitz-Überlebenden, wiederholen, der in seiner Gedenkrede letztes Jahr sagte: »Du sollst nicht gleichgültig sein. Auschwitz ist nicht vom Himmel gefallen«.

»Dies soll für uns alle ein Leitprinzip sein«, erklärte Hoffmann. Und auch Landrat Löwl betont die Bedeutung für das hier und jetzt: »Heute erinnern wir uns gemeinsam, aber nicht nur mit dem Blick zurück, sondern auch mit einem klaren Bekenntnis und Auftrag für heute und morgen: Nie wieder!«