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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Saturday, 27. November 2021 · 21:11 Uhr
 
 
 

Gemeinsam sechs Katzenbabys gerettet

Erfolgreiche Aktion von Tierschutz, Veterinäramt und Polizei

Saubergemacht, gefüttert und in Quarantäne - im Tierheim werden die beschlagnahmten Kätzchen gesund gepflegt. (Foto: TH Dachau)

Mitglieder des Bundes für Katzenfreunde München entdeckten auf Ebay eine Anzeige, laut der jemand ein kleines Kätzchen gefunden hat und es für 80 Euro verkaufen möchte. Der Preis wurde dann auf 40 Euro »reduziert«. Um das Tier zu retten, entschloss man sich, es zu kaufen. Als Übergabeort wurde von der Verkäuferin ein Parkplatz vorgeschlagen, Übergabezeitpunkt ein Uhr nachts. Nachdem die Verkäuferin nicht erschien, wurde ein erneuter Treffpunkt ausgemacht, wieder wurde ein Parkplatz vorgeschlagen. Die Verkäuferin stieg nicht aus, wollte erst das Geld und überreichte dann ein schwer krankes Katzenkind durch das Autofenster. Hätten die Tierfreunde das Tier nicht übernommen, hätte es ohne tierärztliche Behandlung nicht mehr lange zu leben gehabt.

Schon am nächsten Tag wurde wieder eine Anzeige auf Ebay entdeckt, dieses Mal wurde zwei Katzenkinder für je 120 Euro angeboten. Nun keimte der Verdacht auf, dass es sich hier wohl um gewerblichen Tierhandel handeln könnte, vor allem, da das Foto der zwei Katzen relativ schnell wieder durch andere Fotos von anderen Katzen ersetzt wurde. Da der erste Übergabeort im Landkreis Dachau lag, wandte sich der Katzenschutzbund an den Tierschutzverein Dachau, bat um Unterstützung und fragte nach, ob die Verkäuferin eventuell bekannt sei. Dem war auch so, die Dame war bekannt, früher verkaufte sie unzählige Hamster, aber auch Hunde und Katzen. Die Vorsitzende des Tierschutzvereins Dachau, Silvia Gruber, kontaktierte daraufhin das Veterinäramt Dachau und bekam von dort auch sofort Hilfe zugesagt.

Zusammenarbeit von Polizei, Veterinäramt und Tierschutz organisiert

Die Behörde stellte den Kontakt mit der Polizei Dachau her. Zwei vorgeschobene Tierinteressenten stellten sich zur Verfügung. Einer wollte zwei Katzen übernehmen und einer drei. Übergabezeit und der -ort wurden relativ kurzfristig von der Verkäuferin mitgeteilt. Am Übergabeort, erneut ein Parkplatz, warteten dann die angeblichen Kaufinteressenten, aber auch die Polizei in Zivil und zwei Mitglieder des Tierschutzvereins Dachau. Nach dem Eintreffen der Verkäuferin ging alles sehr schnell. Im Inneren eines Transporters wurden sechs Katzenkinder vorgefunden und der Obhut des Tierheims Dachau übergeben.

Die sechs Samtpfoten dürften aus drei verschiedenen Würfen stammen, das kleinste Katzenkind wog gerade mal 470 Gramm und wurde auch noch viel zu früh von der Mutter getrennt. Alle Katzen waren extrem verfloht, hatten Durchfall und wirkten krank. Nach der tierärztlichen Untersuchung und Kotproben stand fest, dass sie unter anderem massiven Wurmbefall haben. Das Schlimmste ist, dass alle positiv auf Katzenseuche getestet wurden. Die Tiere benötigen nun viel Pflege, Infusionen und einige Medikamente. Der Zustand einer Katze hatte sich so verschlechtert, dass sie wenig später in eine Tierklinik gebracht werden musste.

Nur der tollen Zusammenarbeit zwischen Tierschutz, Veterinäramt und Polizei ist es zu verdanken, dass diese Katzenkinder gerettet werden konnten und nun die tierärztliche Behandlung bekommen, die sie dringend brauchen.

Vorsicht beim Tierkauf!

Die in diesem Fall zu einem Preis von je 120 Euro angebotenen Tiere waren natürlich weder entwurmt, gegen Parasiten behandelt noch geimpft oder gechipt. Aufgrund der schweren Erkrankung ist nicht mal sicher, ob sie überleben werden. Werden per Internet-Kleinanzeigen Tiere, sollte man besonders vorsichtig sein. Lassen Sie sich das Muttertier zeigen, akzeptieren Sie keine Übergaben auf Parkplätzen oder auf der Straße, kaufen Sie nie aus Mitleid. Es gibt keinen Grund für eine Hauskatze, die weder gechipt, geimpft und entwurmt ist, Geld zu bezahlen. Gehen Sie zuerst ins Tierheim, dort bekommen Sie gesunde Tiere oder genaue Infos, was bei dem Tier zu beachten ist. Auch in Tierarztpraxen kann man nachfragen, dort kennt man meist die Menschen, die Aushänge machen mit Katzen- oder Hundewelpen. Für kranke Tierkinder sollten Sie keinen Euro bezahlen - auch nicht aus Mitleid. Mit jedem Kauf unterstützt man dieses tierquälerische System, bei dem skrupelose Verkäufer schnelles Geld machen und immer mehr Tiere »produzieren« und anbieten.

Wer »verdächtige« Anzeigen entdeckt, kann sich gerne an das Dachauer Tierheim wenden unter Telefon 08131-53 610