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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Thursday, 1. October 2020 · 13:46 Uhr
 
 
 

Neue Ausgleichsflächen angelegt

»Optischer Genuss mit enormer Bedeutung«

Auf der neuen Ausgleichsfläche unterwegs, (von li) OB Florian Hartmann, Kurt Ladehof (Abteilungsleiter Stadtgrün, Umwelt und Stadtbauhof) und Stefan Tischer (Sachgebietsleiter Stadtgrün und Umwelt). (Foto: Dachau)

Aktuell kann man sie schon von Weitem erkennen: Die Blüten abertausender Margeriten heben die von der Stadt Dachau neu angelegte Ausgleichsfläche nördlich von Steinkirchen (zwischen dem Windrad von Etzenhausen und dem der Ziegelei in Webling) mit ihrem sanften Weiß von den Äckern und Feldern ringsum ab. Diese und weitere Ausgleichsflächen sind nicht nur ein optischer Genuss, sondern von enormer Bedeutung für den Natur- und Artenschutz vor Ort.

Die Boomregion München wächst und wächst, vor allem der Landkreis Dachau. Prognosen zufolge wird der Landkreis Dachau in den kommenden Jahren der Landkreis mit dem bayernweit prozentual größten Wachstum sein. Dieses Wachstum kennt freilich nicht nur Gewinner. Eine Verliererin ist zweifellos die Natur. Denn immer mehr Flächen werden versiegelt. Damit verlieren Tiere und Pflanzen Lebensräume. Umso wichtiger ist es, Ausgleichsflächen nicht nur auf dem Papier auszuweisen, sondern auch in der Praxis so zu gestalten, dass sie für Flora und Fauna einen tatsächlichen Ersatz darstellen. Die Stadt Dachau versucht dies unter anderem mit dem Anlegen von Streu- und Streuobstwiesen sowie anderen Biotopen wie zum Beispiel Nass- und Feuchtwiesen umzusetzen.

Die jüngste Ausgleichsfläche auf Dachauer Stadtgebiet befindet sich nördlich von Steinkirchen. Auf einer Fläche von 0,9 Hektar hat der Stadtbauhof (Sachgebiet Stadtgrün und Umwelt) 69 Obstbäume gepflanzt: 42 Apfelbäume, neun Birnen, sechs Süßkirschen, drei Sauerkirschen, sechs Zwetschgen und drei Quitten. Das Obst kann gerne von Dachauer Bürgerinnen und Bürgern kostenlos geerntet werden. Es wird es aber noch ein paar Jahre dauern, bis die Bäume Früchte tragen. Außerdem wurde eine 170 Meter lange Wildstrauchhecke mit 265 Sträuchern angelegt.

Die Obstbäume stehen inmitten einer angesäten Blumenwiese mit gebietsheimischen und für das Dachauer Hügelland typischen Arten. Generell verwendet die Stadt Dachau zwei verschiedene Blumenwiesenmischungen: eine für den Naturraum Dachauer Moos und eine andere für das Dachauer Hügelland. Die neu angelegte Ausgleichsfläche bietet – ebenso wie eine zweite, 100 Meter weiter nördlich liegende städtische Fläche – Lebensraum und Nahrung für eine Vielzahl von Tieren, vor allem Insekten, die dann wiederum Nahrung für Vögel darstellen. So richtet sich die neue Ausgleichsfläche mit ihrer Zusammensetzung und Gestaltung vor allem an den Neuntöter. Dieser Vogel bewohnt trockene und sonnige Landstriche mit ausgedehnten Busch- und Heckenbeständen. Der Neuntöter musste im Zuge der Intensivierung der Landwirtschaft in Mitteleuropa in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts große Bestandseinbußen erleiden. Auf Flächen wie der nun angelegten findet er ausreichend Nahrung und Nistplätze.