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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Sunday, 29. March 2020 · 23:32 Uhr
 
 
 

»Globale Verantwortung – vor Ort umgesetzt«

Bundesentwicklungsminister Müller und Landrat Löwl diskutieren

Entwicklungsminister Gerd Müller (re) diskutierte am Petersberg mit Landrat Stefan Löwl. (Foto: CSU)

Auf Einladung von Landrat Stefan Löwl kam Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller zum Petersberg. Unter dem Titel »Globale Verantwortung – vor Ort umgesetzt« diskutierten Müller und Löwl mit rund 80 interessierten Zuhörern. Insbesondere in den Bereichen Bildung, Energie und Gesundheit wurden konkrete Maßnahmen, ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen und Hilfe im globalen Kontext thematisiert.

»Kauft faire Schokolade«, riet Minister Müller auf die Frage von Landrat Löwl, was denn jeder einzelne von uns beziehungsweise der Landkreis Dachau tun könne. »Faire Schokolade oder Kaffee kaufen und in öffentlichen Institutionen faire Textilien einsetzen, zum Beispiel«. Indem man gezielt Produkte meide, die von Kinderarbeit oder unter ausbeuterischen Bedingungen produziert würden, leiste man einen wichtigen Beitrag. Die Produktionskette sei lang und oft verdienten nur die Konzerne am Ende der Kette. Wenn man denen, die es vor Ort dringend bräuchten, mehr vom Kuchen abgäbe, sei das der beste Beitrag zur Entwicklungshilfe, so der Minister. Landrat

Löwl mache das bereits, wenn er beispielsweise faire Schoko-Nikoläuse an seine Mitarbeiter verteile. Auch einige große Supermärkte hätten bereits eine freiwillige Verpflichtung unterzeichnet und wollten verstärkt Fair-Trade-Produkte anbieten. »Ernährung und Energie sind die entscheidenden Zukunftsfragen«, so Dr. Gerd Müller, als er über Dritte-Welt-Länder wie Afrika spricht. Bei dem zu erwartenden rasanten Bevölkerungswachstum werde es einerseits darum gehen, die Hungersnot zu bekämpfen, andererseits auch darum, Bildung und Digitalisierung voranzutreiben. Dafür ist der Schlüssel die Energiebereitstellung.

Was im Landkreis Dachau konkret schon getan wird, zeigte die Vorstellung einzelner Projekte. Für »Ajloun« in Jordanien möchten sich die Landkreise Dachau und Fürstenfeldbruck zusammen mit der GfA engagieren: Hier soll demnächst ein Förderantrag im Rahmen der Initiative »Kommunales Knowhow für Nahost« eingereicht werden, um Umweltbildung für Kinder und Erwachsene zu fördern. Auch ein abfallwirtschaftlicher Lehrpfad ist geplant. Die Landkreisbudgets werden durch die »100%-Förderung« nicht belastet, sagt Mitbegleiter des Projekts und Geschäftsführer der GfA, Dr. Thomas König.

Der Indersdorfer Willi Kirchensteiner schulte Lehrer und Fachkräfte, wie sie Photovoltaikanlagen in ihrer Heimat zum Beispiel im Senegal oder Marokko betreiben können. Mittels Solarkoffern werden Multiplikatoren in der Region vor Ort oder im Energiedorf Wildpoldsried ausgebildet, die dann wiederum ihr Wissen weitergeben sollen.

Franz Bauer aus Erdweg und Landtagsabgeordneter Bernhard Seidenath ergänzten die Liste kommunaler Projekte um Bildungsinstitute, in denen in digitaler Form filmisch gezeigt werde, wie Reisanbau, Landwirtschaft und Ziegeltrocknung funktioniere, aber auch um Projekte im Gesundheits- und Bildungsbereich für Perspektiven in Burkina Faso.

Und auch in Dachau gibt es einen Faire-Welt-Laden, in dem die Bürger fair gehandelte Ware erwerben können. »Nur wenn solch ein Engagement von den Bürgern, von den Kommunen hier vor Ort, stattfindet, kann Entwicklungszusammenarbeit erfolgreich gelingen. Wenn jeder einzelne von uns sich engagiert, sein Kaufverhalten entsprechend ausrichtet. Wenn wir Landkreise, Gemeinden und Bürger »globale Verantwortung« übernehmen«, appellierte Stefan Löwl an die Anwesenden.