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Sunday, 29. March 2020 · 22:40 Uhr
 
 
 

Neue Grüne Frauenpower

»Miteinander reden, statt übereinander Schimpfen«

Dr. Birgit Brajdic und Emily Rumpf wollen für die Grünen in den Jetzendorfer Gemeinderat einziehen. (Foto: ek)

Zur Kommunalwahl am 15. März treten nun erstmals in Jetzendorf auch Bündnis90/Die Grünen an. Die Gründung des Ortsvereins im November 2019 war ruckzuck erledigt, innerhalb von gut drei Stunden war ein sechsköpfiger Vorstand gewählt und 16 + 2 Gemeinderatskandidaten nominiert. Initiator war City-Manager André Klimsch aus Hirschenhausen auf Listenplatz zwei. Ganz oben steht Dr. Birgit Brajdic aus Jetzendorf und zusammen mit der Studentin Emily Rumpf (Platz 5) hat sie mit dem KURIER über grüne Ansichten, Einsichten und Aussichten gesprochen.

KURIER: In allen Wahlprogrammen findet man Klima-, Natur- und Umweltschutz. Sind die »neuen Grünen« da nicht überflüssig beziehungsweise zu spät dran?

Brajdic: Ich würde sagen, die anderen Parteien haben sich von uns inspirieren lassen, in wieweit sie das tatsächlich umsetzen, ist fraglich. Wir sind das Original und haben die echt grünen Ideen. Klima-, Natur-, Tier- und Umweltschutz sind unsere ureigenen Themen und werden es auch bleiben. Und wir möchten die Bürgerinnen und Bürger dafür gewinnen und, zum Beispiel bei großen Vorhaben, früher und besser einbeziehen.

KURIER: Wochenmarkt, Radwegausbau, Nachverdichtung… diese Themen finden sich auf der grünen Agenda ebenso wie bei allen anderen Parteien. Da stünde doch einer harmonischen Zusammenarbeit mit grünen Gemeinderäten nichts im Wege?

Rumpf: Ich finde das ziemlich spannend, weil einige Themen erst nach unserer Gründung auf das Programm manch anderer Gruppierung gekommen sind. Wenn alle konstruktiv zusammen arbeiten und an einem Strang ziehen zum Wohl der Gemeinde, dann freue ich mich natürlich. Anderseits frage ich mich, warum so manches Projekt, wie zum Beispiel der regionale Wochenmarkt, in den letzten sechs Jahren nicht realisiert wurde.

KURIER: Die CSU hat drei, die PU vier, die SPD sechs Kandidatinnen. Woher haben die Grünen acht engagierte Frauen?

Brajdic: Gleichberechtigung war schon immer ein Grundpfeiler grüner Politik, ebenso Frauenförderung und Frauenpower. Für Frauen ist es naheliegender, sich in so einer Partei zu engagieren, wo man nicht erst gegen Windmühlen kämpfen muss, um zum Zug zu kommen.

Rumpf: Die Grünen haben ein Frauenstatut und stellen ja automatisch auf jedem ungeraden Listenplatz eine Frau auf, die Chancen sind also sehr gut auf einen fairen Listenplatz.

KURIER: Was hat Sie dazu bewogen, für die Grünen zu kandidieren?

Brajdic: Ich war auf den ersten beiden Versammlungen und wollte eigentlich nur mal schauen, was sich in Jetzendorf so tut. Dann wurde ich als Sprecherin vorgeschlagen und als weiblicher Teil einer Doppelspitze. Da hab ich spontan Ja gesagt.

Rumpf: Mir war bei der ersten Versammlung klar, dass ich auf eine Kandidatenliste gehen würde, damit auch die Jugend vertreten ist. Mein Anliegen ist, dass Politik mit der Jugend gemacht und nicht über die Jugend hinweg entschieden wird. Außerdem sollte jeder in der Gemeinschaft integriert werden – Jung, Alt, Alteingesessene und Zugezogene.

KURIER: Was ist Ihr Schwerpunktthema?

Brajdic: Als ich vor 17 Jahren hergezogen bin, ist mir aufgefallen, dass Jetzendorf sehr grün ist. In dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, war es bunt, da gab es viele bunte Blumenwiesen, Ackerraine oder Straßenböschungen. Das hab ich hier vermisst und ich möchte daran mitarbeiten, dass es bei uns bunter wird.

Und auch die Gesellschaft soll bunt werden, weil es mir sehr wichtig ist, dass alte und junge Altbürger und junge und alte Neubürger – egal woher sie kommen – ein gutes Miteinander haben. Manche brauchen mehr Unterstützung, zum Beispiel weil sie ein Handicap haben, unsere Sprache nicht gut sprechen, aus Altersgründen eingeschränkt sind. Und diese Unterstützung sollten sie auch bekommen.

KURIER: In der Stadt Berlin ist man weit weg von Acker und Scholle, da kann man leicht Gesetze und Vorschriften für die Landwirtschaft erlassen. In Jetzendorf läuft man dem Bauern schon mal im Supermarkt über den Weg. Ist das ein Nachteil oder schätzen Sie so einen direkten Draht?

Rumpf: Ich glaube schon, dass viele Landwirte sofort an Berlin und die Bundespolitik denken. Wir handeln aber für das Dorf und wollen die Landwirtschaft unterstützen. Unser Ziel ist natürlich eine Landwirtschaft im Sinne von Natur und Klima. Dafür möchten und müssen wir mit den Bauern zusammenarbeiten und schauen, was möglich ist. Hochtrabende Pläne nutzen niemand, wenn sie nicht realisierbar sind. Dann lieber in kleinen Schritten vorangehen, das Ziel aber nie aus den Augen verlieren

KURIER: Nicht nur öffentliche und landwirtschaftliche Flächen sollen »bunter« werden, was können private Haus- und Gartenbesitzer jetzt konkret im Frühjahr anpacken?

Brajdic: Ein Stück Rasen oder einen Balkonkasten »opfern« und unsere Bienenweide aussähen. Damit ist es natürlich nicht getan, aber jeder findet bestimmt eine Ecke im Garten, die ein bisserl wild sein darf. In der ganzjährig heimische Stauden und Blumen blühen oder sogar Wildkräuter wie Brennnessel und Löwenzahn Platz haben.

Rumpf: Ein großes Problem ist auch die nächtliche Beleuchtung, die täglich Millionen von Insekten tötet. Hier könnte man gemeinsam überlegen, ob man im Sommer ab Mitternacht die Straßenbeleuchtung dimmen kann und ob die Kirche stundenlang angestrahlt werden muss. Auch private Häuser und Gärten werden oft die ganze Nacht über illuminiert. Reicht eine Beleuchtung in der dunklen Jahreszeit von Oktober bis April nicht? Im Sommer ist es doch eh bis nach 22 Uhr hell...

KURIER: Sehen Sie der Kommunalwahl zuversichtlich entgegen?

Brajdic: Ja klar, wir haben nichts zu verlieren. Unser Slogan für den Gemeinderat wäre »Miteinander reden, statt übereinander Schimpfen«. Wir wollen nix vorschreiben, nix schlecht reden, wir wollen an einem Strang ziehen.

Rumpf: Unsere Kandidatur bedeutet ja nicht, dass wir alles schlecht finden, was bisher gelaufen ist. Wir wollen frischen Wind und neue Ideen in die Gemeindepolitik bringen – und wir freuen uns darauf.