7.88°C

Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Sunday, 29. March 2020 · 14:51 Uhr
 
 
 

Vom Erbstück zum Goldstück

Dem Lieblingssessel neues Leben eingehaucht

Thomas Huber mit dem restaurierten Sessel, der ein wirkliches Prachtstück geworden ist. (Foto: dek)
 

Der kleine, eher unscheinbare Sessel kann auf ein langes und spannendes Leben zurückblicken: Vor fast 100 Jahren kam er wohl mit der Aussteuer der Braut in eine Familie im damaligen Sudentenland. Das damals teure Stück Handwerkskunst war seinen Besitzern so viel wert, dass man es bei der Vertreibung nach dem zweiten Weltkrieg nach Bayern mitnahm, wo die Familie letztendlich eine neue Heimat in Petershausen fand. In den 60er Jahren wurde ein neues Haus gebaut und trotz der damals modernen Couchgarnitur behauptete auch der alte Sessel seinen Platz, wurde aber passend zum neuen Ambiente bezogen.

In den 90er Jahren, nachdem zwei Kindergenerationen auf ihm herumgeturnt sind, übernahm ihn der älteste Sohn und wieder bekam das Sesselchen ein neues Gewand. Nach gut zwanzig Jahren hatte nach den Kindern zuerst der Familienkater, dann eine Hundedame das Möbel in Besitz genommen – Kratzspuren, Löcher und Flecken machten sich breit. Deshalb wurde er vor drei Jahren auf die Terrasse verbannt, so richtig wollte ihn keiner mehr haben und er war dem Sperrmüll näher als dem Wohnzimmer.

2018 stand der Auszug der Tochter ins Haus, die Omas Sessel unbedingt behalten wollte: als Andenken an die geliebten Großeltern und weil er immer noch sehr bequem war. Nun war guter Rat im wahrsten Sinne des Wortes teuer und sie wandte sich an einen Fachmann: Raumausstatter Thomas Huber aus Jetzendorf.

Jetzt muss der Profi ran

Der Sessel musste von drei alten Bezügen befreit, neu gepolstert und bezogen, die Füße abgeschliffen und schwarz lackiert werden. Als Bezugsstoff suchte sich die Ur-Enkelin der ersten Besitzerin goldfarbenes Kunstleder aus, das prunkvoll mit Ziernägeln befestigt wurde. Nachdem Thomas Huber rund 20 Arbeitsstunden investiert hatte, erstrahlt das alte Sesselchen nun im goldenen Glanze und ist der neue Blickfang in der Schwabinger Stadtwohnung.

Auf die Frage, ob sich der Aufwand für so einen alten Sessel rentiert, meint Thomas Huber: »Den ideellen Wert eines solchen Möbels, das seit vier Generationen in der Familie ist, kann man nicht beziffern. Da muss jeder für sich entscheiden, was er investieren möchte. Aber der Sessel ist reine Handarbeit und hat schon fast 100 Jahre überstanden. Und wenn man ihn pfleglich behandelt, wird er noch sehr lange gute Dienste tun und seine neue Besitzerin viel Freude daran haben«.

Wir dürfen noch verraten, dass Omas Sessel jetzt auf edlem Nussbaumparkett vor einer mattschwarzen Wand steht. »Ich glaube, die Investition in mein »Goldstück« hat sich gelohnt«, meint die stolze Besitzerin mit einem Augenzwinkern.

Kontakt: Thomas Huber Jetzendorf, www.raumausstattung-huber.de

Weitere Profis rund um Bauen, Garten und Wohnen sind regelmäßig hier in unserem Sonderteil »Bauen&Wohnen« und auf unseren »Profi-Porträts« zu finden.