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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Thursday, 13. May 2021 · 23:51 Uhr
 
 
 

Brandschutzmängel wurden nicht beseitigt

41 Wohnungen durch die Feuerwehr nicht erreichbar

Viele Wohnungen wären im Brandfall nicht durch die Feuerwehren erreichbar - hier muss Abhilfe geschafft werden. (Foto: LA Dachau)

Aufgrund eines Hinweises wurde durch die Gemeinde Karlsfeld bei drei neunstöckigen Gebäuden in der Nähe des Karlsfelder Bahnhofs festgestellt, dass die bereits bei der vorherigen Feuerbeschau 2017 festgestellten Mängel im baulichen Brandschutz – wohl auch coronabedingt - nur teilweise beseitigt wurden.

Eine gemeinsame Ortsbesichtigung von Gemeinde, Landratsamt und Hausverwaltung Ende März zeigte weitere gefährliche Mängel: Der rechtlich vorgeschriebene zweite Rettungsweg ist in den drei betroffenen Gebäuden für viele Wohneinheiten nicht vorhanden. Die grundsätzlich mögliche, ersatzweise Sicherstellung durch eine Drehleiter der Feuerwehr war aufgrund der räumlichen Situation, den Stellplätzen sowie dem Baumbewuchs nur für einige wenige Wohnungen darstellbar. Ein sogenannter »Anleiterversuch« der örtlich zuständigen Karlsfelder Feuerwehr am Freitagvormittag, den 26. März, zeigte, dass insgesamt 41 Wohnungen weder mit Steckleitern, noch mit der Dreheiter erreicht werden konnten.

Die Kontrolle des ersten Rettungsweges durchs Treppenhaus ergab gravierende Mängel, insbesondere eine Vielzahl von nicht rauch- und feuerfesten Wohnungstüren.

Nach Bewertung der örtlichen Feuerwehr sowie der Kreisbrandinspektion bestand somit eine ernste Gefahr, da eine Rettung von Personen aus den nicht erreichbaren Wohnungen im Brandfall nicht sichergestellt werden kann und die Wohnungen selbst auch keinen Schutz vor den lebensgefährlichen Rauchgasen bieten. Über dieses Ergebnis wurde die zuständige Hausverwaltung am Freitagmittag informiert. Am Freitag um 17 Uhr fand dann ein Ortstermin statt, bei dem neben der Gemeinde Karlsfeld und dem Landratsamt auch die Feuerwehren sowie das THW und ein Vertreter des Kreisverbindungskommandos der Bundeswehr anwesend waren und gemeinsam mit dem Hausverwalter, einem hinzugezogenen Architekten sowie dem Vorsitzenden des Verwaltungsrats der Wohnungseigentümergemeinschaft die bestehende Gefahr und mögliche sofort umsetzbare Lösungen diskutierten.

Die bereits 2017 geplante Anlage der Feuerwehrzufahrten um die Gebäude soll nun schnellstmöglich realisiert werden, dauert aufgrund des Umfangs jedoch einige Wochen. Die Hausverwaltung sagte zu, bis dahin provisorische zweite Rettungswege in Form von Rettungstreppen durch eine Gerüstbaufirma (ähnlich wie zum Beispiel am Rathaus in Petershausen) aufstellen zu lassen. Allerdings ist dies auch nur bis Mitte der kommenden Woche möglich.

Um die aufgrund der Lebensgefahr notwendige Räumung der 41 Wohnungen vermeiden zu können, einigten sich die Behörden mit der Hausverwaltung und den Bewohnern auf temporäre Brandschutzmaßnahmen. Insbesondere da die Schaffung von Zufahrtsmöglichkeit für die Drehleiter durch das THW und die Bundeswehr kurzfristig nicht als realistisch eingestuft wurde. Neben einer nächtlichen Brandwache und dem Anbringen von Rauchmeldern auf allen Stockwerksfluren stellt die Karlsfelder Feuerwehr zwei Überdrucklüfter zur Verfügung, um das Treppenhaus im Brandfall umgehend entrauchen zu können. Außerdem wurde durch temporäre Halteverbote sichergestellt, dass ein Hubrettungsfahrzeug der Werksfeuerwehr MTU, welches im Regelfeuerwehrdienst nicht eingesetzt werden kann, im Notfall die Bewohner aus den von der Drehleiter nicht erreichbaren Wohnungen retten kann. Entsprechende Versuche der Werksfeuerwehr zogen sich bis kurz vor 21 Uhr hin und das alarmierte THW Dachau musste einen größeren Baum auf dem Grundstück fällen, um die Erreichbarkeit der Wohnungen sicherzustellen.

Aufgrund dieser temporären Maßnahmen konnten Feuerwehr und Landratsamt den Vollzug der Nutzungsuntersagung der Wohnungen bis zum Aufbau der Nottreppen aussetzen. Landrat Stefan Löwl und Bürgermeister Stefan Kolbe waren ebenfalls vor Ort und sprachen selbst zu den Betroffenen: »Es geht uns um Ihre Sicherheit und um Ihr Leben, sollte es brennen«. Die meisten Bewohnerinnen und Bewohner zeigten Verständnis für die Situation sowie die Einsatzbereitschaft und den besonnenen Umgang seitens der Feuerwehren und Rettungs- sowie Hilfsdienste.