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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Wednesday, 21. April 2021 · 10:20 Uhr
 
 
 

Jubiläum der Nächstenliebe

Zehn Jahre Grüne Damen und Herren

Sie sind seit zehn Jahren ehrenamtlich für die Patienten da: die Grünen Damen Manuela Wanderer (li), Helga Kehrer-Aichele und Christine Pscherer (re) mit Leiterin Katharina Stark (2.von li). (Foto: Helios)

Ein Klinikaufenthalt ist für jeden Patienten eine Ausnahmesituation. In dieser herausfordernden Zeit stehen ihm neben Ärzten und Pflegekräften auch Ehrenamtliche zur Verfügung: die Grünen Damen und Herren. Die Idee dazu hatte vor zehn Jahren der damalige Pflegedienstleiter Martin Bieg: Er suchte Ehrenamtliche, die Patienten von der Aufnahme auf die Station begleiten. Diakon Albert Wenning, zu dieser Zeit Krankenhausseelsorger am Amper-Klinikum, vermittelte einen Kontakt zur Nachbarschaftshilfe der Pfarrei St. Peter in Dachau. Die entsandte gleich sieben Freiwillige – die Grünen Damen konnten starten.

Hilfe bei Besorgungen, Überbrückung von Wartezeiten

»Schnell stellte sich heraus, dass sich die Patienten mehr wünschen als nur eine Begleitung auf die Station«, berichtet Katharina Stark. »Viele fragten nach Unterhaltung, Trost, Überbrückung von Wartezeiten oder Unterstützung bei kleinen Besorgungen«. Katharina Stark ist von Anfang an mit von der grünen Partie: Sie koordiniert den Einsatz der Ehrenamtlichen mit großem Organisationsgeschick – und mit viel Herz. Seit 2011 ist die Beschwerdemanagerin der Amper-Kliniken auch die Leiterin der Grünen Damen und Herren. Drei von ihnen sind seit zehn Jahren dabei: Manuela Wanderer, Christine Pscherer und Helga Kehrer-Aichele. Helga Kehrer-Aichele ist mit ihren 83 Jahren die älteste im grünen Team. »Sie gibt ihre unglaubliche Energie und ihre Lebensfreude an die Patienten weiter«, sagt Katharina Stark.

Seit Ende 2013 sind die grünen Helfer auch in der Helios Amper-Klinik Indersdorf im Einsatz, die auf Altersmedizin spezialisiert ist. Im Jahr 2014 gesellte sich der erste Mann zu der Damenmannschaft. Mittlerweile umfasst das Team 17 Frauen und drei Männer. Nicht nur von den Patienten erhalten die Helferinnen und Helfer viel Dankbarkeit. »Ich habe unsere Grünen Damen und Herren kennen- und schätzen gelernt«, sagt Klinikgeschäftsführer Florian Aschbrenner. »Eine helfende Hand, ein offenes Ohr, ein bisschen Gesellschaft – ich möchte mich bei allen Grünen Damen und Herren, auch bei den ehemaligen, herzlich bedanken. Sich Zeit für andere zu nehmen, ist ein wertvolles Geschenk«.

Auch die Pflegekräfte und Ärzte schätzen dieses Engagement sehr. »Manchmal wartet eine Stationsleitung schon auf die Grüne Dame oder den Grünen Herrn, um sie zu einem bestimmten Patienten zu schicken, der Ansprache benötigt«, erzählt Katharina Stark. Große Anerkennung kommt auch von anderer Seite: So wurden bereits zwei grüne Damen der Amper-Kliniken, Christa Vogelmeier und Maria Stimper, für ihre Verdienste vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege mit dem »Weißen Engel« ausgezeichnet.

Grüne Helfer mit Einfühlungsvermögen und Kontaktfreudigkeit

Die Ehrenamtlichen bringen für ihre Aufgabe Empathie, Verschwiegenheit und Kontaktfreudigkeit mit. Im Klinikum erhalten sie neben Pflichtfortbildungen in Hygiene, Datenschutz oder Arbeitssicherheit auf Wunsch auch andere Weiterbildungen: Ob aus Kardiologie, Palliativbegleitung, Orthopädie, Psychologie oder Onkologie – die Angebote sind vielfältig und wurden von den Grünen Damen und Herren in den vergangenen Jahren gerne genutzt. Wegen des Besuchsverbots in der Corona-Zeit sind die Grünen Damen und Herren derzeit nicht im Einsatz, halten aber dennoch regen Kontakt zum Klinikum. »Nach der Pandemie werden wir das Jubiläum gebührend feiern«, so Klinikgeschäftsführer Aschbrenner.

Die grüne Hilfe hat eine lange Tradition: Die erste Gruppe der Grünen Damen in Deutschland gründete Brigitte Schröder 1969 im Evangelischen Krankenhaus Düsseldorf. Sie entstand nach dem Vorbild des »Volunteer-Service« in den USA. Inzwischen sind hierzulande rund 11.000 Damen und Herren in Krankenhäusern und Altenhilfeeinrichtungen tätig. Der Name spielt auf die mintgrünen Kittel an, die die Ehrenamtlichen tragen.