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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Saturday, 25. June 2022 · 21:45 Uhr
 
 
 

Private Unterkünfte für Flüchtlinge

Die aktuelle Situation im Landkreis Dachau

Martina Tschirge, Leiterin der Stabstelle EBI im Landratsamt Dachau. (Foto: Foto Sessner)
 

Mit knapp 1.400 Flüchtlingen sind im Landkreis Dachau bereits sehr viele Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine angekommen. Möglich ist dies dank des großmütigen und ehrenamtlichen Engagements der Bürgerinnen und Bürger im Landkreis. Wie geht es nun weiter? Die Stabstelle EBI, welche das Hilfsangebot im Landkreis federführend koordinieren und bereits über 300 private Unterkünfte vermittelt hat, gibt basierend auf den Erfahrungen der letzten Wochen wertvolle Hinweise.

Die aktuelle Situation zeigt eines ganz deutliche: Die Aufnahmebereitschaft trifft im Landkreis Dachau auf einen sehr angespannten Wohnmarkt. Es gibt schon seit Jahren nur noch sehr wenig verfügbaren Wohnraum. Die Herausforderung wird sich auch mittelfristig nicht lösen. Personen oder Familien, die Flüchtlinge aufnehmen möchten, müssen sich dieser Situation bewusst sein. Es ist leider nicht zielführend und auch nicht im Sinne der geflüchteten Menschen, nur eine kurzfristige Bleibe anzubieten. Wann eine Rückkehr in die Ukraine möglich sein wird, ist aktuell nicht absehbar.

Martina Tschirge, Leiterin der Stabstelle EBI, erläutert: »Es ist einfach unglücklich und auch nicht verantwortungsvoll, wenn Ukrainerinnen und Ukrainer hier keine Ruhe finden und auch nicht Fuß fassen können, sondern immer wieder in neue Unterkünfte ziehen müssen. Besonders für Kinder und Jugendliche ist dies belastend, denn für sie bedeutet das erneut eine große Veränderung - da mit jedem Umzug meist auch die Schule und somit die neu aufgebaute Normalität wieder hergegeben werden muss.«

Was also tun? Bürger die über die Aufnahme von einer oder mehrere Personen nachdenken, sollten zunächst eine realistische Einschätzung der eigenen Lebenssituation treffen. Diejenigen, die Geflüchtete aufnehmen oder bereits aufgenommen haben, zeigen eindeutig ihr verantwortungsvolles und humanitäres Engagement. Hilfe ist auch dringend nötig, aber erst nach reiflicher Abwägung der eigenen Möglichkeiten. Private Angebote werden weiterhin benötigt und nach wie vor über www.landratsamt-dachau.de/ukraine angenommen. Wichtig ist dabei aber eine Kontinuität und Verlässlichkeit sowie das Bewusstsein bei den Unterkunftsgebern, dass mit dem Hilfsangebot auch eine menschliche und moralische Verantwortung einhergeht.

»Wir sehen aktuell, dass es immer mal passieren kann, dass Umstände eintreten, die auch nach allen verantwortungsbewussten Überlegungen nicht abzusehen waren. Die Chemie kann nicht stimmen, die Lebenssituationen der Gastgebenden oder der neuangekommenen Gäste ändert sich und schon entsteht ein Problem, welches eine andere Unterbringung nötig macht,« erklärt Martina Tschirge. Sollten die Menschen nicht weiter in den Gastfamilien wohnen können, werden wir uns bemühen, eine Anschlussunterbringung im Landkreis Dachau zu finden. Diese kann jedoch gegebenenfalls in einer anderen Gemeinde sein beziehungsweise im Notfall muss auf die Notunterkünfte zurückgegriffen werden. Wenn dies nicht möglich sein sollte, erfolgt eine bayern- oder gegebenenfalls bundesweite Verteilung über das Ankunftszentrum in München.

Aufgrund der weit übererfüllten Aufnahmequote nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel ist die Aufnahme weiterer Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine im Landkreis Dachau aktuell nicht möglich. Ausnahmen gelten nur für engste Verwandte wie Kinder, Ehepartner, Großeltern, aber nicht Onkel oder Nichten. Landrat Stefan Löwl erklärt: »Der vom Bund beschlossene Königsteiner Schlüssel sieht eine prozentuale Verteilung in den einzelnen Landkreisen vor. Wir haben diese Quote bei uns im Landkreis Dachau bereits jetzt deutlich übererfüllt. Das bedeutet auch, dass andere Bundesländer und Landkreise eben noch nicht so viele Flüchtlinge aufgenommen haben. Eine gerechte Verteilung der Flüchtlinge in ganz Deutschland ist vor dem Hintergrund der großen Herausforderungen aber zwingend notwendig und kann für einige Personen auch eine Perspektive und echte Chance sein, sich ein neues Leben aufzubauen.«