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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Sunday, 29. November 2020 · 23:12 Uhr
 
 
 

Sebastian »Wast« Aggensteiner

Naturschützer mit 100 Jahren verstorben

Wast Aggensteiner wie man in kannte, unterwegs mit dem Radl. (Foto: BUND)

Sebastian »Wast« Aggensteiner liebte Zeit seines Lebens die Natur und erwarb sich großes Wissen um die heimische Flora. 40 Jahre seines Lebens widmete er der Naturschutzarbeit. In jüngeren Jahren fotografierte er viel draußen im ganzen Landkreis Dachau und hielt Lichtbildervorträge.

Kurz nachdem er Rentner wurde, trat der gelernte Schuster in den BUND Naturschutz (BN) ein. Dort hatte er großen Anteil an der Schaffung von Grundlagen für die systematische Pflege, die Erweiterung und den Erhalt der Biotope in den Amperauen. Er initiierte die Beantragung von Fördermitteln für Biotoppflegearbeiten bei der Regierung von Oberbayern. Und die noch heute unter Naturschützern gültige Namensgebung solcher Flächen wie »Hutefleck«, »Fuchssteig«, »Teufelsküch« und »Loch« geht auf Aggensteiner zurück.

Als Gründungsmitglied der Naturschutzwacht im Landkreis Dachau war er Naturschutzwächter der ersten Stunde und übte dieses Amt mit Leidenschaft rund ein Vierteljahrhundert bis zu seiner »zweiten Pensionierung« mit 85 Jahren aus.

Aggensteiner war immer ein Vorbild an Einsatzfreude. Obwohl sein linker Arm aufgrund einer Kriegsverletzung nicht voll belastbar war, wurde er nicht müde, verschiedenste Biotope zusammen mit seiner Frau Resi und weiteren Helferinnen und Helfern zu pflegen. Dabei arbeitete er oft mit Landwirten zusammen, von welchen er sehr viele persönlich kannte. Überallhin, auch zu allen Einsätzen in Sachen Naturschutz, fuhr er mit dem Fahrrad, wodurch jedes Jahr Tausende von Kilometern zusammenkamen.

Großen Verdienst hat sich Aggensteiner nicht zuletzt dadurch erworben, dass er für blumenreiche Straßenränder sorgte, in mühevoller Arbeit zum Beispiel Amphibientümpel im Breitenauer Tal anlegte oder das Biotop auf der sogenannten Oefner-Wiese entwickelte. Dorthin lud er mit Freude Kindergruppen ein, damit sie von ihm die heimischen Blumen kennenlernten. Diese Fläche auf Dachauer Flur hat der BUND Naturschutz mittlerweile gemeinsam mit dem Landratsamt Dachau gepachtet. Dort wurde zu Ehren des 100. Geburtstages von Wast Aggensteiner von einem Mitstreiter des BN ein kleines Bankerl aufgestellt, welches auch in Zukunft an diesen außergewöhnlichen Naturschützer erinnern wird. Denn er selbst stellte sich an allen seinen Lieblingsplätzen kleine Bankerl zum Ausruhen und Beobachten auf.

Sein Wirken war überall anerkannt. Unter anderem verlieh ihm die Stadt Dachau die Silberne Bürgermedaille und der Freistaat Bayern im Jahr 1998 die Bayerische Umweltmedaille. Wast Aggensteiner hinterlässt nur einen kleinen ökologischen Fußabdruck, aber einen großen im Dachauer Naturschutz.