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Sunday, 29. March 2020 · 13:13 Uhr
 
 
 

CSU-Themenabend

»Wohnen und die Mobilität in der Zukunft«

Beim CSU-Themenabend (von li) Florian Scherf, Ulrike Scharf, Josef Reischl und Bernhard Seidenath. (Foto: CSU)

Auf Einladung der CSU Schwabhausen sprach die Erdinger Landtagsabgeordnete Ulrike Scharf im Gasthof Göttler vor rund 70 Zuhörern über das Wohnen und die Mobilität in der Zukunft. Die ehemalige bayerische Umweltministerin berichtete dazu von ihrer Arbeit im Landtagsausschuss für Wohnen, Bau und Verkehr. Der Schwabhausener CSU-Ortsvorsitzende Josef Reischl freute sich, eine große Anzahl von Besuchern und Mandatsträgern begrüßen zu können.

Der Landtagsabgeordnete und CSU-Kreisvorsitzende Bernhard Seidenath sprach in seinem Grußwort von der immensen Wichtigkeit und auch der Verflechtung der beiden vom Ortsverband Schwabhausen thematisierten Punkte, die neben der Gesundheit und Pflege die wichtigsten für unsere Gesellschaft sind, auch wenn sie in der öffentlichen Diskussion oft von anderem überdeckt werden. Es betreffe Landkreisthemen und so sei es erfreulich, dass sich zahlreiche Kreistagskandidaten aus der Stadt und dem Landkreis die Zeit für diese Veranstaltung genommen haben.

Bürgermeisterkandidat Florian Scherf stellte die konkrete Situation in Schwabhausen dar. Bei 6.700 Einwohnern bedeute das vom Gemeinderat beschlossene jährliche Wachstum um maximal ein Prozent, dass Jahr für Jahr Wohnraum für rund 70 Personen mehr geschaffen werden muss, was rund 30 Wohneinheiten entspreche. Dazu müssten die vorhandenen Baulücken genutzt, Wohnungsleerstand beseitigt und in Maßen auch neue Baugebiete ausgewiesen werden. Schwabhausen sei Mitglied der Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises, so dass endlich Sozialwohnungen entstehen könnten, wenn beispielsweise die Gemeinde ein Grundstück zur Verfügung stellt.

Von 2.900 im Gemeindegebiet ansässigen Beschäftigten arbeiten nur 200 hier, also sei die Auspendlerquote immens. Zwar gibt es mit Arnbach und Schwabhausen zwei S-Bahn-Haltepunkte. Diese seien aber nicht mit dem Busverkehr verknüpft, und für jeden Nutzer seien die zahlreichen Verspätungen und Ausfälle der S2 ein großes Ärgernis. Ärgerlich seien auch der Zustand und das Verkehrsaufkommen der Staatsstraße, die durch Schwabhausen führt, und die Engstelle im Ortskern von Arnbach, deren Belastung noch zunehme, wenn erst einmal die Südumfahrung in Indersdorf realisiert ist. Vernünftige Radwege seien im Ort nicht vorhanden, auch die Vernetzung mit dem überörtlichen Radwegenetz sei mangelhaft. Es gebe hier viel zu tun in den kommenden Jahren.

Ulrike Scharf hob in ihrem Vortrag hervor, dass der immense Zuzug in bayerische Ballungsräume vor zehn Jahren noch nicht absehbar gewesen sei. Die Versorgung mit Wohnraum sei eine »gesamtgesellschaftliche Aufgabe«, die nun gemeinsam angepackt werden müsse. Sie hob die vielen Leistungen hervor, die Bayern auch auf den Feldern der Wohnraumförderung und Baulandschaffung eine führende Rolle in Deutschland verschaffen. Mit dem »Baukindergeld Plus« und der bayerischen Eigenheimzulage unterstütze Bayern Familien mit Kindern zusätzlich bei der Bildung von selbstgenutztem Wohneigentum. Wie die Eigenheimzulage ist auch das Baukindergeld Plus deutschlandweit einmalig.

Die im vergangenen Jahr gegründete, staatliche Wohnungsbaugesellschaft Bayern Heim entwickelt aktuell 15 Projekte an elf Standorten in ganz Bayern und könne diese Woche ihre ersten Mieter offiziell begrüßen. Es gebe Überlegungen, die Sozialbindung von 25 auf 40 Jahre zu verlängern, um länger Mieter zu schützen. Im Bereich der Baulandbeschaffung werde an einem ganzen Instrumentarium von Erleichterungen, Vereinfachungen und Beschleunigungen gearbeitet, wobei hier oft Bundesrecht geändert werden müsse, was langwierigere Abstimmungsprozesse erfordere.

Zu den zahlreichen Verkehrsfragen vom Bus- und Schienenverkehr und dem Hype um die E-Mobilität über die mangelhafte Anbindung des Flughafens bis hin zur oft von Rechtsstreitigeiten gebremsten Umsetzung von Großprojekten konnte Ulrike Scharf viele Erkenntnisse auch aus ihren eigenen alltäglichen Erfahrungen teilen, zumal Erding und Schwabhausen über die S2 eine direkte Verbindung haben.

Für die anschließende Frage- und Diskussionsrunde nahme sich die ehemalige Umweltministerin viel Zeit. Zu vorgerückter Stunde schlug der Ortsvorsitzende Josef Reischl vor, die Veranstaltung zu einem anderen Zeitpunkt fortzuführen. Sichtlich erfreut stimmte Ulrike Scharf zu und versprach gerne wiederzukommen.