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Thursday, 21. January 2021 · 03:04 Uhr
 
 
 

Leserbrief

»Radschnellweg nach München«/ KURIER KW 19/2019

»Prinzipiell ist die Idee von Fahrradschnellwegen eine gute Sache. An den bereits vorhandenen Schnellwegen von Allach bis zum Hauptbahnhof in München (Mit einer Lücke bei Laim) oder durch Landshut kommt man gut und mit wenigen bis gar keinen Ampeln voran.

Das Problem ist jedoch die Infrastruktur zu solchen Radschnellwegen. Egal von wo nach wo solche Radschnellwege gebaut werden würden, es müsste vorher mal eine gründliche Sanierung und Aufbesserung des vorhandenen Radwegenetzes stattfinden. Insbesondere müssten alle Hindernisse wie zum Beispiel Bordsteinkanten, Schlaglöcher, Wurzelaufhäufungen,… aus dem Radwegenetz entfernt werden.

Dringend notwendig wäre es ferner, die teilweise total maroden Radwege entlang von Straßen zu sanieren. Bereits vor einem Jahr wurde mir von Seiten des Straßenbauamtes Freising zugesichert, dass der nicht mehr gefahrlos befahrbare Radweg von Oberroth nach Schwabhausen endlich saniert werden würde. Bis heute hat sich nichts in der Richtung bewegt.

Als besonders negativ hinsichtlich maroder Radwege ist das Netz in der Gemeinde Erdweg zu erwähnen. Mehr als 50 Prozent des Netzes sind aufgrund hoher Radwegeschäden nicht mehr nutzbar, aber dennoch wegen der Beschilderung verpflichtend zu nutzen. Von Fahrkomfort kann auch mit einem vollgefederten Mountainbike keine Rede mehr sein. Der Antrag hinsichtlich Wegfall der Nutzungspflicht wurde bis heute nicht bearbeitet. Auch der Irrsinn mit den lebensgefährlichen permanenten Seitenwechseln von Radwegen müsste endlich ein Ende haben. Auf der Fahrt von zum Beispiel Unterweikertshofen nach Stetten hat man siebenmal die Seite zu wechseln. Das heißt jedes Mal, den Kopf um 180 Grad drehen, um den überholenden Verkehr eine ganze Weile genau zu beobachten, wie der auf Handzeichen und das Ansetzen des Fahrbahnwechsels reagiert. In der Regel wird man als Radler vollständig ignoriert und noch munter darauf los überholt. Eine alles andere als prickelnde und ungefährliche Situation! Gleichzeitig hat man überhaupt nicht im Blick, was zwischenzeitlich in Fahrtrichtung passiert. Da könnte doch zwischenzeitlich ein Autofahrer den Radler übersehend in die Straße einbiegen und den Radler abschießen.

Dieses Problem des Seitenwechsels wird von allen Seiten (Landratsamt, Erbauer, Planer, Polizei,…) völlig unterschätzt, heruntergeredet oder gar ignoriert. Und solange dieses Problem nicht in Angriff genommen wird, wird auch jeder Radschnellweg sinnlos sein, weil keiner aus der Peripherie an den Radweg gefahrlos herankommt.

Aus persönlicher Erfahrung heraus ist es so, dass die Unfallwahrscheinlichkeit in Zusammenhang mit einem Radweg um den Faktor 100 höher ist als die Fahrt mit den Autos auf der Straße. Auch das findet leider keinerlei Beachtung bei allen zuständigen Behörden und Ämtern. Grund für die Ignoranz von allen Seiten ist die alleinige Gedanke: Hauptsache die Radler sind weg von der Straße, damit diese den Autoverkehr nicht behindern. Wie der Radler mit dem zurechtkommt, was ihm vorgesetzt wird, interessiert zum Leidwesen der Nutzer den Zuständigen bedauerlicherweise nicht im Geringsten. Trotzdem will man sich ständig damit rühmen, den Radverkehr zu stärken. Es ist jedoch das Gegenteil der Fall. Mit jedem neu gebauten Radweg werden so viele Gefahrenstellen eingebaut, dass es vorher ohne Radweg deutlich sicherer zum Fahren war.

Im Europäischen Vergleich ist Deutschland aus meiner Sicht trotz aller großen Sprüche Seitens Politiker das fahrradfeindlichste und gefährlichste Land zum Radfahren hinter Ungarn. Nur in Ungarn ist die Situation für Fahrradfahrer noch katastrophaler. In Ländern wie Rumänien oder gar Türkei fährt es sich weit besser und sicherer als hier in Deutschland mit den an den Anforderungen der Radfahrer vorbei gebauten und gefährlichen Radwegen«.

Thomas Schmacht aus Erdweg